Kassenvorschlag für neue Praxisgebühr stößt auf breite Ablehnung

29. Dezember 2025, 13:33 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Arztpraxis für Allgemeinmedizin (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur
Arztpraxis für Allgemeinmedizin (Archiv)
Der Vorschlag einer Kontaktgebühr stößt auf Ablehnung von SPD, Grünen und Patientenschützern, die sie als unsozial und systembelastend kritisieren.

Berlin - Die Forderung der Kassenärzte nach einer neuen Gebühr für Patienten bei jedem Arztbesuch ist auf scharfe Kritik gestoßen.

"Eine Praxis- oder Patientengebühr ist unsozial, ineffektiv und gesundheitspolitisch falsch", sagte der gesundheitspolitische Sprecher SPD-Bundestagsfraktion den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagsausgaben). Sie schreckt nicht "unnötige" Arztbesuche ab, sondern vor allem Menschen mit geringem Einkommen, chronisch Kranke und ältere Patienten.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hatte sich für eine neue Kontaktgebühr ausgesprochen, die pro Arztbesuch bei drei oder vier Euro liegen und von den Krankenkassen eingezogen werden könnte. Die Forderung sei ein "klassischer Rückgriff auf gesundheitspolitische Konzepte aus den 2000er-Jahren", kritisierte Pantazis. Die Idee bringe das deutsche Gesundheitssystem "keinen Millimeter voran".

Union und SPD hätten sich in den Koalitionsverhandlungen bewusst gegen ein "solches Malus-System" entschieden. "Stattdessen setzen wir auf strukturelle Lösungen: ein verbindliches Primärversorgungssystem mit klarer Lotsenfunktion, positiver Steuerung und echter Termingarantie zum Facharzt", sagte der SPD-Gesundheitsexperte. "Das ist wirksamer, fairer und entlastet das System dort, wo es nötig ist - ohne neue finanzielle Hürden aufzubauen."

Er erwarte von allen Akteuren im Gesundheitswesen, "dass sie nicht nur Forderungen formulieren, sondern auch benennen, welchen eigenen Beitrag sie zur Stabilisierung des Systems zu leisten bereit sind", fügte Pantazis hinzu. "Ein ständiges Weiterreichen der Verantwortung an die Versicherten ist weder solidarisch noch zukunftsfähig."

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, lehnt den Vorschlag einer Kontaktgebühr für Arztbesuche ebenfalls ab. "Jetzt haben Kassenärzte und Krankenhäuser die Katze aus dem Sack gelassen", sagte Brysch den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Es geht nicht um Patientensteuerung, sondern um Kasse machen." Auch spiele die Qualität keine Rolle, sagte er weiter. Weiterhin würden für mittelmäßige Leistung viel gute Euro ausgegeben. Patienten hätten zu wenig davon, findet Brysch.

Die Grünen lehnten den Vorschlag zur Einführung einer neuen Gebühr für Patienten bei Arztbesuchen kategorisch ab. Der Bundestagsabgeordnete Janosch Dahmen, Sprecher für Gesundheitspolitik, sagte der "Rheinischen Post", dass Kontaktgebühren kein Instrument zur Lösung der Kostenkrise, sondern ein Ablenkungsmanöver seien. "Drei oder vier Euro pro Arztbesuch steuern weder sinnvoll in die richtige Versorgung noch senken sie spürbar Ausgaben - sie produzieren vor allem neue Bürokratie."

"Jede zusätzliche Gebühr bedeutet Abrechnung, Kontrolle, Ausnahmen und Streitfälle", so Dahmen. "Das belastet Praxen, die ohnehin am Limit arbeiten, und schafft neue Verwaltungskosten, statt bestehende Probleme zu lösen." Patienten dürften "nicht zu Sündenböcken für politische Versäumnisse einer überforderten Gesundheitsministerin gemacht werden". Stattdessen brauche es eine "bessere Versorgungssteuerung, eine grundlegend reformierte Notfall- und Primärversorgung und klare Regeln für Preise und Qualität - nicht durch Strafgebühren für Alte und Kranke im Wartezimmer".

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ates Gürpinar, Sprecher für Gesundheitsökonomie, sagte unterdessen der "Rheinischen Post", dass die Finanzierungsprobleme der Krankenkassen damit überhaupt nicht gelöst würden. "Stattdessen werden so vor allem arme und kranke Menschen aus dem Solidarsystem herausgedrängt."

Gürpinar forderte: "Statt immer wieder mit solchen unsozialen Vorschlägen um die Ecke zu kommen, braucht es endlich eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze. So würden diejenigen stärker belastet, die auch mehr haben, und die Finanzierungsprobleme wären sozial gerecht gelöst."

Politik / Deutschland / Gesundheit / Gesundheitspolitik / Praxisgebühr / Kassenärzte
29.12.2025 · 13:33 Uhr
[29 Kommentare]
Omid Nouripour (Archiv)
Berlin - Bundestags-Vizepräsident Omid Nouripour (Grüne) fordert eine zentrale Rolle Deutschlands bei der Sicherung einer Friedenslösung in Nahost. "Jetzt gilt es, sich im europäischen Geleit eine eigenständige Rolle zu erarbeiten", sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). "Die bisherige Kopf-im-Sand-Haltung […] (00)
vor 1 Stunde
Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern
(BANG) - Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern, da sie sich sonst angeblich Probleme mit ihrem Visum einhandeln könnte. Der kolumbianische Superstar bereitet sich darauf vor, an beiden Sonntagen beim Coachella-Festival in Indio, Kalifornien, als Headliner aufzutreten. Neben ihr gehören auch […] (00)
vor 8 Stunden
Die Apps Instagram, Facebook und WhatsApp auf einem Handy
Ellwangen/Berlin (dpa/tmn) - Nutzerinnen und Nutzer von Facebook und Instagram haben keinen rechtlichen Anspruch darauf, dass ihre personenbezogenen Daten ausschließlich innerhalb Europas gespeichert und verarbeitet werden. Das hat das Landgericht Ellwangen in einem Urteil entschieden (Az.: 3 O 480/24), auf das die Arbeitsgemeinschaft IT-Recht im […] (01)
vor 2 Stunden
Warum Benzin in Deutschland so teuer ist – und wie sich der Preis wirklich zusammensetzt
Wer aktuell an die Tankstelle fährt, kennt das Gefühl: Der Blick auf die Zapfsäule sorgt oft für Stirnrunzeln. Preise von rund zwei Euro pro Liter sind längst keine Seltenheit mehr. Viele fragen sich deshalb völlig zurecht: Warum ist Benzin eigentlich so teuer – und wer verdient daran wirklich? Die Antwort darauf ist deutlich komplexer, als es auf den […] (01)
vor 7 Stunden
«Saturday Night Live»: Prominente Hosts beenden 51. Staffel im Mai
Die Kultshow «Saturday Night Live» setzt zum Staffelfinale mit hochkarätigen Gästen an. Der US-Sender NBC hat die letzten drei Ausgaben der 51. Staffel von Saturday Night Live angekündigt. Im Mai übernehmen gleich mehrere prominente Namen die Moderation der traditionsreichen Sketch-Show – begleitet von bekannten Musik-Acts. Den Auftakt macht am 2. Mai Olivia Rodrigo, die sowohl als Host als […] (00)
vor 2 Stunden
FC Barcelona - Atlético Madrid
Barcelona/Paris (dpa) - Hansi Flick droht mit dem FC Barcelona das Aus in der Champions League, auch der FC Liverpool mit Florian Wirtz steht nach dem nächsten Rückschlag vor dem K.o. im Viertelfinale. Nach langer Unterzahl unterlag Barça im Hinspiel Atlético Madrid mit 0: 2 (0: 1). Liverpool verlor bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain ebenfalls mit […] (04)
vor 3 Stunden
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Ein Krypto-Analyst, bekannt als CrypFlow, hat dargelegt, welche Indikatoren seiner Meinung nach den Beginn des nächsten Bitcoin-Bullenmarkts bestätigen werden. Laut dem Analysten beginnt der Aufwärtstrend nicht am Tiefpunkt, sondern erst nach bestimmten technischen Bestätigungen auf dem Chart. Seine Analyse weist auf drei Bedingungen hin, die erfüllt […] (00)
vor 45 Minuten
ClickRent-Datenleck: 2,5 Millionen Kunden des Autovermieters betroffen
Lahr, 08.04.2026 (lifePR) - Beim spanischen Autovermieter ClickRent ist es offenbar zu einem massiven Datenschutzvorfall gekommen, der für Millionen Kunden erhebliche Folgen haben kann. Nach Berichten spanischer Medien vom 31. März 2026 und 1. April 2026 sollen rund 2,5 Millionen Datensätze betroffen sein; abgeflossen sein sollen unter anderem Ausweisdokumente, […] (00)
vor 8 Stunden
 
Naher Osten (Archiv)
Berlin - Deutschland und mehrere Partnerstaaten drängen nach dem vereinbarten […] (01)
Boris Pistorius (Archiv)
Berlin - Nach der Ankündigung von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), bei […] (00)
Fahrgäste in einer Straßenbahn (Archiv)
Wiesbaden - Im Jahr 2025 sind in Deutschland etwa gleich viele Fahrgäste im […] (00)
Bodo Ramelow (Archiv)
Berlin - Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow sieht die Ursache für Antisemitismus in […] (00)
«Actor Awards»: SAG-Awards-Termine bis 2028 stehen fest
Die SAG-AFTRA hat die nächsten Ausgaben der «Actor Awards» terminiert – übertragen wird erneut […] (00)
Real Madrid - FC Bayern München
Madrid (dpa) - Erst umarmten sich die beiden Matchwinner Manuel Neuer und Harry Kane […] (05)
Stephen Colbert hält sich mit einem 'eisernen Griff' an 'The Late Show' fest.
(BANG) - Stephen Colbert hält sich mit einem "eisernen Griff" an 'The Late Show' […] (01)
Rekorddefizit in den öffentlichen Kassen Die finanziellen Herausforderungen, vor […] (00)
 
 
Suchbegriff