Impfstau in Deutschland wächst

28. Februar 2021, 18:58 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - In den USA ist der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson zugelassen - in der EU und somit auch in Deutschland wird eine Zulassung Mitte März erwartet. Zugleich wächst in Deutschland der Stau an bereits vorhandenem Impfstoff.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA erwartet das Ergebnis der bei ihr laufenden Prüfungen des neuen Impfstoffs für Mitte März. Laut Bundesgesundheitsministerium bekommt Deutschland 36,7 Millionen Dosen über die EU. Das Präparat entfaltet seine volle Wirkung schon nach Verabreichung einer Dosis und muss - anders als die übrigen genutzten Impfstoffe - nicht zweimal gespritzt werden. Ähnlich wie der Impfstoff von Astrazeneca hat der von Johnson & Johnson nach bisherigen Studienergebnissen eine geringere Wirksamkeit als die von Biontech/Pfizer und Moderna.

In Deutschland stapeln sich weiter große Mengen Astrazeneca in den Kühlschränken der Bundesländer. Bis Freitag wurden laut RKI nur 364.000 Dosen davon geimpft. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden mehr als 1,4 Millionen Dosen geliefert. Weitere 1,7 Millionen Astrazeneca-Dosen waren seit Samstag für die kommenden Tage geplant.

Gleichzeitig gab es in den vergangenen Tagen eine heftige Debatte darüber, wer die insgesamt immer noch knappen Impfstoffe bekommen soll. Die Länder verfahren hierbei unterschiedlich. So konnten zum Beispiel in Baden-Württemberg Lehrkräfte und Kita-Erzieherinnen Impftermine ausmachen - nicht aber Krebskranke und über 70-Jährige. In Berlin wurden hingegen über 70-Jährige zum Impfen eingeladen.

Warum große Mengen Astrazeneca-Impfstoff ungenutzt sind, ist seit Tagen unklar. Die einen sehen die Hauptgründe in einer mangelnden Organisation der Impfungen in den Ländern - die anderen in einer ablehnenden Haltung vieler Menschen diesem Präparat gegenüber. Es hat mit einer Wirksamkeit von 70 bis 80 Prozent niedrigere Werte als die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sich nach einem Vorschlag des Generalsekretärs der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, live im Fernsehen mit dem Präparat impfen lassen. Das soll der Skepsis gegen den Impfstoff entgegenwirken, wie er der britischer BBC sagte.

Es sei bereits abzusehen, dass die Ständige Impfkommission das Vakzin auch für die über 65-Jährigen empfehlen werde, so Watzl. Für diese Gruppe ist es mangels Studiendaten derzeit noch nicht zugelassen. «Wenn Angela Merkel zu diesem Zeitpunkt ins Live-Fernsehen gehen würde und mit dem Impfstoff geimpft würde, wäre das natürlich großartig», so der Immunologe. Der Astrazeneca-Impfstoff habe ein reines PR-Problem.

Bund und Länder wollen erklärtermaßen eigentlich möglichst schnelle Fortschritte beim Impfen. Denn dadurch sollen weniger Menschen an und mit Covid-19 sterben oder daran schwer erkranken. Impfen gilt auch als einzige Maßnahme, um die Pandemie insgesamt einzudämmen. Bund und Länder wollen bei ihrem nächsten Krisentreffen am Mittwoch Lockdown-Lockerungen zunächst vor allem von Corona-Tests abhängig machen. Denn Impfstoff ist noch nicht breit verfügbar.

Deutschlands Kassenärzte machen seit Tagen Druck, dass die Länder ihre Impfprogramme entbürokratisieren und die Ärzte über die Impfzentren hinaus so früh wie möglich einbinden sollen. Bis Ostern könnten ihren Berechnungen nach mehr als zwei Millionen zusätzliche Erstimpfungen gespritzt werden, wenn keine Impfdosen mehr für Zweitimpfungen zurückgelegt werden. Bis zum Beginn der Sommerferien in den ersten Ländern könnten es sogar mehr als 7,5 Millionen sein. Demnach könnten dann 58 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten - nicht 47 Prozent, wie bisher geplant.

Die Aufstockung der Impfkapazitäten etwa durch Einbindung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung noch dringender, wenn die Impfstoffe der von Johnson & Johnson sowie des Herstellers Curevac zugelassen werden.

Die EU-Kommission hat von Johnson & Johnson Impfdosen für 200 Millionen Menschen bestellt. Zudem hat sie eine Option auf ausreichende Mengen für noch einmal 200 Millionen Personen. Anfang Februar hatte Johnson & Johnson die Notfallzulassung für den von seiner Pharmasparte entwickelten Corona-Impfstoff bei der FDA beantragt. Mitte Februar folgte der Antrag bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA.

Laut einem Zwischenergebnis der Phase-III-Studie mit rund 44.000 Probanden bietet der Impfstoff von Johnson & Johnson vier Wochen nach Verabreichung einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19-Krankheitsverläufen. Die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen wurde mit 85 Prozent angegeben. Die Prozentzahlen bedeuten, dass es in der geimpften Probandengruppe entsprechend weniger Fälle gab als in der Placebo-Probandengruppe.

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28.02.2021 · 18:58 Uhr
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