Kindeswohlgefährdungen auf neuem Höchststand

15. Dezember 2025, 08:17 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Kindernotdienst (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur
Kindernotdienst (Archiv)
Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Deutschland hat 2024 einen neuen Höchststand mit 72.800 Fällen erreicht. Der Bericht beleuchtet Ursachen wie Vernachlässigung und die eingeleiteten Schutzmaßnahmen.

Wiesbaden - Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Deutschland hat das dritte Mal in Folge einen neuen Höchststand erreicht.

Im Jahr 2024 stellten die Jugendämter in Deutschland bei rund 72.800 Kindern oder Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt fest, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mitteilte. Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen stieg damit binnen fünf Jahren um fast ein Drittel (+31 Prozent) oder 17.300 Fälle. Im Jahr 2019 - dem Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie - hatte das Niveau noch bei rund 55.500 Kindeswohlgefährdungen gelegen.

Auch im Vergleich zum Vorjahr hat die Fallzahl in 2024 deutlich zugenommen: Im Jahr 2023 wurden von den Behörden rund 63.700 Kindeswohlgefährdungen gemeldet. Da damals aber verschiedene Jugendämter keine Daten liefern konnten, hatte das Bundesamt eine Schätzung vorgenommen, die für 2023 von etwa 67.300 Kindeswohlgefährdungen ausgeht. Gegenüber diesem Schätzwert stieg die Fallzahl im Jahr 2024 deutlich, und zwar um 8 Prozent oder 5.500 Fälle. Im Vergleich zu den im Jahr 2023 gemeldeten Fällen lag das Plus in 2024 sogar bei 14 Prozent (+9.100 Fälle).

Etwa jedes zweite (52 Prozent) von einer Kindeswohlgefährdung betroffene Kind war jünger als neun Jahre, jedes dritte (33 Prozent) sogar jünger als sechs Jahre. Im Schnitt lag das Alter bei 8,3 Jahren. Die meisten betroffenen Minderjährigen wuchsen bei beiden Eltern gemeinsam (38 Prozent) oder einem alleinerziehenden Elternteil (37 Prozent) auf. 14 Prozent lebten bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft und zehn Prozent in einem Heim, bei Verwandten oder an einem anderen Ort. In knapp jedem dritten Fall (32 Prozent) war mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft (im Ausland geboren) und die Familiensprache nicht Deutsch.

Zur Beendigung der Gefährdungssituation wurde in 91 Prozent der Fälle im Anschluss eine Hilfe oder Schutzmaßnahme vereinbart. Dazu hatten die Jugendämter in 18 Prozent der Kindeswohlgefährdungen das Familiengericht angerufen. Familiengerichte werden zum Beispiel dann eingeschaltet, wenn die Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, die Gefahr für das Kind abzuwenden, etwa weil sie angebotene Hilfen ablehnen.

In den meisten Fällen von Kindeswohlgefährdung hatten die Behörden Anzeichen von Vernachlässigung festgestellt (58 Prozent). In 37 Prozent fanden sie Hinweise auf psychische Misshandlungen. In weiteren 28 Prozent der Fälle gab es Indizien für körperliche Misshandlungen und in sechs Prozent für sexuelle Gewalt. Während von Vernachlässigungen (53 Prozent) und körperlichen Misshandlungen (51 Prozent) Jungen etwas häufiger betroffen waren, galt das im Fall von psychischer (51 Prozent) und vor allem sexueller Gewalt (67 Prozent) für die Mädchen.

Dabei ging die Kindeswohlgefährdung in 75 Prozent aller Fälle - ausschließlich oder hauptsächlich - von einem Elternteil aus. In weiteren vier Prozent war es ein Stiefelternteil, der neue Partner eines Elternteils und in sechs Prozent eine sonstige Person, wie zum Beispiel eine Tante, der Pflegevater, ein Trainer oder ein Erzieher. In acht Prozent der Fälle konnte zwar angegeben werden, dass die Gefährdung von mehreren Personen ausging, aber keine Hauptperson. Und in ebenfalls acht Prozent war gänzlich unbekannt oder unklar, von wem die Kindeswohlgefährdung ausging.

Im Vorfeld hatten die Jugendämter 2024 rund 239.400 Verdachtsfälle durch eine Gefährdungseinschätzung geprüft, so die Statistiker weiter. Damit nahmen die Gefährdungseinschätzungen binnen fünf Jahren um 38 Prozent zu - also noch stärker als die Kindeswohlgefährdungen - und erreichten ebenfalls einen neuen Höchststand. Dabei stellten die Behörden in 78.000 weiteren Fällen zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber einen Hilfebedarf fest.

Die meisten Hinweise auf eine mögliche Gefährdungssituation hatten 2024 Polizei und Justiz an die Jugendämter weitergeleitet (31 Prozent). Etwas seltener kamen die Hinweise aus der Bevölkerung - also von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonym (21 Prozent). Dahinter folgen die Kinder-, Jugend- oder Erziehungshilfe (13 Prozent) und die Schulen (zwölf Prozent). Nur in etwa einem Zehntel der Fälle stammten die Hinweise aus den Familien selbst, also von den betroffenen Minderjährigen (zwei Prozent) oder deren Eltern (sieben Prozent).

Vermischtes / Deutschland / Familien / Gesellschaft
15.12.2025 · 08:17 Uhr
[0 Kommentare]
Mehr Unterstützung für Gewaltopfer in Strafprozessen
Berlin (dpa) - Wer Opfer einer schweren Straftat geworden ist, soll für die Dauer des Verfahrens in Zukunft leichter kostenfrei professionelle Unterstützung erhalten können. Das sieht ein Entwurf aus dem Bundesjustizministerium vor, den das Kabinett beschlossen hat. Aktuell gibt es pro Jahr etwa 1.600 Beiordnungen einer psychosozialen Prozessbegleitung, […] (02)
vor 1 Minute
Miley Cyrus hat es geliebt, das 'Hannah Montana 20th Anniversary Special' zu drehen.
(BANG) - Miley Cyrus hat es geliebt, das 'Hannah Montana 20th Anniversary Special' zu drehen. Die 33-jährige Popsängerin spielte die Titelfigur in der erfolgreichen Disney-Sitcom zwischen 2006 und 2011. Miley hat nun verraten, dass es ihr große Freude gemacht habe, für das neue Disney-Special auf ihre früheren Erlebnisse zurückzublicken. "Es ist pure […] (00)
vor 2 Stunden
Jugendliche mit Smartphone
London (dpa) - In der Debatte um ein Social-Media-Verbot nach australischem Vorbild will die britische Regierung eine Testphase mit Hunderten Teenagern starten. Dabei soll herausgefunden werden, wie wirksam ein Verbot oder andere Einschränkungen bei der Nutzung sozialer Medien sind, wie das britische Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie […] (00)
vor 50 Minuten
Sony schließt Dark Outlaw Games und zieht sich aus der Mobilspielentwicklung zurück
Sony befindet sich offenbar in einer umfassenden strategischen Neuausrichtung – und die Nachrichten, die dabei ans Licht kommen, sind alles andere als erfreulich. Laut übereinstimmenden Berichten schließt der Konzern das erst vor einem Jahr gegründete Studio Dark Outlaw Games und streicht gleichzeitig rund 50 Stellen im Bereich der […] (00)
vor 9 Minuten
Stephen Colbert arbeitet an einem neuen 'Der Herr der Ringe'-Film.
(BANG) - Stephen Colbert schreibt gemeinsam mit Peter Jackson an einem neuen 'Der Herr der Ringe'-Film, der auf 'Die Gefährten' basiert. Der Moderator von 'The Late Show' arbeitet zusammen mit seinem Sohn Peter McGee und Warner Bros an einem Folgeprojekt zum neuen Film 'The Hunt For Gollum'. Der neue Film soll Kapitel aus J.R.R. Tolkiens Roman […] (00)
vor 2 Stunden
Stefan Horngacher
Planica (dpa) - Ob auf dem Rad oder in Wanderschuhen: Stefan Horngacher wird man im Schwarzwald bald häufiger treffen. Der Outdoor-Fan und Hobby-Pilzsammler hat demnächst mehr Zeit. An diesem Wochenende endet seine siebenjährige Ära als Chefcoach der deutschen Skispringer. «Das letzte Mal als Bundestrainer die Fahne zu schwingen, ist noch einmal eine große Ehre. Darauf […] (01)
vor 1 Stunde
cryptocurrency, business, finance, money, wealth, gold, cash, monetary, investment, ethereum
Die globale Krypto-Handelsplattform BYDFi tritt als Sponsor der Next Block Expo 2026 auf, die vom 24. bis 25. März in Warschau, Polen, stattfindet. In ihrer sechsten Ausgabe positioniert sich die NBX als eine der größten Krypto- und Blockchain-Veranstaltungen in Mittel- und Osteuropa. Die Veranstaltung 2026 findet in einem größeren Veranstaltungsort […] (00)
vor 30 Minuten
Brückenschlag nach Shanghai: SCCH unterzeichnet zukunftweisende Kooperation
Hagenberg, 25.03.2026 (PresseBox) - Echte Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven, Kulturen und Kompetenzen aufeinandertreffen. Vor diesem Hintergrund nutzte das Software Competence Center Hagenberg (SCCH) eine vom Innovationorbit organisierte Delegationsreise nach China, um eine zukunftsweisende Partnerschaft zu besiegeln. In Shanghai unterzeichnete SCCH-Geschäftsführer Markus […] (00)
vor 1 Stunde
 
Spitzen der Koalition aus CSU, CDU und SPD
Berlin (dpa) - Der Kanzler spricht von einer Kraftanstrengung, die mitregierende SPD […] (00)
Baustelle (Archiv)
Berlin - Der reale Auftragseingang im deutschen Bauhauptgewerbe ist im Januar 2026 […] (00)
Autobahn (Archiv)
Berlin - Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, fordert […] (14)
Prozess gegen mutmaßliche Hamas-Mitglieder in Berlin
Berlin (dpa) - Das Kammergericht Berlin hat vier Männer als Mitglieder der […] (00)
Salzgitter kämpft sich zurück: Verlust halbiert, Gewinnzone in Sicht – und HKM als Gamechanger
Ein Turnaround, der sich in Zahlen messen lässt Salzgitter hat 2025 nicht gewonnen. […] (00)
RTLZWEI-Boss will Streaming-Differenzierung und Fokus auf 30-59
Im DWDL-Interview sprach der neue Senderchef von notwendigen Verschiebungen in der Ausrichtung […] (00)
Mohamed Salah vom FC Liverpool
Liverpool (dpa) - Nach neun Jahren im Verein verlässt Fußball-Star Mohamed Salah den […] (04)
KI-App Sora von OpenAI
San Francisco (dpa) - Der ChatGPT-Entwickler OpenAI stellt seine KI-Video-App Sora […] (00)
 
 
Suchbegriff