Hochtief-CEO macht den Weg für Neuanfang mit ACS frei
11. April 2011, 12:07 Uhr · Quelle: Dow Jones
(durchgehend neu) Von Matthias Goldschmidt Dow Jones Newswires
FRANKFURT (Dow Jones)--Massive Probleme bei der wichtigen australischen Tochter Leighton haben Hochtief am Montag zu einer Halbierung der Prognose gezwungen. Zugleich kündigte der Vorstandschef des Essener Baukonzerns an, er werde zur Hauptversammlung seinen Hut nehmen. Herbert Lütkestratkötter macht damit den Weg frei für einen neuen Anfang mit seinem ungeliebten Großaktionär ACS. Beobachter vermuten, dass ACS den Kursverfall nutzen wird, um seine Beteiligung wie geplant bis zu einer Mehrheit auszubauen.
"Ein Vorstandsvorsitzender muss das Vertrauen aller Großaktionäre haben", sagte Lütkestratkötter in einer Telefonkonferenz. Sein Rückzug nach vier Jahren an der Spitze kommt nicht überraschend. Lütkestratkötter hatte sich lange gegen die Hochtief-Übernahme durch den spanischen Großaktionär ACS gewehrt. Jetzt wurde der Vertrag mit Hochtief in beiderseitigem Einvernehmen beendet.
Nachfolger soll mit Ablauf der Hauptversammlung am 12. Mai Frank Stieler werden, der seit gut einem Jahr dem Vorstand angehört und bislang die neue Sparte Hochtief Europe verantwortet. Stieler, daran ließ ACS am Morgen nicht lange Zweifel, ist für die Spanier akzeptabel. "Er hat unsere volle Unterstützung und unser volles Vertrauen", sagte eine Sprecherin. Die Ernennung jetzt "garantiert einen nahtlosen Übergang".
Der scheidende Chef erhält nach eigenen Angaben eine Abfindung von 4,08 Mio EUR und bleibt dem Unternehmen als Berater verbunden. Dass das Verhältnis zum Großaktionär ACS für den Spitzenposten nicht mehr ausreichte, ist offenbar kein Problem. Eine Beratertätigkeit könne man auch ausüben, "wenn kein hundertprozentiges Vertrauensverhältnis zu jedem Großaktionär besteht", sagte Lütkestratkötter. Die Bitte sei vom Konzern an ihn herangetragen worden. Einen Vertrag gebe es aber nicht.
Der Kurs der Hochtief-Aktie kam nach der Gewinnwarnung und der Ankündigung des Rückzugs von Lütkestratkötter erheblich unter Druck. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass ACS die Kursschwäche dazu nutzen wird, sich bei Hochtief die Mehrheit zu sichern. "Der angekündigte Rücktritt von Lütkestratkötter zeigt, dass ACS sein Ziel erreicht hat", sagte ein Frankfurter Händler. Ende März lag die ACS-Beteiligung bereits bei etwas mehr als 41%.
Am Montag wurde ferner das Ausmaß der Probleme bei der 55-prozentigen Tochtergesellschaft Leighton bekannt. Der Baukonzern aus Sidney sah sich wegen massiver Probleme mit einzelnen Projekten genötigt, die dritte Gewinnwarnung in kurzer Folge herauszugeben. Statt mit 480 Mio AUD Gewinn vor Steuern wird bis Ende Juni ein Fehlbetrag von 427 Mio AUD anfallen.
Bei Hochtief schlägt diese drastische Kürzung voll ins Ergebnis durch: Das MDAX-Unternehmen rechnet, damit, dass der Vorsteuergewinn nur die Hälfte des Vorjahreswertes von 757 Mio EUR erreicht. Netto sollen 288 Mio EUR bleiben, nachdem bislang das Ziel bei 600 Mio EUR lag.
Nach Angaben von Lütkestratkötter wird das Leighton-Ergebnis vornehmlich von Verlusten beim Straßenprojekt Airport Link in Brisbane, deutlich geringeren Gewinnen beim Bau einer Entsalzungsanlage in Victoria und eine Abschreibung auf die Beteiligung an der Habtoor Leighton Group belastet.
Nach den Überschwemmungen zu Jahresbeginn habe man die Risiken der Projekte in Queensland und in Victoria zu Beginn des Jahres neu und sehr konservativ bewertet. Nach den massiven Abschreibungen gebe es für Leighton nunmehr Erholungspotenzial. Der Buchwert von Al Habtoor wurde um mehr als die Hälfte auf 525 Mio AUD abgeschrieben. Baukonzerne, die im Mittleren Osten tätig sind, haben noch immer mit der geplatzten Immobilienblase in Dubai im Zuge der Finanzkrise zu kämpfen. Projekte wurden storniert, fällige Zahlungen verschoben.
Kein Problem gibt es offensichtlich bei Hochtief Concessions. "Der Verkauf der Sparte Concessions ist in der Spur", sagte Lütkestratkötter. Leighton dagegen reagiert auf die massiven Abschreibungen mit einer Kapitalerhöhung im Volumen von 757 Mio AUD. Daran wird auch Hochtief teilnehmen.
Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Alexander Groschke bleibt dem Essener Konzern gar nichts anderes übrig, als die Kapitalerhöhung in voller Höhe zu zeichnen, wolle man größter Aktionär von Leighton bleiben. Mit einem Volumen von etwa 300 Mio EUR sollte dies für Hochtief allerdings verkraftbar sein.
Die Hochtief-Aktie notiert gegen 14 Uhr mit 9,1% im Minus bei 62,45 EUR.
-Von Matthias Goldschmidt, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 111, [email protected] DJG/mgo/rio -0-
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April 11, 2011 08:07 ET (12:07 GMT)
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"Ein Vorstandsvorsitzender muss das Vertrauen aller Großaktionäre haben", sagte Lütkestratkötter in einer Telefonkonferenz. Sein Rückzug nach vier Jahren an der Spitze kommt nicht überraschend. Lütkestratkötter hatte sich lange gegen die Hochtief-Übernahme durch den spanischen Großaktionär ACS gewehrt. Jetzt wurde der Vertrag mit Hochtief in beiderseitigem Einvernehmen beendet.
Nachfolger soll mit Ablauf der Hauptversammlung am 12. Mai Frank Stieler werden, der seit gut einem Jahr dem Vorstand angehört und bislang die neue Sparte Hochtief Europe verantwortet. Stieler, daran ließ ACS am Morgen nicht lange Zweifel, ist für die Spanier akzeptabel. "Er hat unsere volle Unterstützung und unser volles Vertrauen", sagte eine Sprecherin. Die Ernennung jetzt "garantiert einen nahtlosen Übergang".
Der scheidende Chef erhält nach eigenen Angaben eine Abfindung von 4,08 Mio EUR und bleibt dem Unternehmen als Berater verbunden. Dass das Verhältnis zum Großaktionär ACS für den Spitzenposten nicht mehr ausreichte, ist offenbar kein Problem. Eine Beratertätigkeit könne man auch ausüben, "wenn kein hundertprozentiges Vertrauensverhältnis zu jedem Großaktionär besteht", sagte Lütkestratkötter. Die Bitte sei vom Konzern an ihn herangetragen worden. Einen Vertrag gebe es aber nicht.
Der Kurs der Hochtief-Aktie kam nach der Gewinnwarnung und der Ankündigung des Rückzugs von Lütkestratkötter erheblich unter Druck. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass ACS die Kursschwäche dazu nutzen wird, sich bei Hochtief die Mehrheit zu sichern. "Der angekündigte Rücktritt von Lütkestratkötter zeigt, dass ACS sein Ziel erreicht hat", sagte ein Frankfurter Händler. Ende März lag die ACS-Beteiligung bereits bei etwas mehr als 41%.
Am Montag wurde ferner das Ausmaß der Probleme bei der 55-prozentigen Tochtergesellschaft Leighton bekannt. Der Baukonzern aus Sidney sah sich wegen massiver Probleme mit einzelnen Projekten genötigt, die dritte Gewinnwarnung in kurzer Folge herauszugeben. Statt mit 480 Mio AUD Gewinn vor Steuern wird bis Ende Juni ein Fehlbetrag von 427 Mio AUD anfallen.
Bei Hochtief schlägt diese drastische Kürzung voll ins Ergebnis durch: Das MDAX-Unternehmen rechnet, damit, dass der Vorsteuergewinn nur die Hälfte des Vorjahreswertes von 757 Mio EUR erreicht. Netto sollen 288 Mio EUR bleiben, nachdem bislang das Ziel bei 600 Mio EUR lag.
Nach Angaben von Lütkestratkötter wird das Leighton-Ergebnis vornehmlich von Verlusten beim Straßenprojekt Airport Link in Brisbane, deutlich geringeren Gewinnen beim Bau einer Entsalzungsanlage in Victoria und eine Abschreibung auf die Beteiligung an der Habtoor Leighton Group belastet.
Nach den Überschwemmungen zu Jahresbeginn habe man die Risiken der Projekte in Queensland und in Victoria zu Beginn des Jahres neu und sehr konservativ bewertet. Nach den massiven Abschreibungen gebe es für Leighton nunmehr Erholungspotenzial. Der Buchwert von Al Habtoor wurde um mehr als die Hälfte auf 525 Mio AUD abgeschrieben. Baukonzerne, die im Mittleren Osten tätig sind, haben noch immer mit der geplatzten Immobilienblase in Dubai im Zuge der Finanzkrise zu kämpfen. Projekte wurden storniert, fällige Zahlungen verschoben.
Kein Problem gibt es offensichtlich bei Hochtief Concessions. "Der Verkauf der Sparte Concessions ist in der Spur", sagte Lütkestratkötter. Leighton dagegen reagiert auf die massiven Abschreibungen mit einer Kapitalerhöhung im Volumen von 757 Mio AUD. Daran wird auch Hochtief teilnehmen.
Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Alexander Groschke bleibt dem Essener Konzern gar nichts anderes übrig, als die Kapitalerhöhung in voller Höhe zu zeichnen, wolle man größter Aktionär von Leighton bleiben. Mit einem Volumen von etwa 300 Mio EUR sollte dies für Hochtief allerdings verkraftbar sein.
Die Hochtief-Aktie notiert gegen 14 Uhr mit 9,1% im Minus bei 62,45 EUR.
-Von Matthias Goldschmidt, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 111, [email protected] DJG/mgo/rio -0-
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