Innovationsstandort Deutschland unter Druck
Interview mit Marcus Lodde, Leiter Beratung Finanzierung der Effizienz-Agentur NRW

13. Februar 2026, 09:21 Uhr · Quelle: Pressebox
Innovationsstandort Deutschland unter Druck
Foto: Pressebox
Marcus Lodde, Leiter Beratung Finanzierung der Effizienz-Agentur NRW.
Die Stagnation der FuE-Ausgaben in Deutschland bedroht die wirtschaftliche Resilienz und die Bewältigung zentraler Herausforderungen.

Duisburg, 13.02.2026 (PresseBox) - Die aktuellen Zahlen von KfW Research sind alarmierend: Während andere Industrienationen ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung deutlich steigern, stagniert Deutschland seit Jahren. Das belastet nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, sondern auch ihre Fähigkeit, zentrale Zukunftsaufgaben wie Digitalisierung, Energiewende und industrielle Transformation erfolgreich zu bewältigen. Welche Ursachen hinter dieser Entwicklung stehen, welche Risiken sich daraus ergeben und welche wirtschafts- und innovationspolitischen Impulse jetzt nötig sind, darüber sprechen wir mit Marcus Lodde, Leiter Beratung Finanzierung der efa.

Herr Lodde, die Ergebnisse des jüngst veröffentlichten Chartbooks der KfW Research mit Daten zum Innovationsökosystem in Deutschland zeigen, dass Deutschlands FuE-Ausgaben seit 2019 real stagnieren – während Länder wie China oder die USA massiv aufholen. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Aus meiner Sicht könnte das damit zusammenhängen, dass sich die globale Innovationsdynamik deutlich verschiebt. Andere Volkswirtschaften investieren massiv in Zukunftstechnologien. Besonders relevant sind dabei Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Batterietechnik, Biotechnologie und Digitale Plattformen.

Besonders auffällig ist, dass FuE-Ausgaben in Deutschland stark von Großunternehmen und Unternehmen aus traditionellen Industriebranchen wie dem Automobilsektor getätigt werden. Welche Risiken entstehen daraus für Innovationsdynamik und Resilienz des Wirtschaftsstandorts?

Das ist riskant, denn gerade diese Branchen befinden sich mitten in disruptiven Transformationen (Elektromobilität, Software, KI). Wenn der Mittelstand, der traditionell das Rückgrat deutscher Innovation ist, zu wenig investiert, verliert das Ökosystem Deutsche Wirtschaft an Breite und Resilienz.

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft, investiert aber vergleichsweise wenig in FuE. Wo sehen Sie die größten Hemmnisse – und wie könnten diese gezielt abgebaut werden?

In der Regel fehlen im Mittelstand die Ressourcen für strategische Projekte wie Innovation und Forschung. Die derzeitige Unsicherheit und die fehlende Planbarkeit verringern die Risikobereitschaft – ein wesentlicher Faktor, denn FuE ist naturgemäß risikobehaftet und langfristig angelegt. Die Effizienz-Agentur NRW kann als befristete Stabstelle des Mittelstandes hier Unterstützung leisten und mit ihren Angeboten diese Hemmnisse abbauen.

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Themen wie Transformation, Ressourcenschonung und Zirkularität für die Innovationskraft Deutschlands? 

Die Bertelsmann Stiftung, das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und das Wuppertal Institut betonen in ihrem Impulspapier, dass die Transformation zur Kreislaufökonomie für die Zukunftsfähigkeit, Klimaneutralität und Innovationsstärke von Unternehmen unverzichtbar ist. Insbesondere kann dadurch die Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduziert und die technologische Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden. Die Transformation zwingt Unternehmen dazu, ihre Prozesse, Produkte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken. Genau daraus entstehen technologische und organisatorische Sprunginnovationen.

Was muss aus Ihrer Sicht jetzt wirtschaftspolitisch passieren, damit Deutschland wieder Anschluss an die internationale Innovationsspitze findet – und welchen Beitrag können Akteure wie die efa konkret leisten?

Aus meiner Sicht braucht es jetzt vor allem eine deutliche Verschlankung von Genehmigungs-, Berichtspflichten und Förderregularien. Ergänzend wäre die Einrichtung einer One-Stop-Agency sinnvoll – analog zu Modellen etwa in Dänemark oder den Niederlanden – die Unternehmen zentral durch Innovations- und Investitionsprozesse führt und Verfahren bündelt. Entscheidend ist außerdem, dass Zukunftstechnologien schneller genehmigt werden und Innovationsprojekte stärker über Instrumente der Risikoteilung abgesichert werden, zum Beispiel nach dem Vorbild der Transformationsbürgschaft NRW. Gleichzeitig braucht es eine engere Verzahnung von Klima- und Industriepolitik, da diese derzeit noch zu fragmentiert aufgestellt sind.

Akteure wie die efa können hier konkret ansetzen: Sie hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie mit ihren Angeboten einen wesentlichen Beitrag zu innovativen und ressourceneffizienten Geschäftsmodellen leisten kann. Das zeigen auch die zahlreichen Best-Practice-Beispiele auf der Website der efa. Durch praxisnahe Beratung und Umsetzungsunterstützung kann sie Innovationen direkt in die Anwendung bringen und Transformationsprozesse wirksam begleiten.

Herr Lodde, vielen Dank für das Gespräch.

Innovation / Wirtschaft / Forschung / Mittelstand / Energiewende / Finanzen / Bilanzen
[pressebox.de] · 13.02.2026 · 09:21 Uhr
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