Indiens Blick auf Europa: EU als Vorbild mit Schwächen
Indische Entscheidungsträger und Wirtschaftsgrößen sehen die Europäische Union als beispielhaft für den Fortschritt ihres Landes an. Dies belegt eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung und der indischen Kalinga Kusum Foundation, die Ende 2025 durchgeführt wurde. Die Umfrage zeigt jedoch auch, dass die EU in den Augen dieser Meinungsführer hinter den USA und China zurückliegt, insbesondere in wirtschaftlicher und technologischer Hinsicht. Auch in militärischen Belangen wird der Union wenig zugetraut.
Nahezu 1.400 führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und akademischen Kreisen, darunter Verteidigungsexperten und Think-Tank-Mitglieder, wurden befragt. Dabei handelt es sich um die urbane, gebildete Elite Indiens, die den außenpolitischen Kurs des Landes beeinflusst. Die Umfrage zielte darauf ab, ein Verständnis für die Position und Ambitionen Indiens auf der globalen Bühne zu gewinnen.
Interessanterweise wurde die Umfrage initiiert, um das begrenzte Wissen in Deutschland und Europa über Indien zu thematisieren. Angesichts seiner wachsenden Bedeutung auf der Weltbühne wird die wirtschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung in Indien als prioritäres Interesse herausgestellt. Dies unterstreicht die Sichtweise, dass Außenpolitik in Indien primär Wirtschaftspolitik bedeutet.
Die EU wird als Schlüsselpartner wahrgenommen, wobei 74 Prozent der Befragten darin eine Gemeinschaft sehen, die Indiens zentrale Werte teilt. Diese Wahrnehmung übertrifft sogar die der USA. Die EU wird vor allem als Wirtschaftsmotor und Partner für Modernisierung wahrgenommen, und ein geplanter Handelsvertrag könnte eine strategische Reaktion auf die hohen US-Zölle sein. Trotzdem stößt die europäische und amerikanische Kritik an Indiens Ölgeschäften mit Russland auf Misstrauen, da Indien wesentliche Energiebeziehungen mit Russland pflegt, einem Land, das eine ambivalente Partnerschaft genießt.

