Lebensmittelkennzeichnung: Foodwatch fordert verpflichtenden Nutri-Score
Fünf Jahre nach der Einführung des farbigen Nährwert-Logos Nutri-Score in Deutschland intensiviert die Verbraucherorganisation Foodwatch ihren Druck auf eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht. „Solange das Logo nur auf einigen wenigen Produkten im Supermarkt vorhanden ist, kann die Lebensmittelampel ihre gewünschte Durchschlagskraft nicht entfalten“, argumentiert Luise Molling, Expertin bei Foodwatch. Bislang sei auf einen Blick nicht ersichtlich, welches Tiefkühlgericht, Knuspermüsli oder Toastbrot die beste Nährwertbalance aufweise. Ein verpflichtender Einsatz bei Herstellern aller Art, vom Junkfood-Produzenten bis zum Bio-Pionier, würde den praktischen Nutzwert des Nutri-Scores im Einkaufskorb erheblich steigern.
Derzeit haben Hersteller die Möglichkeit, das Nutri-Score-Logo freiwillig zu verwenden, sind dann jedoch an bestimmte Vorgaben gebunden. Seit November 2020 bietet eine Verordnung einen rechtssicheren Rahmen dafür. Das in Frankreich entwickelte System evaluiert neben Zucker, Fett und Salz auch positive Bestandteile wie Eiweiß, Ballaststoffe sowie Obst- und Gemüseanteile. So wird ein Bewertungsschema erstellt: Ein dunkelgrünes „A“ steht für die günstigste Nährwertbilanz, ein rotes „E“ für die ungünstigste.
Die Bekanntheit des Nutri-Scores ist laut einer Umfrage im Auftrag von Foodwatch beachtlich: 78 Prozent der Teilnehmer haben angegeben, das Logo beim Einkaufen sehr häufig oder häufig zu sehen, während 14 Prozent es manchmal bemerken. Lediglich 31 Prozent jedoch nutzen den Score aktiv bei ihrer Einkaufsentscheidung. Dieser Umstand sei verständlich, so Foodwatch, da der Nutri-Score nur auf wenigen Produkten derzeit vertreten sei und ernsthafte Vergleiche erschwere. Die Verbraucherstudie basiert auf den Antworten von 1.103 Personen ab 16 Jahren, befragt im August von der Agentur Zühlsdorf und Partner.
Foodwatch fordert daher von Ernährungsminister Alois Rainer eine nationale Verpflichtung zur Nutri-Score-Kennzeichnung, da sich EU-weit verbindliche Regelungen nicht ausreichend entwickelt haben. Mit Stand von April nutzen 960 Unternehmen mit 1.420 Marken den Nutri-Score bereits freiwillig. Das Ministerium hat jedoch verdeutlicht, dass eine nationale Verpflichtung nach derzeitigen EU-Vorgaben nicht machbar ist, während Nährwerttabellen mit Angaben je 100 Gramm bereits zwingend vorgeschrieben sind.

