Bundesliga

St. Paulis U19-Coach outet sich – und kritisiert Fußball

24. März 2026, 16:20 Uhr · Quelle: dpa
St. Paulis Nachwuchstrainer Christian Dobrick
Foto: -/FC St. Pauli/dpa
St. Paulis Nachwuchstrainer Christian Dobrick spricht über sein Coming-out.
St. Paulis Nachwuchstrainer Christian Dobrick spricht über seine Homosexualität und das jahrelange Versteckspiel im Fußball. Auch ein Treffen mit Jürgen Klopp habe seine Entscheidung beeinflusst.

Hamburg (dpa) - St. Paulis U19-Trainer Christian Dobrick hat seine Homosexualität öffentlich gemacht und dies mit harter Kritik am männlichen Spitzenfußball verknüpft. «Im Profifußball gelten Schwule noch immer als Außerirdische», sagte der 29 Jahre alte Nachwuchs-Coach des Hamburger Bundesligisten in Interviews des «Stern» und von RTL.

Er sei zwar «mit Sicherheit kein Einzelfall», sagte der gebürtige Flensburger weiter, aber «was den Profibereich betrifft, vermute ich, dass es dort deutlich weniger Schwule gibt als im Bevölkerungsdurchschnitt. Weil der Druck in der Branche so groß ist, ein hetero-normatives Leben zu führen. Es kommen weniger schwule Fußballer ganz oben an, weil sie ihre Energie verschwenden müssen für Probleme, die nichts mit dem Sport zu tun haben.»

Homosexualität gilt im Profifußball der Männer noch immer als großes Tabuthema, obwohl vor allem Fanvertreter für einen offeneren Umgang werben. In den höchsten drei deutschen Ligen gab es bislang kein Coming-out eines aktiven Profis. Ganz anders sieht es im Fußball der Frauen aus, dort spielt die sexuelle Orientierung einer Spielerin schon lange keine Rolle mehr.

«Dieses Versteckspiel hat mich zu viel Kraft gekostet»

«Ich war mir lange unsicher, ob ich mir mit dem Bekenntnis, schwul zu sein, nicht die Karriere verbaue», sagte Dobrick, der «irgendwann» gern im Profibereich arbeiten will. Zwar sei er sich weiter unsicher über die Karriere-Folgen seines Coming-outs, er habe seine sexuelle Orientierung im Arbeitsumfeld aber nicht länger verschweigen wollen. «Dieses Versteckspiel hat mich zu viel Kraft gekostet», sagte er.

Oftmals habe er «Wortakrobatik» und einen «rhetorischen Eiertanz» aufführen müssen, um sein Leben als schwuler Mann zu kaschieren. All dies hätte Energie gezogen, «die man eigentlich in den Beruf und den Sport investieren» hätte können. Dobrick arbeitet seit Sommer 2025 im Nachwuchs von St. Pauli, zuvor war er für RB Salzburg, die TSG Hoffenheim und Holstein Kiel tätig.

In einer ersten Reaktion auf das Interview begrüßte St. Pauli das Coming-out seines Nachwuchstrainers. «Als FC St. Pauli stehen wir selbstverständlich hinter ihm und seinem Coming-out. Denn eigentlich ist es ganz einfach und sollte für alle gelten: Lieb' doch, wen du willst!», teilten die Hamburger mit. Präsident Oke Göttlich habe Dobrick bereits persönlich seine Unterstützung zugesagt.

Dobrick über Klopps Rolle 

Zum Coming-out habe ihn auch eine Begegnung mit Jürgen Klopp bewogen. «Du kannst als Trainer sein, wer du willst, aber du musst für etwas stehen. Du musst du selbst sein», habe der frühere Bundesliga- und Liverpool-Coach bei einem Treffen mit Salzburger Nachwuchstrainern gesagt. Dieser Satz sei das Motto für sein Berufsleben geworden, sagte Dobrick.

In der Männer-Bundesliga gibt es auf Funktionärsebene Menschen, die offen homosexuell leben. Bekannte Beispiele sind etwa Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart, oder dessen Vorgänger Thomas Hitzlsperger. Der frühere Nationalspieler hatte sich als erster prominenter deutscher Ex-Profi im Januar 2014 als homosexuell geoutet.

Fußball / Sportpolitik / FC St. Pauli / Bundesliga / Coming-out / Deutschland / Christian Dobrick
24.03.2026 · 16:20 Uhr
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