Haustiere und High-Tech: Zwischen Liebe und Lifestyle
Über die letzten Jahre erfreuten sich Haustiere auf beiden Seiten des Atlantiks wachsender Beliebtheit, angetrieben von den Einschränkungen der Pandemie. Eine US-Umfrage der ASPCA ergab, dass bis November 2021 eines von fünf Haushalten in den USA eine Katze oder einen Hund aufgenommen hatte. Ähnlich verzeichnete Großbritannien laut der Pet Food Manufacturers' Association einen Zuwachs von 3,2 Millionen tierfreundlichen Haushalten.
Ein flexibler Homeoffice-Alltag ermöglichte es vielen berufstätigen Tierhaltern, ihre pelzigen Freunde ausgiebig zu verwöhnen. Doch mit 2025 kehrt Ernüchterung ein, da viele Unternehmen eine Rückkehr an den Arbeitsplatz verlangen. Hinzu kommen steigende Kosten für Tierfutter, Tierarztrechnungen und Versicherung. Diese Entwicklung hat das Phänomen der „Haustierschulden“ hervorgebracht, da viele Besitzer Mühe haben, ihre vierbeinigen Begleiter finanziell zu unterstützen.
Die Pet-Care-Industrie bleibt ein wachsender Wirtschaftszweig, der trotz konjunktureller Unsicherheiten laut Bloomberg weltweit auf 320 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, mit einer Prognose von 500 Milliarden bis 2030. Hier kommt der technologische Fortschritt ins Spiel: Start-ups und etablierte Firmen bringen Produkte auf den Markt, die Hundespaziergänge erleichtern oder den Geräuschpegel im Auto überwachen sollen.
Das Unternehmen Necto führt ein 5G-Dongle für 179 Dollar ein, um Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Auto zu messen, während Minitailz ein Fitness-Tracker für Hunde für 99 Dollar bietet. HomeRunPet hat mit seinem Drybo-Trockner Apparaturen geschaffen, die Tiere bequem zuhause trocknen können. Das britische Startup Moggie präsentiert ein System, das Katzenhalter dabei unterstützt, Krankheiten durch Verhaltensänderungen zu erkennen.
Auch in den USA findet Petlibro mit modernen Futterautomaten und Trinkbrunnen großen Anklang. Ihre Granary-Serie etwa, die Trockenfutter bis zu sechsmal täglich bereitstellt, erfreut sich großer Beliebtheit. Die jüngste Einführung von Petlibro Care bietet einen abonnementbasierten Dienst zur Gesundheitsüberwachung.
Währenddessen verfolgt Ali Ganjavian von Moggie das Ziel, Katzenbesitzern mittels Verhaltensanalyse ein besseres Verständnis für die Gesundheit ihrer Haustiere zu vermitteln. Nathan Maleh hingegen bietet mit Pose Pets Sonnenbrillen für Hunde an - ein modisches Accessoire mit funktionalem Nutzen.
Doch trotz all dieser Innovationen bleibt eine Frage im Raum: Inwieweit sind diese Produkte wirklich im Interesse der Tiere? Kritiker wie die Verhaltensberaterin Lisa Sinnott warnen vor einer übermäßigen Digitalisierung, die die menschliche Gesellschaft in den Vordergrund rückt. Einig sind sich viele darin, dass Technologie eine Ergänzung sein kann, die Mischung aus Pflege und Technik letztendlich aber der Menschlichkeit – sowohl in der Beziehung zu den Tieren als auch zu uns selbst – gerecht werden muss.

