Jungheinrich legt Produktionswerk in Lüneburg still: Einigung nach lautem Verhandlungsmarathon

Der renommierte Gabelstaplerhersteller Jungheinrich hat beschlossen, seine Produktionsaktivitäten am Standort Lüneburg bis Ende März 2027 einzustellen. Für die 160 betroffenen Mitarbeitenden bedeutet dies das Aus ihrer bisherigen Anstellungen. Nach intensiven Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und der IG Metall wurde nun ein umfassender Interessenausgleich erreicht. Bestandteil dieser Einigung ist ein Sozialplan, inklusive eines Sozialtarifvertrags, der die finanzielle Absicherung der Mitarbeitenden sicherstellen soll. Teil dieses Pakets sind unter anderem Abfindungszahlungen sowie die Gründung einer Transfergesellschaft, die den fließenden Übergang zu neuen beruflichen Perspektiven unterstützt.
Trotz der erzielten Regelungen bleibt die Gewerkschaft kritisch. Lennard Aldag von der IG Metall Celle-Lüneburg bemerkte, dass der Standort nicht aus wirtschaftlichem Zwang, sondern im Zuge einer strategischen Unternehmensumstrukturierung aufgegeben wird. Er verurteilt diesen Schritt als Verfehlung, da es sich nicht um eine wirtschaftliche Ausnahmesituation handelt, sondern um die bewusste Aufgabe profitabler Produktionskapazitäten.
Die Gespräche, die lediglich vier Tage in Anspruch nahmen, resultierten in einer Einigung mit einem zweistelligen Millionen-Euro-Volumen. Trotz alledem bleibt die Unternehmenszentrale in der Bau- und Verwaltungssektion mit 125 Arbeitsplätzen bestehen, während die Produktion gänzlich eingestellt wird.
Der Einigung vorangegangen war ein bemerkenswert langer Arbeitskampf: Die Belegschaft trat am 20. November in den Streik, aus dem sie erst jetzt mit einer Einigung hervorging. Dieser Konflikt, einer der längsten in Niedersachsen seit Langem, führte wiederholt zur Stilllegung der Produktion. Währenddessen hatte Jungheinrich bereits Pläne für ein umfassendes Sparprogramm vorgestellt, welches weltweit etwa 1.000 Arbeitsplatzstreichungen vorsah, wobei die Schließung des Lüneburger Werks bereits im Sommer im Raum stand.
Das Lüneburger Werk ist bekannt für seine Fertigung von Sonder- und Kleinserien, maßgeschneidert nach spezifischen Kundenbedürfnissen - eine Produktion, die seit 1989 in Lüneburg Tradition und technische Spezialisierung pflegt. Das Unternehmen hatte in diese Produktionsstätte damals erheblich investiert.
Trotz der jüngst verkündeten Sparmaßnahmen erwirtschaftete Jungheinrich im Jahr 2024 einen Profit von 289 Millionen Euro auf einen Umsatz von über 5,4 Milliarden Euro, geht jedoch ehrgeizig auf ein Umsatzziel von zehn Milliarden Euro bis 2030 zu. Die Geschäftsergebnisse für 2025 werden für Ende März erwartet und sind mit Spannung zu betrachten.

