Kommentar: Boykottaufruf gegen die Marke Milram aus dem rechten Lager
Von Prof. Stefan Finger / Professor für Kommunikation, Experte für Politische Kommunikation an der FHM
Bielefeld/Köln, 26.08.2025 (PresseBox) - Die Käsesparte von Milram sorgt mit einer limitierten „Käse-Design-Edition“ für Wirbel: Auf den Verpackungen sind bunte Illustrationen von Menschen, auch mit unterschiedlichen Hautfar-ben, abgebildet. In sozialen Medien trendeten Hashtags wie #milramboy-kott; rechte Influencer und AfD-Politiker stänkerten gegen vermeintliche „Wokeness“. Milram betonte, das Design sei unpolitisch und ein Statement für „Gemeinschaft“. Die Edition läuft bis Oktober und entstand mit drei jun-gen Illustrator:innen aus Berlin, Hamburg und Köln.
Prof. Stefan Finger beleuchtet dies in einem Kommentar. Prof. Stefan Finger ist Professor für Kommunikation und Experte für Politische Kommunikation an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Er unterrichtet unter anderem in den Studiengängen Foto & Film und Medienkommunikation & Journalismus.
Sie erreichen Prof. Stefan Finger unter [email protected]oder telefonisch über die Pressestelle der FHM: 0521 – 96655-243.
Kommentar:
„Werbung soll gefallen, nicht gefallen machen. Dennoch erleben wir gerade den Versuch einiger lauter Social-Media-Akteure, durch Empörung eine Werbeumgebung zu erzwingen, in der sich Marken nicht mehr trauen, Vielfalt sichtbar zu machen. Das Muster ist bekannt: Erst wird normalen Motiven ein politischer Spin verpasst, dann folgt der Boykottaufruf. Und am Ende steht die Drohung, jede Abweichung von der vermeintlichen Norm zu „bestrafen“.
Man kann das, bei Lichte betrachtet, alsCancel Culture von rechts beschreiben. Ausgerechnet jene, die seit Jahren vor angeblich „linker Cancel Culture“ warnen, arbeiten mit diesen Mechaniken: Moralisierung, Mobilisierung, ökonomischer Druck. Der Unterschied: Hier richtet sich der Druck gegen die Darstellung alltäglicher Realität. Menschen sehen unterschiedlich aus: Sie sitzen gemeinsam am Tisch, sie picknicken, sie flirten. Das ist weder Ideologie noch Programm, sondern schlicht Leben.
Kommunikationsstrategisch gilt: Marken dürfen sich nicht von künstlich erzeugten Stürmen im Wasserglas treiben lassen. Empörung ist auf Plattformen einfach skalierbar. Repräsentativität nicht. Studien zeigen immer wieder, dass die schweigende Mehrheit diversere Werbung längst akzeptiert, während kleine, hochvernetzte Cluster überproportional Lärm erzeugen. Wer auf diese Lautstärke reflexhaft reagiert, erzieht sein Publikum zur nächsten Empörungsrunde.
Für Unternehmen heißt das: Klare Werte, ruhige Hand. Transparenz über das „Warum“ einer Gestaltung, schnelle Moderation von Grenzüberschreitungen und sonst: Kurs halten.
Wer Vielfalt sagt, sollte Vielfalt zeigen dürfen. Und ja: Endlich sieht eine Käseverpackung auch mal gut aus. Wenn das der Skandal ist, dann ist der Skandal vor allem eins: Käse.“
Prof Stefan Finger,
Professor für Kommunikation &
Experte für Politische Kommunikation
an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM)

