HBO visiert 2027 für „The Last of Us“ Staffel 3 an – doch die Zukunft ist ungewisser als je zuvor
Die Stille nach dem kontroversen Finale der zweiten Staffel war ohrenbetäubend, doch nun hat HBO-Chef Casey Bloys das Schweigen gebrochen und den Fans einen Fixpunkt in der postapokalyptischen Wüste gegeben: Die dritte Staffel von „The Last of Us“ wird für eine Premiere im Jahr 2027 angepeilt. Eine gefühlte Ewigkeit für alle, die nach dem dramatischen Cliffhanger auf Antworten brennen. Doch hinter dieser scheinbar simplen Jahreszahl verbirgt sich ein erzählerisches Beben, das die Grundfesten der preisgekrönten Serie erschüttern könnte.
Eine letzte Reise oder der Anfang vom Ende?
Die brennendste Frage, die Bloys im Interview mit Variety auf den Tisch legte, ist die nach der Struktur. Ob die verbleibende, gewaltige Geschichte von „The Last of Us Part II“ in eine einzige, überlange finale Staffel gepresst oder auf zwei weitere Seasons aufgeteilt wird, ist noch völlig offen. „Craig Mazin tüftelt noch daran“, so Bloys. Diese Unsicherheit ist der eigentliche Kern der Nachricht. Eine Staffel würde bedeuten, dass das Tempo drastisch anziehen muss, während zwei Staffeln den vielschichtigen Charakterbögen und schockierenden Wendungen den nötigen Raum zum Atmen geben könnten. Die kreative Hoheit liegt allein bei Showrunner Craig Mazin, und die Fans müssen sich gedulden, welchen Pfad er einschlagen wird.
Ein Kapitän verlässt das Schiff
Zusätzliche Brisanz erhält die lange Wartezeit durch den offiziellen Rückzug von Neil Druckmann als Co-Showrunner. Der Schöpfer der Videospielvorlage wird sich voll auf sein nächstes großes Projekt bei Naughty Dog, das Sci-Fi-Epos „Intergalactic“, konzentrieren. Bloys zerstreut jedoch jegliche Sorgenfalten. Druckmanns Beteiligung sei zu Beginn entscheidend gewesen, doch er habe ein „hervorragendes Grundgerüst“ hinterlassen. „Craig ist ein Profi, wir sind in exzellenter Verfassung. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen“, betonte der HBO-Boss. Es ist ein notwendiger Schritt für einen der meistbeschäftigten Kreativköpfe der Spielebranche, aber dennoch ein spürbarer Einschnitt für die Serie.
Das Rätsel der schwindenden Zuschauer
Die lange Pause bis 2027 gibt HBO auch Zeit, das paradoxe Zuschauerverhalten der zweiten Staffel zu analysieren. Während die Staffelpremiere mit 5,3 Millionen Zuschauern einen um 10 Prozent stärkeren Start hinlegte als die erste Season, erlebte das Finale einen herben Dämpfer. Lediglich 3,7 Millionen Zuschauer schalteten ein – weniger als die Hälfte der 8,2 Millionen, die das Finale der ersten Staffel zu einem TV-Ereignis machten. Zwar stieg das Interesse an der ersten Staffel im Vorfeld der zweiten um beeindruckende 150 Prozent, doch der Abwärtstrend im Verlauf der Season ist ein Alarmsignal, das in den Chefetagen von HBO sicherlich für intensive Diskussionen sorgt.
Die Weichen sind also gestellt für eine lange, nagende Wartezeit, an deren Ende eine monumentale Aufgabe steht: Die Serie muss nicht nur eine der komplexesten und emotional verheerendsten Videospiel-Geschichten zu Ende erzählen, sondern auch das Vertrauen und die Aufmerksamkeit des Publikums zurückgewinnen. 2027 wird zeigen, ob „The Last of Us“ sein Erbe zementieren kann oder an der Wucht seiner eigenen Ambitionen zerbricht.


