Gucci schwächelt weiter – Kering rutscht tiefer in die Luxuskrise
Gucci bleibt der wunde Punkt im Portfolio des französischen Luxuskonzerns Kering. Die Umsätze der Hauptmarke fielen im zweiten Quartal um 25 % auf 1,46 Mrd. Euro – das zweite Quartal in Folge mit einem derart starken Rückgang. Damit verfestigt sich der Trend einer tiefgreifenden Krise, die fast zwei Drittel des operativen Gewinns von Kering betrifft.
Auch in der Breite schwächelt das Geschäft. Der Konzernumsatz sank im Quartal um 15 % auf 3,7 Mrd. Euro, alle großen Regionen verzeichneten zweistellige Rückgänge. Yves Saint Laurent verlor 10 % im Jahresvergleich, bei Bottega Veneta und der Brillensparte gab es immerhin ein leichtes einstelliges Wachstum. Der operative Gewinn im ersten Halbjahr sackte um 39 % auf 969 Mio. Euro ab – Gucci allein verlor mehr als die Hälfte.
Noch vor dem Amtsantritt des neuen CEO Luca de Meo zeigt sich die Herausforderung in ihrer vollen Dimension. Der frühere Renault-Chef soll ab September übernehmen, während François-Henri Pinault – Konzernpatriarch und seit 2005 gleichzeitig CEO und Aufsichtsratschef – dann nur noch als Chair fungiert. De Meo muss nicht nur das kriselnde Markenportfolio neu aufstellen, sondern auch das Schuldenproblem angehen: Kering sitzt mittlerweile auf Nettoschulden von 10,5 Mrd. Euro – mehr als viermal so viel wie noch 2022.
Analysten, darunter Luca Solca von Bernstein, sehen in der kommenden Führungsumbildung eine notwendige Weichenstellung. Neben strukturellen Problemen muss de Meo auch strategische Entscheidungen treffen – etwa über die Rückholung der Gucci-Beauty-Lizenz von Coty oder den möglichen Erwerb der restlichen 70 % von Valentino, die aktuell beim katarischen Fonds Mayhoola liegen.
Kering hat mit seiner früheren Zugmarke Gucci massiv an Strahlkraft verloren – ein Rückgang, der bereits 2021 begann. Der Markt reagierte zuletzt empfindlich: Die Aktie stürzte im März zweistellig ab, nachdem Balenciaga-Designer Demna Gvasalia überraschend als Kreativdirektor angekündigt wurde. Der Designer soll die erste Kollektion erst 2026 präsentieren – zu spät, um den Kurs kurzfristig zu drehen.
Kering bleibt im Schatten der Konkurrenten LVMH und Richemont – und damit unter Zugzwang. In einem Umfeld, in dem die globale Luxusnachfrage zurückgeht, setzt der Markt langfristige Vision und operative Effizienz voraus. Bislang bleibt beides offen.

