Karsai erhebt nach Taliban-Angriffen Vorwürfe gegen Nato

16. April 2012, 15:30 Uhr · Quelle: dpa

Kabul/Berlin (dpa) - Bei den 18-stündigen Gefechten zum Auftakt der Frühjahrsoffensive der Taliban in Afghanistan sind nach Angaben des Innenministeriums 47 Menschen getötet worden. Die Toten seien 36 Taliban-Kämpfer, 8 Angehörige der Sicherheitskräfte und 3 Zivilisten, sagte Innenminister Bismillah Mohammadi.

40 Angehörige der Sicherheitskräfte und 25 Zivilisten seien verletzt worden. In Kabul waren die Angriffe erst am Montagmorgen nach 18 Stunden niedergeschlagen worden. Die Aufständischen hatten außerdem Ziele in drei Provinzhauptstädten im Osten Afghanistans angegriffen und vom Auftakt ihrer Frühjahrsoffensive gesprochen.

Präsident Hamid Karsai erhob nach der Angriffserie Vorwürfe auch gegen die Nato. In einer Mitteilung Karsais hieß es, Geheimdienstversagen der afghanischen Seite «und besonders der Nato» hätten die Angriffe möglich gemacht. Karsai nannte die Angreifer «Söldner und Handlanger», die von Ausländern gesteuert würden.

Die Bundesregierung sieht in dem Großangriff der Taliban nicht den Beginn einer Frühjahrsoffensive und bleibt bei ihren Plänen für den Bundeswehr-Abzug. Die Verringerung der deutschen Truppen am Hindukusch werde planmäßig fortgesetzt, sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. Sein Ministerium wertete die Angriffe der Taliban als «begrenzte terroristische Aktion». Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Angriffe bedeuteten einen Rückschlag für die Friedensbemühungen in Afghanistan.

Mohammadi sagte, an den Angriffen an drei verschiedenen Orten in Kabul seien 16 Taliban-Kämpfer beteiligt gewesen. Die meisten von ihnen hätten sich unter einer Burka - dem muslimischen Vollschleier - als Frauen getarnt gehabt. Er machte das aus Pakistan heraus operierende Hakkani-Netzwerk verantwortlich. Ein festgenommener Angreifer habe der Polizei gesagt, er sei aus Pakistan. «Er wurde dort trainiert und ausgerüstet.» Der Mann habe gestanden, dem Hakkani-Netzwerk anzugehören. Das Hakkani-Netzwerk ist eine eigene Gruppe, erkennt aber Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar als obersten Anführer an.

Sowohl Karsai als auch die Nato lobten die afghanischen Sicherheitskräfte. Karsai sagte, sie hätten dem Volk das «Vertrauen gegeben, dass sie ihr Territorium erfolgreich verteidigen können». Ein Sprecher der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf sagte, die ausländischen Truppen hätten die afghanischen Sicherheitskräfte in Kabul in der Nacht zu Montag aus der Luft unterstützt. Der Isaf-Sprecher sagte, die einheimischen Sicherheitskräfte hätten den Großteil der Gefechte alleine geführt.

Bei den Gefechten in Kabul war am Sonntag auch die deutsche Botschaft beschossen und beschädigt worden. Auch das Camp Warehouse der Internationalen Schutztruppe Isaf am Rande der Hauptstadt wurde nach Angaben der Bundeswehr unter anderem mit Panzerfäusten angegriffen. Deutsche Soldaten und Diplomaten kamen nicht zu Schaden.

«Alle Terroristen sind getötet worden. Wir haben die Lage jetzt unter unserer Kontrolle», sagte Kabuls Polizeichef General Ayoub Salangi. Die Angreifer hätten während ihrer Offensive auch 35 Geiseln genommen, die von Sicherheitskräften befreit worden seien. Nur eine Frau sei dabei leicht verletzt worden.

Die nordafghanische Stadt Kundus entging nach Angaben der Polizei nur knapp einem Blutbad. Der Polizeichef der Provinz Kundus, Samiullah Katra, sagte, Sicherheitskräfte hätten in der Nacht zum Sonntag 15 Taliban-Kämpfer gefangen genommen. Sie hätten in Kundus-Stadt eine Serie komplexer Selbstmordanschläge und Angriffe ausführen sollen. Die Bundeswehr ist am Stadtrand stationiert.

Die afghanischen Sicherheitskräfte sollen bis Ende 2014 die Verantwortung von der Nato übernehmen. Der Nato-Kampfeinsatz soll dann enden. Die Bundeswehr hat Anfang des Jahres mit dem Abzug aus Afghanistan begonnen. Bis Januar 2013 soll die Zahl der dort eingesetzten Soldaten von einst maximal 5350 auf 4400 sinken. Die Taliban verüben immer wieder spektakuläre Kommandoaktionen, bei denen mehrere prominente Ziele gleichzeitig angegriffen werden.

Konflikte / Afghanistan
16.04.2012 · 15:30 Uhr
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