Gesundheitswesen unter Druck: Warten auf den Facharzt

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen. Laut einer aktuellen Umfrage des Krankenkassen-Spitzenverbands muss jeder vierte gesetzlich Versicherte länger als einen Monat auf einen Facharzt-Termin warten. Diese langen Wartezeiten empfinden 30 Prozent der Befragten als unangemessen.
Eine beschleunigte Terminvergabe mit vorangehender Hausarztkonsultation ist nun Teil der politischen Diskurse. Der Krankenkassenverband fordert entschieden ein Einschreiten der politischen Akteure und flexible Öffnungszeiten in den Praxen. Verbandsvize Stefanie Stoff-Ahnis appelliert eindringlich an die Politik, gesetzliche Änderungen einzuführen, die eine patientenfreundlichere Versorgung realisieren.
Ein zentrales Anliegen ist die Gleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten bei der Terminvergabe. Dem gegenüber stehen Hausarztpraxen, in denen die Wartezeiten deutlich kürzer sind: Ein Viertel der Patienten besucht diese sogar ohne vorherige Terminvereinbarung.
Dennoch gibt es auch hier Verbesserungsbedarf, insbesondere in der Digitalisierung der Terminvergabe. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert von den Kassenärztlichen Vereinigungen, sich stärker in die Kontrolle der Erreichbarkeit der Praxen einzumischen. Online-Buchungen bleiben weiterhin eine Seltenheit, trotz der digitalen Möglichkeiten.
Lediglich eine Minderheit der Patienten nutzt bisher Online-Methoden zur Terminvereinbarung. Im politischen Raum unterstützt Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi die Ankündigung der Koalition, die Terminvergaben zu verbessern. Hierbei steht das Prinzip "Hausarzt zuerst" im Vordergrund, um eine effizientere Weiterleitung an Fachärzte zu gewährleisten. Innerhalb von vier Wochen sollen die Patienten einen Facharzt-Termin oder auch eine Alternative im Krankenhaus erhalten können. Im Koalitionsvertrag zeigen sich bereits erste Ansätze für diese zeitgemäße Umstrukturierung im Gesundheitswesen.

