Industriestrompreis: Ein kurzfristiger Atemzug für die Wirtschaft?
Der im aktuellen schwarz-roten Koalitionsvertrag verankerte Industriestrompreis wird laut Expertenmeinung kaum längerfristige Probleme lösen. Die Maßnahme bietet der energieintensiven Industrie zwar vorerst Erleichterung, hält jedoch gleichzeitig den Bedarf an Subventionen hoch. Wie Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel in einer Präsentation eines Gutachtens zur deutschen Konjunktur betonte, sind solche Entlastungsmaßnahmen, ähnlich der geplanten Senkung der Netzentgelte, auf Dauer nicht tragfähig.
Kooths sieht den dringenden Bedarf an einer umfassenden Reform der Energiepolitik, die die Produktionskosten insgesamt reduzieren könnte. Eine Möglichkeit hierfür wäre der Ausbau der Stromnetze und Speichermöglichkeiten. Der Koalitionsvertrag zeichnet jedoch derzeit kein klares Bild von derartigen strukturellen Anpassungen.
Auch Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle äußerte sich skeptisch. Die vorübergehende Vergünstigung des Stroms für bestimmte Unternehmen löst das zugrunde liegende Knappheitsproblem nicht und könnte im Gegenteil dazu führen, dass Energie für andere Marktteilnehmer teurer wird. Es bleibt abzuwarten, wie lange der Energiemangel andauern wird.

