Israelische Streitkräfte planen umfassende Einberufung von Religionsstudenten
Die israelischen Streitkräfte haben angekündigt, bis Ende des Monats 54.000 Einberufungsbefehle an ultraorthodoxe junge Männer auszustellen. Hintergrund ist der Wegfall eines Gesetzes, das diese Religionsstudenten bislang vom Wehrdienst befreite. Bisher waren Studierende an Jeschiwas, den traditionellen religiösen Schulen, von der Wehrpflicht freigestellt.
Doch die israelische Armee sieht sich nach anhaltenden Konflikten mit Personalengpässen konfrontiert und plant nun, Religionsstudenten verstärkt zum Militärdienst heranzuziehen. Trotz dieses Vorhabens erweisen sich solche Maßnahmen als umstritten. Der Oberste Gerichtshof Israels hatte vergangenen Sommer entschieden, dass ultraorthodoxe Männer zum Wehrdienst verpflichtet sind.
Doch diese Bestrebungen stoßen auf Widerstand innerhalb der betroffenen Gemeinschaften. Viele Mitglieder sehen in der Wehrpflicht einen Eingriff in ihren religiösen Lebensstil, insbesondere wegen der gemeinsamen Dienste von Männern und Frauen. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Einberufungsbefehle missachtet, was in der Mehrheitsgesellschaft für Unruhe sorgt.
Die gegenwärtige Regierung unter Benjamin Netanjahu ist um eine gesetzliche Regelung bemüht, doch Entwürfe, die ernsthafte Sanktionen vorsehen, stoßen in der eigenen Koalition auf Widerstand. Die ultrareligiösen Partner drohen mit dem Koalitionsbruch, sollten solche Maßnahmen mithilfe der Opposition beschlossen werden.
Während das Militärgemeinschafft eine Verschärfung seiner Maßnahmen ankündigt, bleibt zweifelhaft, ob die praktische Umsetzung erfolgt. Die Medien zeigen sich skeptisch, da bisher nur wenige Einberufene tatsächlich einrückten und kein Verweigerer festgenommen wurde.

