Kurswechsel bei der Deutschen Bahn: Neue Chefin, gelockerte Ziele und Fokus auf Qualität
Die Deutsche Bahn steht vor einem führungs- und strategiewandelnden Umbruch: Evelyn Palla übernimmt als neue Vorsitzende das Zepter und löst damit den bisherigen Bahnchef Richard Lutz ab. Mit realistischeren Pünktlichkeitszielen und einem starken Fokus auf Sauberkeit und Sicherheit möchte Patrick Schnieder, Verkehrsminister der CDU, die Bahnkrise angehen. Eine tatsächliche Verbesserung für die Fahrgäste wird jedoch erst in einigen Jahren spürbar sein.
Mit der Zielsetzung, bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent der Fernzüge pünktlich im Netz ohne größere Verzögerungen fahren zu lassen, weicht man von den zuvor wesentlich ambitionierteren Vorgaben ab, die Schnieder als "jenseits aller Realität" bezeichnete. Mittelfristig wird eine Pünktlichkeit von mindestens 80 Prozent und langfristig von 90 Prozent anvisiert. Im Nahverkehr soll dauerhaft eine Quote von über 90 Prozent erreicht werden.
Palla, die seit 2019 im Konzern tätig ist und als empathischer und charismatischer als ihr Vorgänger gilt, führt nun ein leichter verkleinertes Vorstandsteam und verfolgt das Hauptziel der verbesserten Zuverlässigkeit. Mit der Streichung von Ressorts wie Infrastruktur soll die Netztochter DB InfraGo eigenständiger agieren können.
Schnieders Plan beinhaltet auch drei "Sofortprogramme" zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit. Diese fokussieren sich auf die Verbesserung der Sicherheit und Sauberkeit auf Bahnhöfen, eine optimierte Kundenkommunikation durch die Fahrgast-App DB Navigator und einen gesteigerten Komfort in den Zügen. Damit soll eine nachhaltige Reform der Deutschen Bahn eingeleitet werden.
Doch die Herausforderung bleibt groß: Im ersten Halbjahr 2023 war mehr als ein Drittel der Fernzüge unpünktlich. Die Ursachen verorten sich vor allem im maroden und überlasteten Schienennetz. Eine erneute Intensivierung des Fokus auf die Modernisierung von Strecken ist angedacht, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.
Ein weiterer Personalwechsel bei der DB InfraGo ist ebenfalls in Planung, mit Dirk Rompf als möglichem neuen Chef. Die Entscheidung liegt jedoch noch beim Aufsichtsrat, wo es Widerstand gibt. Nagl, der bisherige Leiter, hat maßgeblich das Konzept zur Generalsanierung von über 40 Strecken entwickelt—a ein Ansatz, den Schnieder weiterhin unterstützt.
Der Fahrplan für die Deutsche Bahn ist ambitioniert: Mit konkreten Strategien und fokussierten Maßnahmen soll die Zuverlässigkeit verbessert werden, sodass Kunden nicht nur informiert, sondern auch zufrieden auf der Schiene unterwegs sind.

