Großmanöver Quadriga: Bundeswehr startet größte Übung deutscher Landstreitkräfte seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, betont die besondere Verantwortung Deutschlands in der Nato vor dem Beginn des Großmanövers Quadriga. "Deutschland ist das Rückgrat der Verteidigung Europas", so Breuer. Die Übung Quadriga soll einen wichtigen Beitrag zur Kriegstüchtigkeit leisten und das Ziel verfolgen, einen potenziellen Gegner abzuschrecken.
Mehr als 12.000 Männer und Frauen der Bundeswehr, hauptsächlich aus dem Deutschen Heer, werden an der Übung beteiligt sein. Es handelt sich dabei um die größte Übung deutscher Landstreitkräfte seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die beteiligten Soldaten trainieren Alarmierung, Verlegung an die Außengrenzen der Nato im Nordosten und Südosten sowie das Gefecht.
Vor dem Hintergrund wachsender Warnungen, dass Russland in einigen Jahren den Bündniswillen der Nato herausfordern könnte, ist die Abschreckung gemeinsam mit dem Trainingseffekt ein Hauptziel der Übung. Die deutsche Übung Quadriga ist ein Teil des Nato-Großmanövers "Steadfast Defender", für das insgesamt rund 90.000 Soldaten mobilisiert werden.
Die fünf Monate dauernde Übung Quadriga umfasst vier größere Stoßrichtungen, darunter die Verlegung nach Norwegen ("Grand North") und in den Südosten des Bündnisses ("Grand South"). Auch mehrere hundert Spezialkräfte der Bundeswehr sind mit der Übung unter dem Namen "Silver Dagger" beteiligt. Der Schwerpunkt liegt im April und Mai beim Übungsteil "Grand Quadriga", bei dem die 10. Panzerdivision Soldaten mit Gefechtsfahrzeugen nach Litauen verlegt und dort ihre Kampffähigkeiten demonstriert.
Um nach Litauen zu gelangen, stehen den deutschen Soldaten zwei Transportwege zur Verfügung. Der erste führt über die Ostsee per Schiff und anschließend auf dem Landweg durch die sogenannte Suwalki-Lücke, einen schmalen Korridor im Grenzgebiet zwischen Litauen und Polen. Der zweite Transportweg liegt auf dem Landweg und führt ebenfalls durch die Suwalki-Lücke. Die baltischen Nato-Partner befürchten, dass dieser Korridor bei einer russischen Aggression blockiert werden könnte.
Bei ihrer Verlegung aus Deutschland ins Baltikum umfassen die Nato-Truppen das Kaliningrader Gebiet wie in einer Zangenbewegung. Dabei stellen die etwa 3.000 Soldaten keine Bedrohung dar, aber militärische Übungsszenarien werden auch als Botschaften interpretiert. Im Vergleich dazu hat Russland in den letzten Jahren weitaus größere Übungen durchgeführt.
Carsten Breuer, Deutschlands ranghöchster Soldat, sagte bei der Übungsserie: "Wir führen zum ersten Mal in einer Übung die Verteidigung der Nato-Ostflanke mit der Rolle Deutschlands als Dreh- und Angelpunkt für die Verteidigung Europas zusammen." Er betonte auch, dass die Verlegung von Truppen zum militärischen Kerngeschäft gehöre und dass die Bundeswehr in den kommenden Jahren vermehrt Großübungen mit den Alliierten, auch in Deutschland, durchführen werde.
Der ehemalige US-General Ben Hodges wies in der vergangenen Woche auf erhebliche Defizite hin, was die Fähigkeit des Bündnisses zur schnellen Verlegung von Truppen betrifft. Beim Symposium zum neuen deutschen Verteidigungsplan der Bundeswehr erklärte Hodges, dass es nicht genügend Züge für den Militärtransport gebe. Es gebe derzeit Kapazitäten für den Transport von lediglich eineinhalb Panzerbrigaden. Hodges betonte jedoch, dass alle Pläne eine gleichzeitige Verlegung von acht, neun oder zehn Panzerbrigaden in Europa erfordern würden.
Quelle: Handelsblatt (eulerpool-AFX)

