Krankenkassen am Limit: Drohende Beitragserhöhung trotz Bundeshilfe
Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) stehen erneut unter massivem wirtschaftlichem Druck. Wie Oliver Blatt, der neue Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" äußerte, drohen die Zusatzbeiträge zum Jahreswechsel auf drei Prozent zu steigen, falls keine sofortige Kostenbremse greift. Ein angekündigtes Darlehen des Bundes scheint diese Entwicklung kaum aufhalten zu können.
Bereits zu Beginn des Jahres erhöhte sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag unerwartet auf 2,9 Prozent, deutlich über dem prognostizierten Wert von 2,5 Prozent. Diese Belastung trifft Versicherte zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent des Bruttogehalts. Die Kostenexplosion erstreckt sich über viele Bereiche: Kliniken verzeichnen nahezu zehnprozentige Kostensteigerungen, Praxen etwa sieben Prozent und Medikamente über sechs Prozent.
Blatt kritisierte die bisherigen politischen Hoffnungen auf einen konjunkturellen Aufschwung als riskant und forderte, dass die Gesamtausgaben der Krankenkassen nicht über die Einnahmen steigen dürfen. Konkret sollte sich der Anstieg der Ausgaben, angelehnt an das laufende Jahr, auf 5,1 Prozent begrenzen – gleichauf mit den Beitragseinnahmen. Obwohl die Bundesregierung zusätzliche finanzielle Mittel über zwei neue Darlehen zur Reduzierung des erwarteten Defizits bis 2026 angekündigt hat, bezeichnete Blatt diese Maßnahmen als "politische Augenwischerei".
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) entgegnete diesen Überlegungen mit dem klaren Ziel, in den Haushaltsverhandlungen weitere Gelder zu erschließen, ohne dabei die Beitragsbemessungsgrenze anzuheben. Eine solche Maßnahme würde nicht nur Spitzenverdiener belasten, sondern auch Facharbeiter mit mehreren Hundert Euro zusätzlich im Jahr. Die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 5.512,50 Euro monatlich, Einkommen darüber bleibt beitragsfrei.
Eine Erhöhung dieser Grenze könnte die Lohnnebenkosten weiter in die Höhe treiben und ist daher umstritten.

