Kunst in der Kritik: Thomas Jolly Ziel von Online-Hass
Die französischen Ermittlungsbehörden prüfen derzeit Morddrohungen und Online-Belästigungen gegen Thomas Jolly, den künstlerischen Leiter der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Paris. Obwohl die Veranstaltung weitestgehend positive Resonanz in Frankreich fand, sorgte eine Bankettszene mit Dragqueens für Aufruhr in konservativen Kreisen, die hierin eine Parodie von „Das letzte Abendmahl“ sahen.
Jolly meldete die Online-Angriffe und Beleidigungen, die sich teilweise auf seine sexuelle Orientierung und eine vermeintlich israelische Herkunft stützen, bereits Anfang dieser Woche. Der Staatsanwalt von Paris hat eine Untersuchung wegen Hassreden eingeleitet.
Die Pariser Bürgermeisterin, Anne Hidalgo, stärkte Jolly den Rücken und betonte die Bedeutung von Kunstfreiheit: „Paris war stolz und geehrt, auf sein Talent zählen zu können, um unsere Stadt zu bereichern und der Welt zu zeigen, wofür wir stehen. Gestern, heute und morgen wird Paris immer hinter Künstlern, Kreativität und Freiheit stehen.“
Einer Umfrage zufolge bewerteten 86 Prozent der Franzosen die Eröffnungszeremonie als Erfolg. Doch trotz dieser Zustimmung führte die Kontroverse um die Bankettszene zu einer verstärkten Kritik in sozialen Medien, unterstützt von rechtspopulistischen Politikern in Frankreich und im Ausland.
In einem Interview mit BFM-TV stellte Jolly klar, dass die Szene von der griechischen Mythologie inspiriert war und keinesfalls auf „Das letzte Abendmahl“ anspielte. „Ich wollte eine Zeremonie schaffen, die heilt und versöhnt,“ erklärte er.
Zusätzliche Berichte über Cybermobbing betreffen auch andere Künstler der Zeremonie. Barbara Butch, eine DJane aus derselben Szene, erstattete Anzeige wegen Cybermobbing und Mord- und Vergewaltigungsdrohungen. „Sie wurde mit Mord, Folter und Vergewaltigung bedroht und war Ziel zahlreicher antisemitischer, homophober, sexistischer und fettfeindlicher Beleidigungen,“ sagte ihre Anwältin Audrey Msellati.
Auch Nicky Doll, eine Dragqueen und Moderatorin von „Drag Race France,“ reichte eine Anzeige wegen Verleumdung ein.
Thomas Jolly lehnte ein Interview ab und lässt durch seine Anwältin Patricia Moyersoen ausrichten, dass er sich nun auf die Abschlusszeremonie konzentriert. „Er ist weitergezogen und benötigt seine gesamte Zeit.“

