Inflation in Frankreich fällt auf 0,6 % – Zinssenkung der EZB rückt näher
Die Inflation in Frankreich ist im Mai auf 0,6 % gefallen – der niedrigste Wert seit Dezember 2020. Haupttreiber des Rückgangs waren deutlich gesunkene Energiepreise, die laut Statistikamt Insee um 8,1 % gegenüber dem Vorjahr nachgaben. Analysten hatten im Vorfeld mit einer Teuerung von 0,9 % gerechnet, entsprechend dem April-Wert.
Auch die Preise für Industriegüter sanken im Jahresvergleich leicht um 0,2 %. Besonders bemerkenswert: Die Preissteigerung im Dienstleistungssektor – ein zentraler Indikator für strukturellen Inflationsdruck – schwächte sich von 2,4 % auf 2,1 % ab. Damit liegt Frankreichs Inflationsrate nun klar unter dem EZB-Ziel von 2 % und signalisiert weiter nachlassenden Preisauftrieb im Euroraum.
Diese Entwicklung stärkt die Argumente für eine Lockerung der Geldpolitik. Der Präsident der französischen Notenbank, François Villeroy de Galhau, sprach am Dienstag in Paris von einem „sehr ermutigenden Zeichen“ für eine anhaltende Disinflation. Die Normalisierung der Geldpolitik sei „zweifellos noch nicht abgeschlossen“, sagte er mit Blick auf die bevorstehende Sitzung des EZB-Rats.
Die Europäische Zentralbank dürfte am 5. Juni erstmals seit Beginn des Zinserhöhungszyklus 2022 den Einlagensatz senken – auf dann 2 %. Der litauische Zentralbankchef Gediminas Simkus hatte sich bereits für weitere Zinsschritte nach unten ausgesprochen. Die Sorge: Eine zu restriktive Haltung könnte das Inflationsziel nach unten verfehlen.
Frankreich steht mit seiner Entwicklung nicht allein. Auch in Italien, Spanien und Deutschland werden in dieser Woche Inflationsdaten erwartet, die unter der 2-Prozent-Marke liegen dürften. Damit deutet sich ein flächendeckender disinflationärer Trend in der Eurozone an – ein entscheidender Faktor für die geldpolitischen Entscheidungen der kommenden Monate.

