Konflikt um Plastikmüll-Abkommen: Ein zähes Ringen ohne Ergebnis
In Genf bleibt die Hoffnung auf ein globales Abkommen zur Eindämmung des Plastikmülls bislang unerfüllt. Trotz zäher Verhandlungen und einer abschließenden Sitzung, die mehrfach verschoben wurde, ist ein gemeinsamer Entwurf noch nicht in Sicht. Sollte der Vorsitzende der Konferenz, Luis Vayas Valdivieso, in dieser prekären Lage nicht den Verhandlungstisch räumen, könnte eine Entscheidung in einer Nachtsitzung erzwungen werden.
Rund 180 Länder sind sich einig über die Dringlichkeit des Plastikproblems, das Meere, Berge und sogar den menschlichen Organismus belastet. Doch die Meinungen darüber, wie diesem Übel begegnet werden soll, driften weit auseinander. Die Verhandlungen laufen bereits seit drei Jahren mit dem Ziel, in Genf einen abschließenden Vertragstext zu formulieren.
Selbst wenn ein Text zustande käme, wäre dessen Umsetzung wegen der langwierigen Ratifizierungsprozesse ein Projekt der kommenden Jahre. Auf der einen Seite steht eine Koalition aus mehr als 100 Ländern mit ambitionierten Zielen, die unter dem Namen High Ambition Coalition firmieren. Dazu gehören unter anderem Deutschland und die EU. Sie fordern, die Plastikproduktion auf ein nachhaltiges Maß zu beschränken, Einwegprodukte zu eliminieren und eine Kreislaufwirtschaft zu fördern.
Im Gegensatz dazu setzt die Gruppe der Gleichgesinnten, zu der unter anderem Saudi-Arabien, der Iran und Russland gehören, verstärkt auf bessere Abfallbewirtschaftung. Für sie steht der Erhalt ihrer Rolle als Rohstofflieferanten im Vordergrund. Das Mandat aus dem Jahr 2022 schien ursprünglich klar umzusetzen zu sein, fordert es doch einen ganzheitlichen Ansatz über den gesamten Lebenszyklus des Plastiks von der Produktion bis zur Entsorgung.
Ein jüngst vorgelegtes Kompromisspapier von Valdivieso, das überraschend ambitionierte Ansätze vermissen ließ, sorgte für Unmut unter vielen Nationen. Selbst die traditionell eher zurückhaltenden Erdölländer wie Saudi-Arabien äußerten Kritik. Die Bedrohung durch Plastik ist nicht nur ökologisch, sondern auch gesundheitlich relevant. Zahlreiche Studien zeigen, dass Mikroplastikpartikel das menschliche Immunsystem schwächen und Entzündungen fördern können.
Statistiken des deutschen Umweltministeriums zeichnen ein beängstigendes Bild: Allein die Kunststoffproduktion hat sich seit den 1970er Jahren vervielfacht und die Aussichten für die Zukunft sind alarmierend. Ohne drastische Maßnahmen könnte bis 2050 die Produktionsmenge die Schwelle von 600 Millionen Tonnen jährlich erreichen.

