Stuntman: Hollywood katapultiert die PS2-Kultreihe ins Jahr 2026 – mit K.I.T.T., Zeitmaschine und jeder Menge Fragezeichen
Stuntman: Hollywood wurde auf Sony’s State of Play angekündigt und markiert die Rückkehr einer Reihe, die fast 20 Jahre auf Eis lag. Saber Interactive, das Studio hinter dem 12-Millionen-Hit Space Marine 2, schnappt sich für diesen Action-Racer die Lizenzkataloge von Universal – und packt Fast & Furious, Zurück in die Zukunft, Knight Rider und Miami Vice in ein einziges Spiel. Klingt nach einem spektakulären Comeback. Ist es aber vielleicht auch eine riskante Wette auf eine IP, die beim ersten Anlauf keiner haben wollte.
20 Jahre Funkstille – warum jetzt?
Um zu verstehen, was für ein Kuriosum diese Ankündigung ist, muss man ins Jahr 2002 zurück. Damals veröffentlichte Reflections Interactive – das Studio hinter Driver – das erste Stuntman für die PlayStation 2. Das Spielkonzept war originell: Du warst kein Rennfahrer, sondern ein Stuntman an Filmsets. Jede Mission diktierte exakt, welche Stunts du wann und wo auszuführen hattest – mit gnadenloser Präzision und null Toleranz für Abweichungen. Die Kritiken waren mittelmäßig (Metacritic: 71), die Frustration bei Spielern hoch.
2007 folgte Stuntman: Ignition, diesmal von Paradigm Entertainment unter THQ. Es lockerte die Fesseln etwas, bot mehr Fahrzeuge, spektakulärere Sets – und landete trotzdem nur bei einem Metascore von 72. Danach: komplette Funkstille. Fast zwei Jahrzehnte lang.
Dass ausgerechnet Saber Interactive die IP jetzt ausgräbt, ist kein Zufall. Der Publisher hat sich auf das Wiederbeleben von Klassikern spezialisiert – das noch für Herbst 2026 angekündigte Turok: Origins folgt demselben Muster. Und Tim Willits, Sabers Chief Creative Officer (der 2019 von id Software kam), schwärmt im Ankündigungstext vom „Traum, so eine Legende der Spielegeschichte neu zu erschaffen“. Dass er das ausgerechnet über ein Spiel sagt, das zu Lebzeiten nie mehr als eine Fußnote war, ist entweder charmante Nostalgie oder cleveres PR-Framing.
Vom Switch-Portierer zum Hollywood-Stuntman
Saber Interactive hat eine der bemerkenswertesten Transformationen der Branche hinter sich. Vor zehn Jahren war das Studio vor allem als technischer Dienstleister bekannt: Der Port von The Witcher 3 auf die Nintendo Switch galt als technisches Wunder, ebenso die Crysis Remastered-Arbeiten und Beiträge zu Halo: The Master Chief Collection. Heute stemmt Saber eigene AAA-Produktionen – wie Space Marine 2, dass über 12 Millionen Spieler erreichte.
Ein Blick auf Sabers aktuelle Pipeline zeigt, wie breit das Studio mittlerweile aufgestellt ist:
- Jurassic Park: Survival – ebenfalls eine Universal-Lizenz, Survival-Horror
- Turok: Origins – Dinosaurier-Shooter-Revival für Herbst 2026
- John Wick – das ebenfalls bei Saber in Entwicklung befindliche John-Wick-Spiel vor der Filmhandlung
- Hellraiser: Revival – das kürzlich enthüllte Hellraiser: Revival mit asymmetrischem Gameplay
Die Zusammenarbeit mit Universal Products & Experiences ist dabei der strategische Kern: Saber hat offenbar einen Rahmenvertrag, der Zugriff auf massive Filmlizenzen gewährt. Stuntman: Hollywood ist das erste Spiel, das gleich mehrere davon in einem Produkt bündelt. Jurassic Park: Survival, das ebenfalls auf einer Universal-Lizenz basiert, zeigt, dass diese Partnerschaft kein einmaliges Experiment ist.
Auffällig ist, dass Stuntman: Hollywood nicht für die Nintendo Switch 2 angekündigt wurde – und das, obwohl Saber als Nintendo-Port-Spezialist schlechthin gilt. Entweder ist die Engine zu anspruchsvoll für die Hybrid-Konsole, oder Nintendo bekommt eine spätere, separate Port-Ankündigung.
Zwischen Sternesystem und Zeitmaschine
Was das Gameplay angeht, beschreibt der deutsche PlayStation Blog das Sternesystem und die Garage in ungewöhnlicher Detailtiefe. Jeder Filmauftritt ist in Episoden unterteilt, jede Episode ein Level mit eigenem Fahrzeug und spezifischen Vorgaben. Ein virtueller Regisseur gibt dir Aufgaben: Drifte durch einen markierten Abschnitt, halte eine enge Linie, weiche Hindernissen aus.
Das Sternesystem bewertet deine Leistung – sowohl bei den vorgegebenen Stunts als auch bei den „freien Stunts“, die du aus eigenem Antrieb riskierst. Je mehr Sterne du sammelst, desto prestigeträchtiger die Filmpreise, die deine Produktion am Ende abräumt. Saber zitiert Burnout und Split/Second als spielerische Vorbilder – beides Arcade-Racer, die von spektakulären Crashs und permanenter Action lebten und seit über 15 Jahren keinen Nachfolger mehr gesehen haben.
In der Garage sammeln sich mit fortschreitender Karriere Trophäen und Andenken an. Neben der Hauptkampagne gibt es B-Roll-Episoden, kürzere Füllsequenzen und Stunt-Arenen für zusätzliche Herausforderungen. Die Fahrzeugpalette reicht – das ist das Herzstück des Universal-Deals – vom K.I.T.T.-Auto aus Knight Rider über die Zeitmaschine aus Zurück in die Zukunft bis zu Muscle Cars, Supercars und Motorrädern.
Dass Saber die Vorbilder Burnout und Split/Second selbst nennt, ist aufschlussreich. Beide Serien sind commerziell gescheitert. Split/Second verkaufte sich so schlecht, dass Disney das Studio Black Rock nach einem Spiel dichtmachte. Burnout liegt seit 2011 brach. Saber zielt auf ein Vakuum, das niemand sonst füllen will – mit einer Marke, die selbst schon zweimal gefloppt ist. Das ist entweder wahnsinnig mutig oder wahnsinnig naiv.
Kein Preis, kein Datum, kein Multiplayer
Die Ankündigung lässt signifikante Lücken. Kein Preis. Weder auf Steam noch im PlayStation Store ist auch nur ein Platzhalter zu finden. Saber kommuniziert nur „derzeit in Entwicklung“ – ohne Release-Fenster, ohne Quartal. Der Trailer zeigt gerenderte Szenen, kein Interface, kein HUD.
Dazu kommt: Stuntman: Hollywood ist ein reiner Einzelspieler-Titel. In einer Ära, in der selbst Forza Horizon auf persistenten Live-Service und Multiplayer setzt, ist das ein bewusstes Statement. Saber vertraut offenbar darauf, dass ein straff inszenierter Solo-Action-Racer genug Zugkraft hat – eine These, die das Studio mit Space Marine 2 (ebenfalls primär Singleplayer/Co-op, kein Live-Service) bereits erfolgreich getestet hat.
Kritisch betrachtet: Ein Action-Racer mit teuren Filmlizenzen, der keinen Multiplayer bietet und bei dem der Publisher selbst die Kern-Features nur mit Burnout-Vergleichen beschreibt, braucht ein verdammt gutes Gameplay, um zu bestehen. Die Original-Stuntman-Spiele scheiterten genau daran – tolle Idee, mäßige Umsetzung, frustrierende Präzisionsanforderungen. Saber hat mit Space Marine 2 bewiesen, dass das Studio bombastische Action inszenieren kann. Aber ein Racer folgt komplett anderen physikalischen und spielerischen Gesetzen.
Dass du das Spiel immerhin auf die Steam-Wunschliste setzen kannst, zeigt immerhin: Es ist mehr als ein CGI-Konzept. Ob es für mehr reicht, wird sich zeigen, wenn Saber das erste Mal Gameplay durch den Regisseur abnehmen lässt.


