Gewinnwarnung und Führungswechsel bei Novo Nordisk setzen Anleger unter Druck
Novo Nordisk hat mit einer überraschenden Gewinnwarnung rund 60 Mrd. Euro an Börsenwert eingebüßt und zeitgleich einen Führungswechsel verkündet: Der bisherige Topmanager Maziar Mike Doustdar übernimmt den Vorstandsvorsitz von Lars Fruergaard Jørgensen. Auslöser des Schocks ist der anhaltende Verlust von Marktanteilen im lukrativen Geschäft mit Abnehmmedikamenten, wo US-Rivale Eli Lilly deutlich die Nase vorn hat.
Zwar war Novo mit Ozempic (2017) und Wegovy (2021) früh im Markt. Doch neue Daten zeigen, dass Lillys Mounjaro und Zepbound mittlerweile in den USA häufiger verschrieben werden. Laut Iqvia kam Mounjaro zuletzt auf wöchentliche 622.000 Verschreibungen – mehr als Ozempic. Zudem berichten Ärzte von weniger Nebenwirkungen bei Lillys Präparaten.
Analysten sprechen offen vom „Verlust des Narrativs“. Novo habe sich zu sehr auf ein vermeintlich überlegenes Produktprofil verlassen und dabei versäumt, das veränderte Marktumfeld in den USA zu adaptieren. Dort spielen heute Direktvertrieb, Prominente und Patienteninitiativen eine größere Rolle als klassische Arzt-Patienten-Interaktion.
Lilly erkannte diesen Wandel früher und reagierte mit der Plattform LillyDirect, die Medikamente direkt an Patienten vertreibt. Novo zog erst im März mit NovoCare nach. Zudem kämpfte der dänische Konzern lange mit Lieferengpässen, wodurch viele Patienten zur Konkurrenz wechselten – und nicht zurückkamen.
Strategisch fiel Novo auch durch eine breite internationale Rollout-Strategie auf, obwohl die Versorgung im US-Heimatmarkt noch nicht gesichert war. Dazu kamen überhöhte Erwartungen an das nächste Flaggschiff CagriSema, das in Studien „nur“ 23 % Gewichtsverlust erreichte – weniger als die angekündigten 25 %. Die Aktie reagierte im Dezember empfindlich.
Während Lilly ein Portfolio aus verschiedenen Wirkstoffen aufbaut – auch eine Abnehmpille steht kurz vor der Marktreife –, setzt Novo stark auf die semaglutidbasierte Pipeline. Zwar wurde mittlerweile eine orale Variante zur Zulassung eingereicht, doch deren Einnahmebedingungen gelten als kompliziert.
Dass CEO Doustdar nun nicht nur Forschung und Produktion, sondern auch die kommerzielle Strategie neu ausrichten muss, ist klar. Die Partnerschaft mit CVS Caremark – Wegovy ist dort nun das bevorzugte Produkt – ist ein erster Schritt, reicht aber nicht aus, um das Vertrauen des Kapitalmarkts zurückzugewinnen.
Mit Blick auf die nächsten Quartale steigt der Druck, bei Entwicklung und Marktzugang wieder auf Augenhöhe mit Lilly zu kommen. Denn neue Wettbewerber wie Roche, Amgen und AstraZeneca stehen bereits in den Startlöchern.


