J.P. Morgans neues Machtzentrum: Ein Milliarden-Turm für die Post-Homeoffice-Ära
Der Wolkenkratzer ersetzt den 2021 abgerissenen Vorgängerbau und ist nach dem One World Trade Center das zweithöchste Bürogebäude New Yorks. Er bietet Platz für 10.000 Mitarbeiter und soll das neue Herzstück einer Bank werden, die längst selbst zum Sinnbild amerikanischer Finanzmacht geworden ist.
Jamie Dimons Anti-Homeoffice-Statement
Bankchef Jamie Dimon nutzt das Gebäude auch als kulturpolitisches Statement. Er gilt als entschiedener Gegner des Homeoffice – und der neue Hauptsitz als sichtbarer Beweis dafür. „Seit mehr als 225 Jahren ist J.P. Morgan Chase tief in New York verwurzelt“, so Dimon. „Dieses Gebäude ist ein Bekenntnis zu unserer Stadt, unseren Kunden und unseren Mitarbeitern.“
New Yorks Bürgermeister Eric Adams dankte Dimon mit sichtbarer Genugtuung: „Vor vier Jahren flohen große Arbeitgeber aus der Stadt. Heute eröffnen sie wieder – Block für Block.“
Der erste vollelektrische Megaturm New Yorks
Der neue Hauptsitz ist nicht nur groß, sondern auch grün. Er wird vollständig mit Wasserkraftstrom betrieben und arbeitet mit Netto-Null-Emissionen. Damit ist er der größte vollelektrische Turm der Stadt. Sensoren, KI und maschinelles Lernen regulieren Energieverbrauch, Beleuchtung und Klima automatisch. Der Wasserbedarf sinkt dank Recycling-Systemen um mehr als 40 Prozent.
Rund 97 Prozent der Materialien aus dem alten Gebäude wurden recycelt oder wiederverwendet. J.P. Morgan strebt die Zertifikate LEED Platinum v4 und WELL Health-Safety Rating an – die höchsten Nachhaltigkeitsstandards in der Branche.
Architektur mit öffentlichem Anspruch
Die Konstruktion des Hochhauses folgt einer Fächersäulenstruktur, die auf Straßenniveau 2,5-mal mehr öffentlichen Raum schafft als zuvor – inklusive breiterer Gehwege und eines neuen Platzes an der Madison Avenue.
Kunst spielt ebenfalls eine Rolle: Werke von Gerhard Richter, Maya Lin und Leo Villareal schmücken das Gebäude und seine Umgebung. Im Inneren: acht Trading Floors, 26.500 Quadratmeter Kundenräume, ein Gesundheitszentrum mit Fitness- und Meditationsbereichen – und 50.000 vernetzte Geräte für berührungslose Navigation.
Wirtschaftsfaktor in Milliardenhöhe
Laut einer Studie von Vista Site Selection trägt J.P. Morgan Chase jährlich 42 Milliarden US-Dollar zur Wirtschaft New Yorks bei und sichert 40.000 zusätzliche Jobs. Allein der Bau schuf 8.000 Arbeitsplätze in 40 Gewerkschaften.
Mit einem verwalteten Vermögen von 4,6 Billionen Dollar und einem Eigenkapital von 360 Milliarden Dollar hätte die Bank den Bau des Turms tatsächlich „aus der Portokasse“ finanzieren können.
Der neue Hauptsitz ist mehr als nur ein Bürogebäude – er ist eine Machtdemonstration aus Stahl, Glas und Strom. Ein Monument für den Kapitalismus in seiner modernsten, nachhaltigen und zugleich kompromisslos traditionellen Form.


