Kojima will keine Genres bedienen – er will sie neu erfinden: Wird sein nächstes Spiel ein Sci-Fi-Western?
Wenn Hideo Kojima spricht, hört die Gaming-Welt nicht einfach nur zu – sie versucht, zwischen den Zeilen seiner oft kryptischen Visionen zu lesen. Der Mastermind hinter Metal Gear und Death Stranding hat sich längst den Ruf eines Auteurs erarbeitet, dem die engen Grenzen herkömmlicher Spielkategorien zu banal erscheinen. In einem aktuellen Video-Interview mit Wired, in dem er sich den Fragen seiner treuen Fangemeinde stellte, ließ Kojima erneut tief in seine kreative Seele blicken. Seine Ambition ist nicht weniger als revolutionär: Er hat kein Interesse daran, bestehende Genres zu bedienen. Er will ein völlig neues erschaffen.
Der Drang nach dem Unbekannten
„Ich möchte ein neues Genre erschließen, deshalb konzentriere ich mich nicht sehr auf die bestehenden“, erklärte Kojima mit jener Mischung aus Bescheidenheit und Größenwahn, die ihn so faszinierend macht. Es ist diese Weigerung, sich in Schubladen stecken zu lassen, die seine Karriere definiert. Schon Death Stranding entzog sich mit seinem „Strand Game“-Konzept klassischen Definitionen. Nun scheint der Visionär den Blick in die Sterne oder in die staubige Vergangenheit zu richten.
Auf die Frage nach einem Wunsch-Setting antwortete er mit einer Bandbreite, die Fans das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt: „Vielleicht Hard Sci-Fi. Ich liebe Weltraum-Settings, also würde ich das gerne ausprobieren.“ Doch im gleichen Atemzug offenbarte er seine Liebe für ein ganz anderes Extrem: „Ich bin auch ein Fan von Western, also vielleicht das.“ Selbst historische Period Pieces schließt er nicht aus, wenngleich er fast entschuldigend hinzufügte, dass diese ja „bereits existieren“. Kojima ist sichtlich auf der Suche nach dem unverbrauchten „Etwas“, dem weißen Fleck auf der kreativen Landkarte.
OD und Physint: Experimente am offenen Herzen der Industrie
Während Kojima über Western im Weltraum sinniert, laufen seine aktuellen Projekte auf Hochtouren – und auch sie sind alles andere als konventionell. OD verspricht, das „Service-Modell von Grund auf zu ändern“, auch wenn selbst der Schöpfer noch nicht sicher ist, ob dieses Wagnis gelingen wird. Noch mysteriöser gibt sich Physint. Das Projekt, das sich noch in der konzeptionellen Phase befindet, soll die Grenzen zwischen interaktivem Spiel und Film endgültig einreißen. Mit einer Besetzung, die Charlee Fraser und Ma Dong-Seok umfasst, zielt Kojima auf eine Verschmelzung von Narrativ, Mode und Sound ab, wie sie das Medium noch nicht gesehen hat. Es ist der Versuch, Kino nicht nur zu imitieren, sondern es spielbar zu machen.
Ein Blick in die Kristallkugel
Kojimas Aussagen sind mehr als bloßes Wunschdenken; sie sind eine Kampfansage an die Stagnation. In einer Industrie, die oft auf Nummer sicher geht, wirkt sein Drang nach „Hard Sci-Fi“ oder radikalen Genre-Neuschöpfungen wie ein befreiender Befreiungsschlag. Ob wir nun bald Cowboys im Raumanzug sehen oder eine hyper-realistische Spionage-Simulation, die eher Film als Spiel ist, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Langweilig wird es mit Kojima Productions nicht.


