Drohnenkrieg

Kiew greift Moskau vor Verhandlungen massiv mit Drohnen an

20. Juli 2025, 21:54 Uhr · Quelle: dpa
Präsident Selenskyj
Foto: Vadym Sarakhan/AP/dpa
Selenskyj plädiert für neue Verhandlungen auf Führungsebene. (Archivbild)
Die Ukraine verstärkt ihre Drohnenangriffe auf Moskau inmitten von Verhandlungen zur Waffenruhe mit Russland. Präsident Selenskyj sucht Druckaufbau.

Kiew/Moskau (dpa) - Vor möglichen neuen Verhandlungen über eine Waffenruhe hat die Ukraine als Antwort auf den russischen Angriffskrieg Moskau mit einer bisher beispiellosen Zahl an Drohnen angegriffen. Die Flugabwehr der russischen Hauptstadt war die ganze Nacht zum Sonntag und auch tagsüber gegen die Flugobjekte im Einsatz. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte nach einem Militärtreffen mit, dass die Schläge tief im russischen Hinterland intensiviert werden sollen. Damit will er den Druck erhöhen vor neuen Verhandlungen über eine Waffenruhe mit Russland, die er für diese Woche anvisiert.

Ein Datum für die Gespräche gibt es noch nicht. Istanbul solle aber wie bisher wieder Ort des Treffens sein, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf eine nicht näher benannte Quelle aus den Verhandlungskreisen. Zuletzt hatte es Anfang Juni in Istanbul direkte Verhandlungen gegeben - allerdings ohne Aussicht auf eine von Kiew geforderte bedingungslose Waffenruhe. 

Schäden durch Drohnen und Probleme im Flugverkehr

Moskaus vier Hauptstadtflughäfen mussten wegen der Gefahr durch ukrainische Drohnen mehrfach ihren Betrieb unterbrechen. Im Stadtbezirk Selenograd wurden durch die Drohnenschläge zudem zahlreiche Hochhäuser beschädigt; Autos gerieten in Brand, Hunderte Scheiben gingen zu Bruch. Bewohner veröffentlichten auch Fotos ihrer verwüsteten Wohnungen, wie im Telegram-Kanal «chp_Zelenograd» zu sehen war. 

Bürgermeister Sergej Sobjanin räumte Schäden ein, sie seien aber nicht schwer – und würden beseitigt. Wie in der Nacht meldete Sobjanin auch tagsüber immer wieder den Abschuss ukrainischer Drohnen, die Kurs auf Moskau genommen hätten. Ihre Zahl stieg auf rund 30 bis zum Nachmittag - so viele wie noch nie. 

Die Ukraine will so den Russen auch zeigen, was diese ständigen Drohnenattacken, gegen die sie seit mehr als drei Jahren täglich kämpft, bedeuten. Die Schäden und Opfer infolge der ukrainischen Angriffe stehen in keinem Verhältnis zu den vielen Toten und Verletzten sowie schweren Zerstörungen durch die russischen Attacken.

Umleitungen und Verspätungen im Flugverkehr

Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija meldete Einschränkungen auf den Hauptstadtflughäfen Scheremetjewo, Wnukowo, Domodedowo und Schukowski. Weil Starts und Landungen dort wegen der Drohnengefahr zeitweise nicht möglich waren, wurden ankommende Flüge aus Sicherheitsgründen auf andere Flughäfen umgeleitet, darunter ins etwa 700 Kilometer entfernte St. Petersburg. Die Einschränkungen für Domodedowo und Scheremetjewo wurden erst am Abend aufgehoben.

Rosawiazija-Sprecher Artjom Korenjako, der selbst betroffen war, bat die Passagiere um Verständnis und Geduld. «Wie viele befinde ich mich jetzt schon mehrere Stunden im Flugzeug», sagte er in einem Videoclip von seinem Sitz aus. Aber die Flugsicherheit habe Priorität. Wegen Drohnenalarm kommt es immer wieder zu Flugausfällen und Verspätungen. Fluggesellschaften klagen mitten in den Schulferien, in denen viel Betrieb herrscht, über massive finanzielle Verluste.

Auch Russland griff die Ukraine wieder mit Drohnen an

Die Ukraine, die ihre Drohnenproduktion massiv ausbaut, will mit ihren Gegenangriffen den Krieg auch nach Russland zurücktragen und vor allem die militärische Logistik treffen. Russland selbst griff die Ukraine auch in der Nacht zum Sonntag wieder mit Dutzenden Drohnen an. Die ukrainische Luftverteidigung gab ihre Zahl mit 57 an, deutlich weniger als am Samstag, als Selenskyj von mehr als 300 Drohnenattacken sprach. 18 dieser unbemannten Flugobjekte vom Sonntag seien abgeschossen worden. Es habe auch viele Einschläge gegeben. Zu Schäden machte die Flugabwehr keine Angaben. 

Kreml hatte Kiew zuletzt mehrfach zu Gesprächen aufgefordert

Bei den möglichen Verhandlungen in Istanbul dürfte es auch um die gegenseitigen Drohnenangriffe gehen, die das Kriegsgeschehen längst maßgeblich prägen. Verhandlungsführer für die Ukraine ist dabei der frühere Verteidigungsminister Rustem Umjerow, der nun Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats ist. Selenskyj bekräftigte zudem seine Bereitschaft zu einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin.

Russland hatte zuletzt immer wieder die Bereitschaft erklärt, die im Frühjahr begonnenen Gespräche in Istanbul fortzusetzen. Die letzte Runde endete Anfang Juni schnell, nachdem die russischen und ukrainischen Delegierten ihr Treffen nach knapp einer Stunde abgebrochen hatten. Ursprünglich hatte Moskau eine neue Verhandlungsrunde bereits in der zweiten Juni-Hälfte erwartet. 

Selenskyj: Alles tun, um Waffenruhe zu erreichen

Selenskyj sagte, dass auch ein neuer Austausch von Gefangenen vorgesehen sei. Darauf hatten sich die Kriegsparteien bei ihren ersten Verhandlungsrunden geeinigt. Der ukrainische Präsident hatte Umjerow, der zuletzt als Verteidigungsminister die Gespräche führte, aufgefordert, die Verhandlungsdynamik zu erhöhen. Es müsse alles getan werden, um eine Waffenruhe zu erreichen, sagte er. 

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte erst am Freitag begrüßt, dass Selenskyj erklärt hatte, dass der Verhandlungsprozess mehr Dynamik brauche. «Das ist ein positives Signal. Und hier sind wir uns absolut einig: Wir sind auch dafür, den Verhandlungsprozess zu beschleunigen», sagte Peskow.

Die Ukraine und Russland hatten im Frühjahr ihre direkten Verhandlungen in Istanbul für eine mögliche Beendigung des Moskauer Angriffskrieges wieder aufgenommen - erstmals seit 2022. Dabei gab es bisher vor allem humanitäre Aktionen wie den Austausch von Kriegsgefangenen und die Rückgabe von Soldatenleichen.

Russland führt seit mehr als drei Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Für eine Beendigung der Invasion stellt Moskau Maximalforderungen, die Kiew kategorisch ablehnt. Zu den russischen Bedingungen gehören etwa der Verzicht Kiews auf einen Nato-Beitritt und die Anerkennung der von Moskau annektierten Gebiete.

Krieg / Konflikte / Diplomatie / Drohnen / Ukraine / Russland
20.07.2025 · 21:54 Uhr
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