Unwetter in Südeuropa

Hochwasser in Portugal, Spanien und Marokko

08. Februar 2026, 13:47 Uhr · Quelle: dpa
Wetter - Portugal
Foto: Ana Brigida/AP/dpa
Zehntausende Helfer sind in Portugal und Spanien seit Wochen gegen die Folgen einer ganzen Serie schwerer Winterstürme im Einsatz.
Nach heftigen Unwettern zeigt sich mal kurz wieder die Sonne. Trotzdem bleiben viele Regionen überflutet und das Risiko für Erdrutsche ist hoch. Und weiterer Regen soll kommen.

Lissabon/Sevilla/Rabat (dpa) - In Portugal, Spanien und Marokko war die Lage in den Hochwassergebieten trotz einer Regenpause am Sonntag weiter sehr schwierig. Ganze Landstriche standen in Portugal und Südspanien nach einer ungewöhnlichen Serie heftiger Winterstürme unter Wasser, Tausende Evakuierte waren in Notunterkünften untergebracht und das Risiko von Erdrutschen blieb hoch, wie die staatlichen TV-Sender beider Länder, RTVE und RTP berichteten. 

Für die kommende Woche wurden weitere Regenfälle vorhergesagt, was angesichts gesättigter Böden, voller Stauseen und schon jetzt Hochwasser führender Flüsse neue Überschwemmungen auslösen könnte. 

Mehr als 154.000 Evakuierte in Marokko

Dramatisch war die Situation auch im benachbarten nordafrikanischen Marokko. Betroffen war vor allem der Norden, etwa der Ort Ksar al-Kebir nordöstlich der Hauptstadt Rabat. Dort wurde ein Großteil der Anwohner wegen steigender Wasserpegel in Sicherheit gebracht. In den betroffenen Regionen wurden mehr als 154.000 Menschen evakuiert, wie das Innenministerium der staatlichen Nachrichtenagentur MAP zufolge am Freitag mitteilte. 

Auch am Sonntag kam es unter anderem in Tangier, Salé und Casablanca zu schweren Regenfällen und Überschwemmungen. Wegen des schlechten Wetters kamen an marokkanischen Häfen weniger Schiffe an, weshalb es unter anderem an Treibstoff und Tiernahrung für die Viehhaltung fehlt, die normalerweise beide auf dem Seeweg nach Marokko importiert werden.

Erst Mitte Dezember waren nach schweren Regenfällen und Überschwemmungen in Marokko 37 Menschen ums Leben gekommen.

Die gesamte Region war am Samstag von dem Sturmtief «Marta» getroffen worden. Es war bereits das siebte Sturmtief seit Jahresbeginn und hatte mit Starkregen, Orkanböen und hohen Wellen an den Küsten Portugal, Andalusien im Süden Spaniens und Marokko heimgesucht. Erst am Mittwoch und Donnerstag war der Sturm «Leonardo» über die drei Länder hinweggefegt. In Spanien kam dabei eine Frau in einem Fluss in der Region Málaga ums Leben. In Portugal gab es seit vergangener Woche insgesamt 13 Tote durch eine ganze Reihe von Stürmen und Hunderte Verletzte bei Aufräumarbeiten.

Schäden in Milliardenhöhe

In Portugal und Spanien wurde das Militär zur Unterstützung der zivilen Katastrophenschutzkräfte hinzugezogen. Insgesamt wurden die Schäden an der Infrastruktur und der Landwirtschaft in beiden Ländern zusammen auf mehr als sieben Milliarden Euro geschätzt. Auch in Marokko wurden große Verluste in der Landwirtschaft befürchtet. Etwas Gutes hat der viele Regen jedoch auch. Im kommenden Sommer dürfte es trotz großer Hitze und Trockenheit wegen der vollen Stauseen nicht zu dem sonst üblichen Wassermangel kommen.

Kleinstadt wegen Einsturzgefahr geräumt

In dem Gebirgsort Grazalema in Andalusien und weiteren Regionen wurden sogar Erschütterungen wie bei einem Erdbeben durch Wassermassen registriert, die im Untergrund aus höheren Lagen unter die Stadt flossen. Die gesamte Kleinstadt musste wegen Einsturzgefahr geräumt werden. In Medien war von einem seltenen Phänomen eines «Hidroseísmo» die Rede, was sich als Wasserbeben übersetzen ließe.

Betroffene Region leidet sonst eher unter Wassermangel

Meteorologen erklären die ungewöhnliche Serie an Winterstürmen in dieser sonst eher für Trockenheit und Dürren bekannten Region mit einer seltenen Wetterlage über dem Atlantik. Ein Hochdruckgebiet über Grönland und Island habe sich weiter als sonst nach Süden ausgebreitet. Dadurch befinde sich auch ein normalerweise bei den Azoren liegendes Hoch zurzeit weiter südlich, wodurch Atlantiktiefs, die sonst eher Großbritannien und Deutschland träfen, nun weiter südlich durchzögen.

Update: In einer früheren Version des Artikels hieß es in der ersten Zwischenüberschrift, es gab mehr als 145.000 Evakuierte in Marokko. Die Angabe wurde präzisiert: Es gab mehr als 154.000 Evakuierte.
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08.02.2026 · 13:47 Uhr
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