KI im Aufwind: Chatbots als neue Investmentberater?
Die Welt der Investments erlebt einen digitalen Umbruch, denn künstliche Intelligenz, verkörpert durch Chatbots wie ChatGPT, beginnt sich als ernstzunehmende Kraft in der Finanzberatung zu etablieren. Während traditionelle Berater ihre Dienste weiterhin verkaufen, nutzen bereits rund ein Zehntel der privaten Anleger Chatbots zur Aktienauswahl. Auch wenn Enthusiasten das Potenzial loben, warnen Experten vor den Risiken dieser Strategie, die die Kompetenz erfahrener Berater nicht gänzlich ersetzen kann.
Die Fähigkeit, präzise Investmentanalyse durchzuführen, steht nun dank KI auch Nicht-Profis zur Verfügung. Prognosen zufolge könnte der Markt der automatisierten, auf Algorithmen basierenden Finanzberatung bis 2029 ein bemerkenswertes Wachstum erleben und von rund 61 Milliarden US-Dollar auf fast 471 Milliarden US-Dollar ansteigen.
Ein Vorreiter dieser Bewegung ist Jeremy Leung, ein ehemaliger Analyst der UBS, der nach seinem Jobverlust auf ChatGPT setzt, um sein Multi-Asset-Portfolio zu managen. Fehlen ihm auch teure Marktdaten-Plattformen wie Bloomberg, so meint er, dass ChatGPT viel seiner früheren Arbeit replizieren kann – wenngleich mit Vorsicht zu genießen, da der Zugang zu kostenpflichtigen Daten fehlt.
Das Interesse an KI-Plattformen explodiert weltweit: Laut einer Umfrage von eToro, mit 30 Millionen Nutzern, ziehen 50% der Anleger den Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT oder Google's Gemini für Investmententscheidungen in Betracht. Doch die von Finder befragten britischen Nutzer bleiben skeptisch.
ChatGPT selbst mahnt zur Achtsamkeit und stellt klar, dass auf seine Analysen nicht ohne weiteres Verlass ist. Etwa 38 von ChatGPT ausgewählte Aktien zeigten kürzlich eine überdurchschnittliche Performance, dennoch mangelt es dem Tool an tiefergehender Kenntnis und Risikobewusstsein. Dan Moczulski von eToro plädiert für speziell trainierte Modelle, da generelle KI-Modelle oft fehlerhafte Daten präsentieren.
Jeremy Leung nutzt ChatGPT mit gezielten Fragen, um die bestmöglichen Antworten zu erhalten. Dennoch bleibt die Frage, ob Privatanleger auch in Krisen erfolgreich bestehen können, ohne umfassendes Risikomanagement zu beherrschen.

