Künstler-Boykott setzt KKR-Festivalbetreiber Superstruct unter Druck
Das Musikfestival Victorious in Portsmouth, Teil des Portfolios des von KKR kontrollierten Festivalbetreibers Superstruct, ist am Wochenende von einem Boykott mehrerer Bands erschüttert worden. Hintergrund war ein Vorfall, bei dem die Organisatoren den Auftritt der irischen Folkband The Mary Wallopers abbrachen, nachdem diese eine palästinensische Flagge auf der Bühne gezeigt hatte.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Mit The Last Dinner Party sagte eine der Hauptbands für Samstag ihren Auftritt ab, ebenso The Cliffords und The Academic. In sozialen Medien warfen sie den Organisatoren „politische Zensur“ vor und solidarisierten sich mit der irischen Band. Victorious erklärte daraufhin, das eigene „Flaggenverbot“ sei seit Jahren aus Sicherheitsgründen in Kraft, räumte aber ein, dass die Umsetzung und Kommunikation des Verbots in diesem Fall „unsensibel“ gewesen sei.
Superstruct, das im vergangenen Jahr für 1,3 Mrd. Euro von KKR übernommen wurde, sieht sich bereits länger mit politischen Protesten konfrontiert. Im Frühjahr hatten Künstler den Boykott des Elektronikfestivals Sónar in Barcelona angekündigt, weil KKR-Gelder mit Israel in Verbindung gebracht werden. Auch Festivals wie SXSW oder Sziget gerieten ins Visier von Aktivisten.
Die Debatte um Victorious fällt in eine Phase, in der Künstler zunehmend Festivals nutzen, um politische Botschaften zu platzieren. Auftritte bei Glastonbury oder Wacken wurden in diesem Sommer ebenfalls von Solidaritätsbekundungen für Palästina begleitet. Die Organisatoren von Victorious versprachen nun eine Spende für humanitäre Hilfsprojekte in Gaza, während KKR zu den Vorwürfen schwieg.
Mit dem Abbruch des Konzerts und dem anschließenden Boykott durch namhafte Bands verschärft sich für Superstruct die Frage, wie stark politische Konflikte das Geschäft mit Musikfestivals belasten können.

