ING setzt auf nachhaltiges Wachstum statt kurzfristige Zinsoffensiven

ING bleibt gelassen im Zinswettbewerb
Die Direktbank ING zeigt sich unbeeindruckt von den Lockangeboten der Konkurrenz im Bereich Tagesgeld. Wie Lars Stoy, der CEO von ING Deutschland, am Mittwochabend im Rahmen einer Veranstaltung des Internationalen Clubs der Frankfurter Wirtschaftsjournalisten betonte, strebt die Bank zwar an, ihre Kundenzahl von über zehn Millionen weiter zu steigern, jedoch "nicht um jeden Preis". Es sei entscheidend, dass jede Maßnahme auch strategisch sinnvoll ist.
Fokussierung auf Zielgruppen und Kundenbindung
Statt auf kurzfristige Zinserhöhungen zu setzen, verfolgt die ING einen differenzierten Ansatz. Die Bank hat begonnen, gezielte Angebote für bestimmte Kundengruppen zu entwickeln. Ein Beispiel hierfür ist die gezielte Ansprache von Kunden, die Gelder von ihrem Tagesgeldkonto abgezogen haben, um diese mit attraktiveren Zinsen zurückzugewinnen. Diese Strategie könnte sich als vorteilhaft erweisen, da sie die Abwanderung von Kunden minimiert.
Konkurrenzdruck im deutschen Markt
Die Konkurrenz um Sparkunden in Deutschland verschärft sich zunehmend. Erste Banken, wie die US-amerikanische JPMorgan Chase mit ihrer digitalen Privatkundenbank Chase, locken Neukunden mit verlockenden Zinsen von bis zu vier Prozent auf Tagesgeld – allerdings oft nur für einen begrenzten Zeitraum. Auch die Norisbank, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank, und Online-Broker wie Trade Republic setzen etablierte Banken unter Druck. Im Vergleich dazu bietet die ING derzeit 3,2 Prozent Zinsen für neue Tagesgeldkunden, allerdings nur für vier Monate.
Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber
Um das Geschäft mit bestehenden Kunden zu intensivieren, setzt die ING auf innovative Technologien, insbesondere auf künstliche Intelligenz (KI). Laut einer repräsentativen Umfrage von YouGov, die im Auftrag der ING durchgeführt wurde, können sich 54 Prozent der Befragten eine rein digitale, KI-gestützte Beratung vorstellen. Stoy sieht in der KI einen entscheidenden Hebel, um die Interaktion mit den zehn Millionen Kunden der Bank zu verbessern und personalisierte Angebote zu schaffen.
Flexibilität als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit
Stoy betont, dass die ING über ausreichend Flexibilität verfügt, um auf sich verändernde Marktbedingungen zu reagieren. Die Bank, die sich über Jahre hinweg durch Zinsaktionen in Deutschland etabliert hat, sieht sich nicht durch kurzfristige Kampagnen im Wachstum limitiert. Gleichzeitig ist es für die Bank von Bedeutung, sorgfältig zu überlegen, welche Kunden sie anziehen möchte, insbesondere solche, die schnell zu einer anderen Bank wechseln, sobald bessere Konditionen angeboten werden. Diese strategische Herangehensweise könnte sich langfristig als vorteilhaft für die Wettbewerbsfähigkeit der ING erweisen.

