Salsa-Legende

«King of Salsa» Willie Colón gestorben

22. Februar 2026, 12:30 Uhr · Quelle: dpa
«King of Salsa» Willie Colón gestorben
Foto: Gregory Bull/AP/dpa
Willie Colón wurde auch «King of Salsa» genannt.
Er zählte zu den einflussreichsten Latino-Künstlern der Welt, für seine Fans war er schlicht der «King of Salsa». Nun ist Willie Colón mit 75 Jahren gestorben.

New York (dpa) - Zu seinem elften Geburtstag bekam Willie Colón von seiner Oma Antonia eine Trompete. Das Geschenk sollte das Leben des in der New Yorker Bronx geborenen Jungen prägen. Denn schon damals begeisterte er sich für die afrokaribische Musik, die seine aus Puerto Rico stammenden Großeltern tagtäglich im Radio hörten. Dass er selbst einmal als «King of Salsa» gefeiert werden würde, ahnte der nun im Alter von 75 Jahren gestorbene Künstler damals nicht. 

Colón sei «friedlich» im Kreise seiner Familie gestorben, teilten die Angehörigen am Samstag auf Facebook mit. Auch sein Manager Pietro Carlos bestätigte auf Linkedin den Tod des Künstlers. Die Gouverneurin von Puerto Rico, Jenniffer González, zollte in einer Mitteilung auf X Tribut: «Heute verabschieden wir uns mit tiefem Respekt von Willie Colón, Meister der Posaune, Architekt des Salsa-Sounds und ewiges Vorbild unserer kulturellen Identität».

In der Nacht zum Sonntag unterbrach Latin-Superstar Bad Bunny sein Konzert in der brasilianischen Metropole São Paulo und würdigte die Rolle Colóns. Colón sei eine der «Legenden» des Genres und «Inspiration» für viele andere Musiker gewesen, sagte Bad Bunny in einem von einem Fan aufgezeichneten Video. Vor ein paar Monaten noch hatte Colón in einem Musikvideo von Bad Bunny einen Gastauftritt. 

Erste Aufnahmen mit 15

Schon mit 15 nahm er seine ersten Lieder auf, mit 17 Jahren brachte Colón - inzwischen zur Posaune gewechselt - seine erste LP heraus: «El Malo». Das war 1967. Die Schallplatte, erschienen beim berühmten Salsa-Label Fania Records, wurde ein Erfolg und sollte Colón wie auch Leadsänger Héctor Lavoe (1946-1993) zu Stars machen. 

Colón galt als Mitbegründer eines Musikstils mit starkem kubanischem und puerto-ricanischem Einfluss, für den sich der Begriff Salsa (Soße) erst in den Anfangsjahren seiner Karriere langsam durchsetzte. Geprägt wurde der Stil Mitte der 1960er Jahre in den Latino-Vierteln New Yorks, gemischt mit Elementen des Jazz und des Folk.

Zusammenarbeit mit Rubén Blades

In seiner mehr als 50-jährigen Karriere veröffentlichte Colón rund 40 Alben, die sich über 30 Millionen Mal verkauften. Viele der Songs sind Klassiker des Genres. So etwa «La murga», «El día de suerte», «Todo tiene su final» und «Calle Luna, Calle Sol» an der Seite des Puerto-Ricaners Héctor Lavoe oder «Pablo Pueblo», «Tiburón», «Te están buscando», «Pedro Navaja» und «Plástico» aus seiner Zusammenarbeit mit Salsa-Poet Rubén Blades. Mit ihm nahm er 1978 das Album «Siembra» auf, das bis heute als die meistverkaufte Salsa-Platte der Geschichte gilt. 

Gerade die Stücke mit dem aus Panama stammenden Blades - mit dem er sich später über Vertragsfragen zerstritt - stechen durch ihre ungewohnt sozialkritischen Texte hervor. Sehr erfolgreich waren aber auch Colóns Aufnahmen mit der in Havanna geborenen «Queen of Salsa» Celia Cruz (1925-2003) und eigene Interpretationen wie «Idilio» und «El gran varón», die er auch bei seinen zahlreichen Konzerten im Ausland spielte, darunter viele Auftritte im deutschsprachigen Raum.

Für seine Fans in aller Welt war er der «King of Salsa», für den kubanischen Autor und Musikkenner Leonardo Padura sogar mehr als das: «Willie Colón ist einer der unentbehrlichen Götter in der Salsa-Mythologie. Vielleicht sogar der Unentbehrlichste des gesamten Pantheons.» Das US-Fachblatt «Billboard» zählte ihn zu den «30 einflussreichsten Latino-Künstlern aller Zeiten».

Großer Experimentierer

Dabei war Colón nach Ansicht von Musikkritikern nicht unbedingt ein Virtuose seines Instruments und auch kein begnadeter Sänger. «Er klang aber immer wie er selbst, authentisch und effektiv», sagte der venezolanische Autor und Salsa-Experte César Miguel Rondón. Gefeiert wurde Colón zudem als brillanter Komponist und Produzent sowie als großer Experimentierer, der verschiedenste Stile fusionierte. «Ich suche immer das Neue und versuche, die Menschen zu überraschen», sagte er selbst in einem Interview der Zeitung «El Tiempo». Das Titellied seines Debütalbums aus 1967, «El Malo» (Der Böse), spielte auf Colón selbst an und blieb bis zuletzt sein Spitzname. 

Da sein Vater im Gefängnis saß, musste er früh lernen, sich durchzusetzen und seine Schwester, seine Mutter und seine Oma - die Matriarchin der Familie - in Schutz nehmen. «Es gab eine Zeit in New York, da wurde man als Latino verprügelt, wenn man irgendwo an der Ecke stand», sagte Colón im puerto-ricanischen Fernsehen über seine Erfahrungen mit Diskriminierung. «Ich musste keinen Streit suchen, dieser hat stets mich gefunden.» 

Colón war auch politisch aktiv

Dies brachte ihn dazu, sich für die Bürgerrechte der spanischsprachigen Minderheit in New York zu engagieren. So war Colón später unter Bürgermeister Michael Bloomberg (2002-2013) Berater für kulturelle Belange der Latinos. Zuvor hatte er sich ohne Erfolg für das Amt des Ombudsmannes der US-Metropole beworben. Lange Zeit war Colón politisch bei den Demokraten angesiedelt - 2008 unterstützte er Hillary Clinton im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur -, später machte er sich jedoch für den Republikaner Donald Trump und konservative Positionen stark, was ihm viel Kritik von Fans einbrachte.

Nebenbei spielte Colón in einigen Kinofilmen und Serien mit. In der mexikanischen Telenovela «Demasiado corazón» mimte er etwa einen Drogenermittler - und steuerte auch den Titelsong bei. Im April 2021 wurden seine Frau und er bei einem Unfall mit ihrem Wohnmobil schwer verletzt - seither war es zunehmend still um den Musiker geworden.

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22.02.2026 · 12:30 Uhr
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