Kritik und Fassungslosigkeit nach Übergriffen von Köln

05. Januar 2016, 22:17 Uhr · Quelle: dpa

Köln (dpa) - Die schockierenden Übergriffe auf Frauen in Köln und die erfolglose Suche nach den Tätern haben in Deutschland Fassungslosigkeit ausgelöst. Kanzlerin Angela Merkel forderte eine harte Antwort des Rechtsstaats.

Merkel drückte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker «ihre Empörung über diese widerwärtigen Übergriffe und sexuellen Attacken aus».

Die Polizei erklärte, nach den Übergriffen in der Silvesternacht noch keine Verdächtigen zu haben. «Wir haben derzeit keine Erkenntnisse über Täter», sagte Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers. Kritik am Einsatz der Polizei wies er zurück. «Wir waren nicht überfordert», versicherte er. Der volle Umfang - insbesondere der sexuellen Übergriffe - sei allerdings erst am nächsten Tag klar geworden.

Aus Protest gegen die Übergriffe demonstrierten am Dienstagabend in Köln mehrere Hundert Menschen gegen Gewalt gegen Frauen. Nach Angaben der Polizei kamen etwa 250 bis 300 Frauen und Männer zu der Kundgebung vor dem Dom. Sie forderten mehr Respekt und einen besseren Schutz von Frauen.

Nach Polizei-Angaben hatte sich am Silvesterabend auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln eine Ansammlung von etwa 1000 Männern gebildet, die mit Feuerwerkskörpern um sich warfen. Als die Polizei einschritt, zersplitterte sich die Gruppe in viele kleinere. Danach soll es zu Übergriffen auf Frauen gekommen sein. Frauen wurden demnach von Männergruppen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt. Albers sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form. In einem Fall ermittelt die Polizei wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung.

Zeugen beschrieben die Angreifer nach Polizeiangaben als Männer, die «dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum» stammen. «Es gibt keinen Hinweis, dass es sich hier um Menschen handelt, die hier in Köln Unterkunft als Flüchtlinge bezogen haben», betonte Oberbürgermeisterin Reker. Im ZDF-«heute-journal» sagte Reker: «Ich bin nicht bereit, das kriminelle Verhalten von Tätern (...) auf bestimmte Personengruppen zu projizieren.»

Die Kritik an der Polizei nimmt unterdessen zu. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte den ARD-«Tagesthemen»: «Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten.» Der nordrhein-westfälische CDU-Chef Armin Laschet warf der Polizeispitze Versagen vor. «Während die bayerische Polizei erfolgreich dem Terror trotzt, ist die NRW-Polizei in Köln nicht in der Lage, Frauen vor serienweisen sexuellen Übergriffen im Zentrum der größten Stadt des Landes zu schützen», sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch).

Am Neujahrsmorgen hatte die Kölner Polizei die Silvesternacht noch als recht entspannt beschrieben. Polizeipräsident Albers rügte diese Darstellung nun als falsch und bemängelte im WDR-Fernsehen «interne Kommunikationsfehler». Am Dienstagabend veröffentlichte die Polizei Einzelheiten zu dem Einsatz. Demnach hatten bereits in der Nacht einzelne Frauen der Polizei sexuelle Übergriffe geschildert. Passantinnen seien gewarnt und von Beamten «sicher durch die Menschenmenge begleitet» worden, heißt es in der Mitteilung. Bis zum Dienstagabend schraubte sich die Zahl der Anzeigen auf 90 nach oben.

In Köln kündigten die Stadt und die Polizei an, mit «Sofortmaßnahmen» auf die Vorfälle reagieren zu wollen. Reker sagte, so etwas dürfe es «nie wieder» geben. Zu dem Paket gehöre eine stärkere Polizeipräsenz bei Großveranstaltungen wie dem kommenden Karneval. Zudem sollen verstärkt mobile Videokameras eingesetzt werden, die Menschenmengen von oben beobachten können. Auch will die Kölner Polizei Menschen, die in der Vergangenheit beispielsweise mit Taschendiebstählen aufgefallen sind, den Zutritt zu bestimmten Bereichen verbieten.

Bundesweit riefen die Übergriffe Empörung hervor. Innenminister de Maizière sprach von einer neuen Dimension. Zugleich mahnte er: «Dies darf aber nicht dazu führen, dass nunmehr Flüchtlinge gleich welcher Herkunft, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen, unter einen Generalverdacht gestellt werden.» NRW-Regierungschefin Kraft sprach von einer «Eskalation der Gewalt» und sexuellen Übergriffen «durch Männer-Banden». Dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Mittwoch) sagte sie: «Für die Opfer, insbesondere die betroffenen Frauen, waren das schreckliche, zutiefst verstörende Erlebnisse.»

Auch die Polizei in Hamburg ermittelt wegen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht. Die Opfer seien jeweils von mehreren Männern an der Reeperbahn umringt und an der Brust oder im Intimbereich begrapscht worden, sagte Polizeisprecher Holger Vehren am Dienstag. Zugleich hätten ihnen die Täter Handys, Papiere und Geld weggenommen. Bis zum Abend wurden 27 Anzeigen gezählt.

Kriminalität / Deutschland
05.01.2016 · 22:17 Uhr
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