Herausforderungen und Chancen: Die deutsche Wirtschaft im Wandel
Die deutsche Wirtschaft befindet sich laut Einschätzung der Dekabank in einer tiefgreifenden Anpassungskrise. Chefvolkswirt Ulrich Kater hebt hervor, dass die geänderte weltwirtschaftliche Situation und mangelnde politische Maßnahmen die wirtschaftlichen Aussichten belasten. Das mittelfristige Wachstumspotential des Bruttoinlandsprodukts habe sich deutlich verringert und liege unter einem halben Prozent. Besonders die Handelsbeschränkungen der USA sowie die gestiegene Konkurrenz aus China tragen zur Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds bei.
Dennoch blickt Kater zuversichtlich auf die Zukunft: Dank umfangreicher staatlicher Förderpakete könnte das Wachstum 2026 auf 0,9 Prozent steigen und 2027 sogar 1,6 Prozent erreichen. Besonders der private Konsum könnte dabei eine tragende Rolle spielen. Für 2025 erwartet Kater allerdings ein geringes Wachstum von lediglich 0,1 Prozent.
Kater warnt jedoch vor der Gefahr einer kurzlebigen Erholung. Viele der schuldenfinanzierten Gelder fließen in den Staatskonsum statt in Investitionen, wodurch die erwarteten positiven Effekte gedämpft werden. Er fordert die Wirtschaft auf, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Hürden wie Überregulierung, mangelnde steuerliche Anreize, hohe Energiekosten und Infrastrukturprobleme erschweren jedoch den wirtschaftlichen Aufbruch.
Trotz dieser Herausforderungen prognostiziert Kater eine stabile Weltwirtschaft mit einem Wachstum von drei Prozent im kommenden Jahr. Die globale Neuausrichtung wird von den USA und China vorangetrieben, die ihre wirtschaftlichen Positionen stärken wollen. Die USA setzen auf Re-Industrialisierung durch Zölle, während China eine führende Rolle in allen Industriebereichen anstrebt, was für Deutschland ein herausforderndes Umfeld bedeutet.
Dekabank erwartet dennoch robuste Kapitalmärkte. Kapitalmarktexperte Joachim Schallmeyer betont die Widerstandsfähigkeit der Märkte in den letzten Jahren und sieht im stabilen globalen Wachstum einen Rückhalt für Unternehmensgewinne und positive Marktentwicklungen. Trotz Blasenrisiken sieht Schallmeyer keine Gefahr für einen Einbruch bei US-Technologieunternehmen. In Europa sind besonders die Chemie- und Automobilbranche unter Druck, jedoch bleibt Schallmeyer optimistisch in Bezug auf die Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft europäischer Unternehmen.

