Konflikte

Kann Trumps Öl-Blockade Maduro zum Einlenken zwingen?

22. Dezember 2025, 10:04 Uhr · Quelle: dpa
Spannungen zwischen Venezuela und USA
Foto: U.S. Attorney General's Office/X/AP/dpa
Erste Öltanker hat die US-Regierung schon beschlagnahmt.
US-Sanktionen blockieren venezolanisches Öl, potenzieren wirtschaftlichen Druck und könnten Regimewechsel auslösen.

Caracas/Washington (dpa) - Zuerst war es der Kampf gegen Drogenkartelle, inzwischen spielen auch Ölvorkommen eine Schlüsselrolle: US-Präsident Donald Trump will Venezuelas autoritär regierenden Staatschef Nicolás Maduro ganz offenbar zur Aufgabe seines Amtes bewegen. Er hat in der Karibik eine große Streitmacht zusammengezogen und kündigte eine vollständige Blockade sanktionierter Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela an. Damit bedroht Trump die wichtigste Devisenquelle des Landes. Inzwischen macht die US-Regierung Ernst und beschlagnahmt Öltanker. 

Hier wichtige Fragen und Antworten zu dem Thema:

Kann eine Öl-Blockade Maduro tatsächlich zum Einlenken zwingen?

Venezuela ist wirtschaftlich stark vom Ölexport abhängig, da das Land rund 90 Prozent seiner Devisen daraus bezieht. Eine vollständige Blockade könnte die bereits schwer angeschlagene Wirtschaft des Landes weiter destabilisieren. Das staatliche Ölunternehmen PDVSA ist Experten zufolge die wichtigste Einnahmequelle der Regierung. Eine Blockade dürfte also auch die Löcher im Haushalt vergrößern. Damit würde Maduro unter Druck geraten.

Andererseits hat Maduro bereits frühere Sanktionen und Krisen überstanden. Wirtschaftlicher Druck und die Folgen für die verarmende Bevölkerung im Land haben bislang nicht zu einem Machtverzicht geführt. Zudem unterhält Caracas Beziehungen zu Ländern wie China und Russland, die möglicherweise weiterhin venezolanisches Öl kaufen würden. Russlands Präsident Wladimir Putin etwa hat Maduro erst kürzlich seine Unterstützung zugesichert.

Wie bedeutend sind Venezuelas Ölreserven?

Venezuela verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei aber vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. 

Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund einer Million Barrel pro Tag aber recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Verantwortlich für diesen Rückgang sind Sanktionen, aber vor allem auch Missmanagement. 

Die aktuelle Produktion Venezuelas entspricht nur etwa einem Prozent der weltweiten Fördermenge - sicher einer der Gründe, wieso Trumps jüngste Kampagne den globalen Ölpreis bislang nicht in die Höhe getrieben hat.

Wohin exportiert Venezuela sein Öl hauptsächlich?

Einst waren die USA der größte Abnehmer, doch seit 2019 verhängte Sanktionen gegen Maduros Regierung bereiteten dem ein Ende. Inzwischen geht der allergrößte Teil des Öls der US‑Energieinformationsbehörde (EIA) zufolge per Tanker nach Asien, vor allem nach China. Weitere Lieferungen gehen in das befreundete Kuba sowie über Zwischenhändler in andere Staaten.

Eine Ausnahmegenehmigung der US-Regierung für Geschäfte in Venezuela besitzt der US-Ölkonzern Chevron, der Joint Ventures mit der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA betreibt und technisches Know-how einbringt.

Obwohl die aktuelle Fördermenge gering ist, wäre Öl aus Venezuela für die USA nicht uninteressant, denn an der US-Golfküste sind eine Reihe von Raffinerien immer noch speziell für das kompliziert zu verarbeitende Schweröl aus Venezuela ausgelegt. 

Welche Schritte haben die USA mit ihrer «Blockade» unternommen? 

Nur wenige Tage vor Trumps Blockade-Ankündigung brachte das US-Militär bereits einen Öltanker vor der Küste Venezuelas unter seine Kontrolle. US-Justizministerin Pam Bondi und FBI-Direktor Kash Patel erklärten, das Schiff sei Teil eines illegalen Netzwerks gewesen, das Öl zur Unterstützung ausländischer Terrororganisationen transportiert habe, etwa in den Iran. Es habe ein Haftbefehl vorgelegen. Venezuela verurteilte den Einsatz.

Am Samstag beschlagnahmten US-Streitkräfte einen weiteren Öltanker. Die US-Regierung kündigte an, weiter gegen die illegale Verschiffung von sanktioniertem Öl vorzugehen. Am Sonntag (Ortszeit) versuchte die Küstenwache Medienberichten zufolge, einen weiteren Tanker unter ihre Kontrolle zu bringen. Das Schiff soll sich aber geweigert haben und die Fahrt - trotz Verfolgern - fortgesetzt haben. 

Würde bei einer Blockade nicht vor allem die Bevölkerung leiden?

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen würden weitere Einnahmeverluste des Staates die humanitäre Lage in Venezuela zusätzlich verschärfen. UN-Berichte verweisen darauf, dass der Rückgang der Öleinnahmen und internationale Sanktionen die Deviseneinnahmen verringert haben und damit die Importe von Lebensmitteln, Medikamenten und Ersatzteilen einschränken. 

Schon jetzt lebt ein großer Teil der rund 28 Millionen Einwohner in Armut. Wegen der Krise sind Millionen bereits ins Ausland geflohen, vor allem in Nachbarländer wie Kolumbien. 

So hätte es nicht kommen müssen, argumentieren Kritiker der Regierung. Der Petrostaat Venezuela galt einst als Saudi-Arabien Lateinamerikas, als eines der reichsten Länder der Region. Bereits unter Maduros Vorgänger, dem sozialistischen Präsidenten Hugo Chávez (1999-2013), wurden weite Teile der Wirtschaft verstaatlicht, der Ölsektor wurde gegängelt und private Investitionen zurückgedrängt. Experten sehen darin die zentrale Ursache für den wirtschaftlichen Niedergang.

Wieso spricht Trump von «gestohlenen Vermögenswerten»?

Seine Blockade-Ankündigung begründete Trump auch damit, dass Venezuela angeblich Ölfelder, Land und Eigentum der USA gestohlen hat. Trump erklärte nicht genau, was er damit meinte. Anfang der 2000er Jahre hatte Venezuela unter Chávez aber Ölfelder verstaatlicht. Davon betroffen waren auch ausländische Firmen, darunter US-Konzerne. Mehrere Schiedsgerichte sprachen Unternehmen Entschädigungen zu. Viele dieser Forderungen sind bis heute nicht vollständig beglichen.

Und die US-Angriffe auf angebliche Drogenboote in der Karibik?

Die Beziehungen der beiden Staaten hatten sich in den letzten Monaten bereits dramatisch verschlechtert. Trumps Regierung warf Maduro vor, ein von den USA als Terrororganisation eingestuftes Drogenkartell zu kontrollieren und für den Schmuggel von Rauschgift in die USA verantwortlich zu sein. Es folgten zahlreiche tödliche Angriffe des US-Militärs auf angeblich mit Drogen beladene Boote in internationalen Gewässern in der Karibik. 

Experten zufolge ist Venezuela kein wichtiges Produktionsland von Drogen, sondern dient eher als Transitland - vor allem für den europäischen Markt. Maduro wirft Washington vor, mit den Angriffen einen Regimewechsel in Venezuela erzwingen zu wollen.

Trump sagte jüngst offen, Maduros Tage an der Staatsspitze seien gezählt. Für zusätzliche Spannungen sorgte ein Interview seiner Stabschefin Susie Wiles mit dem Magazin «Vanity Fair» über ihren Chef, in dem sie ähnliche Aussagen machte. «Er will so lange Boote in die Luft jagen, bis Maduro aufgibt. Und Leute, die sich damit viel besser auskennen als ich, sagen, dass er das auch schaffen wird», wurde Wiles zitiert. Später erklärte sie, ihre Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Welche Rolle spielt das Militär? 

In den vergangenen Monaten hat das US-Militär in der Karibik eine schlagkräftige Streitmacht aus Kriegsschiffen, Kampfflugzeugen und Tausenden Soldaten zusammengezogen. Im Einsatz ist auch das größte Kriegsschiff der Welt, der Flugzeugträger «USS Gerald R. Ford». Trump sprach in seiner Blockade-Ankündigung davon, dass Venezuela von der «größten Armada» in der Geschichte Südamerikas «komplett umzingelt» sei. 

Der militärische Aufmarsch ist eine klare Drohgebärde. Fraglich ist, ob das US-Militär auch Einsätze auf venezolanischem Boden beginnen wird. Trump hatte bislang solche Einsätze immer wieder vage in Aussicht gestellt. 

Das venezolanische Militär mag technisch unterlegen sein, ist Maduro gegenüber aber - so weit bekannt - sehr loyal. Ein US-Einmarsch in das Land, das flächenmäßig knapp dreimal so groß ist wie Deutschland, ist nur schwer vorstellbar. Zudem könnte ein plötzliches Machtvakuum nach Jahren der autoritären Herrschaft das Land ins Chaos stürzen und die gesamte Region destabilisieren.

Konflikte / Militär / Öl / Venezuela / USA / Sanktionen / Maduro
22.12.2025 · 10:04 Uhr
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