Nachrichtenüberblick

Krieg in der Ukraine: Cherson vermutlich in russischer Hand

04. März 2022, 04:27 Uhr · Quelle: dpa
Das Blutvergießen im Ukraine-Krieg hält an - und das Schlimmste steht womöglich noch bevor. Das Pentagon in den USA geht davon aus, dass die Stadt Cherson an die Russen gefallen ist.

Washington (dpa) - Die US-Regierung geht zudem davon aus, dass die Gebietshauptstadt Cherson im Süden der Ukraine höchstwahrscheinlich von der russischen Armee kontrolliert wird. «Es gibt gewiss Anzeichen dafür, dass (die Russen) das tun», sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Abend dem Sender CNN. Man müsse aber vorsichtig sein, die US-Amerikaner hätten niemanden vor Ort, der das bestätigen könne. «Wir können es also nicht mit Sicherheit sagen, aber wir haben keinen Grund, an den Berichten zu zweifeln, die von den Ukrainern selbst kommen, dass die Russen in Cherson sind.»

Russen bombardieren Ukraine weiter

Russland verstärkte derweil am achten Tag der Invasion abermals seine Luftangriffe auf Ziele in der Ukraine. Nach Angaben ukrainischer Behörden gab es auch am Donnerstag wieder Dutzende Tote - allein 33 in der Großstadt Tschernihiw, wo augenscheinlich ein Wohnblock getroffen wurde.

Laut den Vereinten Nationen sind inzwischen mehr als eine Million Menschen geflüchtet, bis zu zehn Millionen könnten es nach UN-Schätzung werden. Auch die EU-Kommission rechnet mit mehreren Millionen Kriegsflüchtlingen, die nach einem Beschluss der Mitgliedstaaten vom Donnerstag schnell und unkompliziert aufgenommen werden sollen.

Russlands Staatsführung macht derweil wenig Hoffnung darauf, dass der militärische Druck auf die Ukraine und das Blutvergießen dort bald nachlassen könnten. «Wir sind gesprächsbereit, aber wir werden unsere Operation fortsetzen», sagte Außenminister Sergej Lawrow. Präsident Putin zeigte sich demonstrativ zufrieden mit dem Erreichten und sagte bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats, der Militäreinsatz verlaufe «streng nach Zeitplan und nach Plan».

In dem Telefonat mit Macron drohte Putin nach Kreml-Angaben, weitere Forderungen an die Ukraine zu stellen. Zuvorderst gehe es um die Demilitarisierung der Ukraine und deren neutralen Status. Putin habe betont, dass die Ziele der «militärischen Spezial-Operation», wie Russland den Krieg bezeichnet, in jedem Fall erreicht würden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab sich weiter kämpferisch. «Sie werden hier keinen Frieden haben, sie werden hier kein Essen haben, sie werden hier keine ruhige Minute haben», sagte er in einer Videobotschaft über die russischen Truppen. Außerdem forderte er Putin erneut zu direkten Gesprächen auf.

Die militärische Lage

Bei den russischen Angriffen auf die ostukrainische Millionenstadt Charkiw und deren Umgebung wurden nach Angaben örtlicher Behörden am Mittwoch und Donnerstag mindestens 34 Zivilisten getötet und Hunderte verletzt, darunter mehrere Kinder. Diese Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Auch in der Hauptstadt Kiew gab es in der Nacht mehrere schwere Explosionen. Luftalarm wurde ausgelöst, wie die Agentur Unian berichtete. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb bei Telegram: «Der Feind versucht, in die Hauptstadt durchzubrechen.» Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs setzten sich russische Truppen nördlich und nordwestlich von Kiew in 20 bis 30 Kilometern Entfernung von der Stadtgrenze fest und errichteten Feldlager.

Die südukrainische Hafenstadt Mariupol ist nach russischen Angaben inzwischen komplett eingeschlossen. Die rund 440.000 Einwohnern haben nach Angaben örtlicher Behörden weder Wasser, Heizung noch Strom. Die südliche Gebietshauptstadt Cherson wurde von der ukrainischen Armee offenbar aufgegeben.

Nach Einschätzung aus US-Verteidigungskreisen sind bislang 90 Prozent der rund 150.000 zuvor an der Grenze zur Ukraine versammelten russischen Soldaten in das Land vorgerückt. Davon wurden laut ukrainischen Angaben seit Beginn des Kriegs etwa 9000 russische Soldaten getötet. Hunderte Militärfahrzeuge, darunter mehr als 200 Panzer, sowie Dutzende Flugzeuge und Hubschrauber seien zerstört worden. Russland hatte am Mittwoch 498 getötete Soldaten in den eigenen Reihen bestätigt und von fast 3000 toten «Soldaten und Nationalisten» auf der Gegenseite gesprochen. Auch diese Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Weltstrafgericht ermittelt zu Kriegsverbrechen

Der Chefankläger des Weltstrafgerichts, Karim Khan, leitete Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der Ukraine ein. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock verlangte rasche Untersuchungen. «Schwere Menschenrechtsverletzungen müssen strafrechtlich verfolgt werden», sagte sie in einer Videobotschaft bei der Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf.

Bundeskanzler Olaf Scholz wies indes den Vorwurf zurück, Deutschland habe mit der Lieferung von Waffen an die Ukraine zu lange gewartet. Ziel müsse jetzt eine Waffenruhe sein und der Rückzug der russischen Truppen, sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung «Maybrit Illner». Richtig sei, weiter mit Sanktionen Druck zu machen und Spielräume für Diplomatie zu erhalten.

Um den Druck auf Russland zu erhöhen, kündigte die US-Regierung weitere Sanktionen an. Sie richten sich gegen zahlreiche Oligarchen, die Putin «trotz seiner brutalen Invasion in die Ukraine weiterhin unterstützen», wie das Weiße Haus mitteilte - und gegen andere Vertraute des Präsidenten wie dessen Sprecher Dmitri Peskow. Sie alle würden vom US-Finanzsystem abgeschnitten und den Zugriff auf Vermögenswerte wie Jachten und Luxuswohnungen verlieren. Auch Großbritannien verhängte weitere Sanktionen gegen zwei dem Kreml nahe stehende Oligarchen, die ebenfalls auf der US-Sanktionsliste stehen.

Besteht die Gefahr eines Atomkriegs?

Angesichts der massiven Spannungen zwischen dem Westen und der Atommacht Russland treibt die Sorge vor einer nuklearen Eskalation der Lage nicht nur den russischen Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow um. «Das wäre natürlich ein Alptraum, aber ich schließe nicht aus, dass es irgendwann tatsächlich Versuchungen geben könnte, auf den nuklearen Knopf zu drücken», sagte er.

Angesichts gleichlautender Warnungen auch aus anderen Ländern warf Russland dem Westen Panikmache vor. «Alle wissen, dass ein Dritter Weltkrieg nur ein nuklearer sein kann», sagte Lawrow. Diese Frage stelle sich aber nur in den Köpfen westlicher Politiker und nicht in denen der Russen. Muratow ist allerdings auch Russe.

Regierungskritische Stimmen haben es in Putins Russland ohnehin schwer, nun wird nach anderen unabhängigen Medien auch der populäre kremlkritische Radiosender Echo Moskwy dichtgemacht. Der Verwaltungsrat habe entschieden, den Sender und seine Internetseite zu schließen, teilte Chefredakteur Alexej Wenediktow in Moskau mit. Der Sender hatte kritisch über Russlands Krieg berichtet und war für viele Russen, die Propaganda der Staatsmedien ablehnen, die wichtigste Informationsquelle.

Auch der unabhängige Online-Sender Doschd stellt angesichts des harten Vorgehens der Behörden die Arbeit ein - wenn auch zunächst nur vorübergehend, wie es hieß. Nach Angaben von Chefredakteur Tichon Dsjadko haben er und weitere führende Redaktionsmitglieder das Land inzwischen verlassen.

Konflikte / Krieg / Wladimir Putin / Wolodymyr Selenskyj / Saporischschja / Atomkraftwerk / Ukraine / Russland / International / Gesamtzusammenfassung
04.03.2022 · 04:27 Uhr
[14 Kommentare]
Mann droht mit Anschlag in ICE
Siegburg (dpa) - Nach einer Anschlagsdrohung in einem ICE in Nordrhein-Westfalen hat der Staatsschutz der Polizei Bonn die Ermittlungen übernommen. Weitere Auskünfte zu den möglichen Hintergründen der Tat gab eine Sprecherin der Polizei zunächst nicht. Die «Bild» berichtete, dass der Tatverdächtige den Behörden bereits vor der Tat bekannt gewesen sein […] (02)
vor 8 Minuten
Credit: William Shatner/X
(BANG) - William Shatner wehrt sich, nachdem eine beunruhigende Welle KI-generierter Falschmeldungen behauptete, die 'Star Trek'-Legende leide an einer tödlichen Krankheit. Der 95-jährige Schauspieler wandte sich am Donnerstag (2. April) auf X an seine Fans, um vor den falschen Geschichten zu warnen. Er erklärte, dass er am Tag zuvor bewusst nichts […] (00)
vor 1 Stunde
Ricarda Lang
Berlin (dpa) - Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat nach eigener Aussage digitale Gewalt im Netz erlebt und kennt auch einen Deepfake-Porno von sich selbst. «Digitale Gewalt hat mich von Beginn meiner politischen Karriere an begleitet. Menschen haben mich im Netz diffamiert und bedroht», sagte die ehemalige Grünen-Chefin dem «Spiegel». Es gebe alle […] (00)
vor 5 Minuten
The Division 2 – Start der der neuen Season in Jahr 8 namens „Rise Up“
The Division 2  startet Jahr 8 mit der neuen Season namens „Rise Up“. Diese stellt Spieler: innen vor neue Herausforderungen, weswegen sie mächtiger denn je werden müssen. In der neuen Season reagiert die Fraktion Black Tusk aggressiv auf die Aktivitäten der Division-Agenten mit Angriffen in der ganzen Stadt. Die   Agenten sehen sich mit einem Elite- […] (00)
vor 1 Stunde
Geo zeigt Doku «Hitlers DNA - Das letzte Geheimnis des Diktators»
Die neue zweiteilige Dokumentation untersucht genetische Spuren und liefert kontroverse Thesen zur Persönlichkeit Adolf Hitlers. Der Spartensender Geo Television zeigt am Mittwoch, 29. April, ab 20: 15 Uhr die Deutschlandpremiere der Dokumentation Hitlers DNA - Das letzte Geheimnis des Diktators. Die britische Produktion «Hitler's DNA: Blueprint Of A Dictator» wird in zwei Teilen ausgestrahlt […] (00)
vor 1 Stunde
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeistertrainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes Comeback-Gerücht. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte der 66-Jährige für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Dem Bericht zufolge steht der frühere Bundestrainer kurz davor, einen ausschließlich auf die Endrunde in den USA, Kanada […] (00)
vor 43 Minuten
btc, bitcoin, coin, cryptocurrency, crypto, finance, trader, currency, money
Toobit, eine international bekannte Kryptowährungsbörse, hat kürzlich eine neue Möglichkeit für hohe Renditen auf USDC, den zweitgrößten Stablecoin der Branche, angekündigt. Wichtige Informationen Ab dem 7. April bietet Toobit eine jährliche Rendite von 30% (APR) für USDC im Rahmen eines festen Anlageprodukts an. Diese kurzfristige Gelegenheit richtet sich an Trader, die ihre Stablecoin- […] (00)
vor 55 Minuten
Wild Immobilien&Finanzierung: Neunmal Platz 1 in Püttlingen
Püttlingen/Merchweiler, 03.04.2026 (lifePR) - Ein weiterer Meilenstein für Wild Immobilien&Finanzierung: Das Unternehmen wurde aktuell zum neunten Mal in Folge in Püttlingen mit Platz 1 für die Domainreichweite ausgezeichnet. Darüber hinaus erreichte das Unternehmen bereits zum dritten Mal in Folge eine Top-5-Platzierung in Merchweiler. Die erneuten […] (00)
vor 2 Stunden
 
US-Präsident Trump
Brüssel/Washington (dpa) - Führt Donald Trump die USA aus Verärgerung über mangelnde […] (13)
US-Golfstar Tiger Woods in Autounfall verwickelt
Jupiter Island (dpa) - Tiger Woods hat unmittelbar nach seinem Autounfall nach […] (01)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - Sie waren lautstarke und prominente Persönlichkeiten in Donald […] (03)
Iran-Krieg - Iran
Teheran (dpa) - Es ist der 28. Februar. Israel und die USA greifen den Iran an. In […] (00)
Basketballer Ivan Kharchenkov
Indianapolis (dpa) - Statt mit dem FC Bayern in der Bundesliga gegen den […] (00)
Neue Klage gegen Ubisoft: The Crew kehrt als juristisches Damoklesschwert zurück
Fast zwei Jahre nach der erzwungenen Abschaltung holt The Crew Ubisoft wieder ein – […] (00)
Interview: Tim Cook entdeckt seltene Prototypen vom iPhone und iPod
In einem Interview mit dem Wall Street Journal unternahm Tim Cook zusammen mit dem […] (00)
Die Landschaft des digitalen Handels Der Aufstieg digitaler Handelsplattformen hat […] (00)
 
 
Suchbegriff