Industrieverband: Langanhaltende Unsicherheiten dämpfen Konjunkturausblick
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) äußert sich besorgt über die gegenwärtigen Unsicherheiten, die auf die deutsche Wirtschaft lasten, und rechnet nicht mit einer schnellen Erholung der Konjunktur. Peter Leibinger, Präsident des BDI, hob in Berlin beim Tag der Industrie die Herausforderungen hervor, die sich aus internationalen Konflikten wie dem Zollstreit mit den USA und der Eskalation im Nahen Osten ergeben. Diese "Brandherde" stellen erhebliche Risiken dar und deuten auf einen beschwerlichen Weg aus der Rezession hin.
Besonders kritisch betrachtet der BDI die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten, nachdem die USA sich den militärischen Aktionen Israels gegen den Iran anschlossen. Die Bombardierung iranischer Atomanlagen erhöhte die Spannungen erheblich. Leibinger warnte, dass eine Blockade der Straße von Hormus durch den Iran, einer bedeutenden Route für den Öltransport, gravierende Auswirkungen auf die Energiepreise haben könnte.
Ein weiteres Unsicherheitsmoment sieht der BDI in den verschärften Exportkontrollen Chinas für seltene Erden, die für zahlreiche Hightech-Bereiche essenziell sind. Daher hat der Verband seine Konjunkturprognose für das Jahr angepasst und erwartet nun einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent. Diese pessimistischere Einschätzung steht im Kontrast zu den optimistischeren Aussichten anderer Wirtschaftsinstitute.
Die Hauptgeschäftsführerin des BDI, Tanja Gönner, führte an, dass die Unsicherheit über die US-Zollpolitik die Erwartungen ebenfalls trübt. Sie geht davon aus, dass anstehende US-Zölle auf EU-Waren in Kraft treten und dass ab dem 10. Juli Abgaben in Höhe von 20 Prozent erhoben werden könnten. Dennoch hofft die Bundesregierung auf eine Einigung mit der EU-Kommission und den USA.
Peter Leibinger betonte, dass trotz der gegenwärtigen Herausforderungen ein Anzeichen für einen Aufschwung im Jahr 2026 bestehen könnte, sofern die Regierung ihren angekündigten Weg mit steuerlichen Entlastungen und Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise konsequent umsetzt. Deutschland hat bereits zwei Rezessionsjahre hinter sich. Leibinger verwies auf ein "Stimmungsproblem" im Land, welches die Investitionsbereitschaft der Unternehmen hemmt.

