Handelskonflikt mit kolossalen Dimensionen entfesselt – Trumps Zollerhöhung setzt Wirtschaft unter Druck
Mit einem radikalen Schritt hat US-Präsident Donald Trump seinen Plan der länderspezifischen Sonderzölle Realität werden lassen. Pünktlich um Mitternacht amerikanischer Zeit, was 6.01 Uhr hiesiger Zeit entspricht, traten die neuen, deutlich erhöhten Zollsätze für eine Vielzahl von Ländern in Kraft. Die Maßnahme richtet sich insbesondere gegen Staaten, mit denen die USA ein erhebliches Handelsbilanzdefizit verzeichnen. Die individuellen Zollsätze berücksichtigen nicht nur traditionelle Einfuhrabgaben, sondern beinhalten auch diverse nicht-tarifäre Handelshemmnisse.
Bemerkenswert ist, dass Deutschland nicht separat, sondern im Rahmen eines 20-prozentigen Einheitssatzes für die gesamte Europäische Union erfasst wird. Diese Vorgehensweise stößt bei Ökonomen auf Skepsis, da die zugrunde liegenden Berechnungsmethoden als fehlerhaft kritisiert werden. Gegenüber China greift Trump zu drastischeren Mitteln und verhängt erneut höhere Abgaben, als Reaktion auf Chinas Gegenmaßnahmen.
Bereits vorab hatte die Trump-Administration allgemeine Importzölle von zehn Prozent für fast alle Warengruppen eingeführt, ausgenommen sind jedoch bestimmte Waren wie Stahl, Aluminium oder kritische Mineralien, die schon speziellen Zollregelungen unterliegen. Laut Weißem Haus könnten gerade diese Ausnahmen schon bald wieder auf Trumps Zollagenda erscheinen. Angesichts der neuen Zölle telefoniert Trumps Sprecherin Karoline Leavitt rund um die Uhr mit Vertretern von fast 70 Ländern, teils eilten Staatsoberhäupter persönlich nach Washington, um Verhandlungen aufzunehmen.
China steht dabei besonders im Fokus von Trumps Handelsstrategie, den er als "Übeltäter" erklärt hat. Nach Pekings Gegenzöllen in Höhe von 34 Prozent erhöhte die US-Regierung die Zollbelastung auf chinesische Produkte auf satte 104 Prozent. Trotz alledem zeigt sich Trump optimistisch, was die Verhandlungsbereitschaft Chinas betrifft und äußert seine Erwartungen, dass sich baldige Gespräche anbahnen werden.
Auch in puncto EU-Handelsbeziehungen herrscht Spannungsalarm. Die EU bot den USA die Abschaffung aller Industriezölle an, doch Trump fordert dabei mehr amerikanische Energieimporte seitens der EU. Überdies wird innerhalb der EU über reflektierte Gegenmaßnahmen zu den bestehenden US-Zöllen auf europäische Stahl- und Aluminiumprodukte beraten. Die EU plant harte Vergeltungszölle, beginnt jedoch zurückhaltend mit Abgaben von 25 Prozent auf amerikanische Sojabohnen und Kleidung.
Globale Märkte befinden sich in Alarmzustand, ausgelöst durch Trumps aggressiven Schachzug auf dem internationalen Parkett, trotz einer leichten Erholung nach ersten Kursturbulenzen. Man befürchtet, dass ein eskalierender Handelskrieg mit den USA ein Risiko für die weltweite Konjunktur darstellt. Ein angespannter Schlagabtausch entzündet sich selbst im Weißen Haus: Elon Musk bezeichnete Trump's Handelsberater Peter Navarro in Anlehnung auf Differenzen über Tesla als "idiotisch".
Trotz der hitzigen Atmosphäre und wachsender Kritik innerhalb der eigenen Reihen malt Trump optimistische Zukunftsaussichten an die Wand: Ein "goldenes Zeitalter" für die USA stehe bevor. Mit seinen Zollerhöhungen verfolgt er das Ziel, die heimische Produktion zu stärken und ausländische Partner zu Zugeständnissen zu zwingen. Die zusätzlichen Zolleinnahmen sollen dazu beitragen, Trumps Wahlkampfversprechen von Steuersenkungen über Umwege zu finanzieren.

