Lehrkräftemangel in Deutschland: Chancen und Herausforderungen durch Quereinsteiger
Die Bedeutung von Quer- und Seiteneinsteigern im deutschen Schulsystem wächst, da der Lehrkräftemangel immer drängender wird. Laut aktuellen Statistiken des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hatten im Schuljahr 2023/24 etwa 10,5 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer keine anerkannte Lehramtsprüfung – eine Steigerung im Vergleich zu 9,8 Prozent im Vorjahr. Besonders betroffen sind Berufsschulen, wo 16,6 Prozent der Lehrkräfte ohne formale Lehramtsqualifikation unterrichten.
Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), wie Anja Bensinger-Stolze, betonen, dass Quereinsteiger eine Bereicherung für das System darstellen können, jedoch nur eine von vielen Maßnahmen sein sollten. Wichtig sei es, den Lehrerberuf attraktiver zu gestalten, um den Bedarf langfristig zu decken.
Quereinsteiger sind diejenigen, die eine Ausbildung durchlaufen, während Seiteneinsteiger ohne solches Referendariat direkt starten. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) mahnt, dass die Integration von Seiteneinsteigern nur bei ausreichender Qualifizierung und Unterstützung gelingen kann, um einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrbereich vorzubeugen.
Die Erhöhung der Attraktivität des Lehrerberufs solle bereits im Studium erfolgen. Trotz eines leichten Anstiegs der Erstsemester zahlen, mit gut 46.400 im Jahr 2023, bleibt die Anzahl unter dem Vorjahresniveau. Auch die Absolventenzahlen im Prüfungsjahr 2023 sind leicht gestiegen, jedoch mit einem deutlichen Rückgang über zehn Jahre hinweg.

