Die Lage im Überblick

Gespräche in Katar - Geiselangehörige drängen auf Gaza-Deal

12. Januar 2025, 04:58 Uhr · Quelle: dpa
Die indirekten Verhandlungen über einen Geisel-Deal und ein Ende des Krieges gehen weiter. Ein Durchbruch ist nicht in Sicht. In Saudi-Arabien treffen sich Außenminister zu einer Syrien-Konferenz.

Tel Aviv/Riad (dpa) - Während die Menschen im Gazastreifen und die Angehörigen der von der Hamas entführten Geiseln auf einen Durchbruch bei den Gaza-Verhandlungen in Katar hoffen, geht der Krieg vorerst weiter. Bei israelischen Luftangriffen sollen nach Angaben des von der islamistischen Hamas kontrollierten Zivilschutzes am Samstag mindestens 20 Menschen im Gazastreifen getötet worden sein. 

In Israel demonstrierten unterdessen am Abend erneut Tausende für ein Abkommen über eine Freilassung der Geiseln und ein Ende des Kriegs. Bei einer Kundgebung in Tel Aviv forderte auch der Freund eines kürzlich tot im Gazastreifen gefundenen Entführungsopfers einen Deal mit der Hamas. Die Angehörigen der übrigen Geiseln sollten nicht auch Särge umarmen müssen, sagte Masen Abu Siam, ein arabischer Israeli. 

Sein 53 Jahre alter Freund und dessen 22-jähriger Sohn waren vor wenigen Tagen tot in einem Tunnel im Gazastreifen entdeckt worden. Die beiden Männer, die zu einer Beduinengemeinschaft gehören, wurden am 7. Oktober verschleppt und laut Armee in der Gefangenschaft der Hamas getötet. Der Gaza-Krieg habe auf beiden Seiten zu viel unnötigem Blutvergießen geführt, betonte der Freund des Vaters in Tel Aviv.

Tote bei Angriffen im Gazastreifen

Im Gazastreifen gehen die Angriffe unterdessen unvermindert weiter. Bei mehreren israelischen Bombardements in der Stadt Gaza seien am Samstag mindestens neun Palästinenser getötet worden, sagte ein Sprecher des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes der Deutschen Presse-Agentur. 

Bei einem Luftschlag auf ein ehemaliges Schulgelände in Dschabalija im nördlichen Gazastreifen wurden den Angaben zufolge zudem mindestens acht Menschen getötet und mehrere verletzt. Nach Darstellung der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa waren auf dem getroffenen Gelände geflüchtete Familien untergebracht. Ein israelischer Armeesprecher teilte mit, bei dem Luftangriff einen Kommandoposten der Hamas zerstört zu haben. Angaben über getötete oder verletzte Hamas-Kämpfer oder andere Opfer gab es von israelischer Seite nicht. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Im nördlichen Gazastreifen kamen Armeeangaben zufolge zugleich vier israelische Soldaten ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt.

Forum der Geiselfamilien sieht «historische Gelegenheit» für Deal

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beschloss am Abend nach Angaben seines Büros, eine Spitzendelegation zu den Verhandlungen über eine Waffenruhe und die Geisel-Freilassung zu schicken. So sollen unter anderem der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, sowie der Chef des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, Ronen Bar, in Katars Hauptstadt Doha reisen. Das Forum der Geiselfamilien sprach von einer «historische Gelegenheit», die Freilassung der Entführten zu erreichen.

Auch der designierte US-Präsident Donald Trump drängt Berichten zufolge auf einen raschen Deal noch vor seinem Amtsantritt am 20. Januar. Trumps Kandidat für das Amt des US-Gesandten für den Nahen Osten, Steve Witkoff, habe Netanjahu dies bei einem Treffen am Samstag mitgeteilt, berichteten israelische Medien.

Bericht: Armee genehmigt Pläne für raschen Truppenabzug aus Gaza

Die israelische Zeitung «Haaretz» berichtete unterdessen, Israels Armee habe Pläne für einen schnellen Truppenabzug aus großen Teilen des Gazastreifens genehmigt. Sie sei in der Lage, jede von der politischen Führung genehmigte Vereinbarung umzusetzen, hieß es weiter. Die Hamas pocht auf einen Abzug des israelischen Militärs aus dem Gazastreifen. Berichten zufolge zeigt sie inzwischen aber Flexibilität bei der Umsetzung dieser Forderung. Der Abzug soll demnach schrittweise erfolgen.

Berichte über Siedlerüberfälle im Westjordanland

Die Lage im Westjordanland bleibt derweil angespannt. Bei Angriffen israelischer Siedler in zwei Dörfern im nördlichen Westjordanland sollen am Samstag mehrere Menschen verletzt worden sein, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete. Die palästinensischen Anwohner versuchten demnach, die Siedler abzuwehren. Dabei sei es auch zu Zusammenstößen mit der israelischen Armee gekommen.

Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Israels Armee sagte auf Anfrage, es habe in beiden Fällen «eine gewaltsame Auseinandersetzung» zwischen Israelis und Palästinensern gegeben. Israelische Sicherheitskräfte hätten diese beendet. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Nach einem Anschlag mit drei getöteten Israelis im nördlichen Westjordanland zu Beginn der Wochen häufen sich die Berichte über Übergriffe israelischer Siedler auf palästinensische Bewohner. 

Israelische Siedler wollen Delegation zu Trumps Amtseinführung senden

Eine Dachorganisation für die Selbstverwaltung israelischer Siedlungen im Westjordanland teilte unterdessen mit, eine Delegation zur Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump nach Washington schicken zu wollen. Während des Besuchs werde die Delegation einen Brief «als Ausdruck ihrer Wertschätzung übergeben», schrieb der Jescha-Rat auf Facebook.

Der Jescha-Rat sei zu der Veranstaltung eingeladen worden, sagte ihr Vorsitzender Israel Ganz dem rechtsreligiösen Nachrichtenportal «Arutz Sheva» zufolge. «Die Einladung, die wir von der Regierung erhalten haben, spiegelt die gemeinsamen Werte Israels, der Siedlungen und der USA wider, die auf biblischen Prinzipien beruhen», zitierte ihn das Portal.

Trump wird am 20. Januar als Präsident vereidigt. Er hatte im Wahlkampf angedeutet, die US-Außenpolitik stärker auf die Interessen Israels ausrichten zu wollen. Er gilt als Unterstützer der politischen Rechten in Israel, die den Siedlungsbau der israelischen Regierung im Westjordanland vorantreibt. 

Israel schießt auf Verdächtige in libanesischem Grenzgebiet

Die israelische Luftwaffe hat nach Angaben der Armee auf drei Verdächtige im israelisch-libanesischen Grenzgebiet geschossen. Die drei hätten sich in der Gegend von Har Dov im Libanon in Richtung des israelischen Territoriums bewegt, teilte das israelische Militär am Samstagabend mit. Har Dov, auch als Scheeba Farmen bekannt, liegt ganz im Norden der israelisch besetzten Golanhöhen. 

Man handle jedoch weiterhin im Einklang mit der Waffenruhe zwischen den beiden Ländern, betonte das Militär in der Mitteilung. Die Armee bleibe im Süden des Libanon stationiert und werde gegen jede Bedrohung für den Staat Israel und seine Bürger vorgehen.

Baerbock reist zu Syrien-Konferenz nach Saudi-Arabien

Um die Lage und die Zukunft Syriens nach dem Fall von Machthaber Baschar al-Assad geht es derweil bei einer Konferenz in Saudi-Arabien am Sonntag. Dazu reist auch die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in die saudische Hauptstadt Riad. An der Außenministerkonferenz nehmen nach Angaben des Auswärtigen Amts Vertreter wichtiger Staaten der Region, westlicher Länder sowie der Vereinten Nationen teil.

Die Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) hatte Syriens Langzeitmachthaber Assad Anfang Dezember nach einer Blitzoffensive gestürzt und führt nun mit einer Übergangsregierung das Land.

Konflikte / Krieg / Nahost / Palästinensische Gebiete / Israel / Libanon / USA / Katar / Syrien
12.01.2025 · 04:58 Uhr
[0 Kommentare]
US-Präsident Trump
Miami/Teheran (dpa) - Inmitten heftiger israelischer Angriffe auf den Iran hat US-Präsident Donald Trump überraschend ein baldiges Ende des Krieges ins Spiel gebracht. «Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet. Sie haben keine Marine, keine Kommunikationssysteme, sie haben keine Luftwaffe», zitierte ihn der US-Sender CBS News nach einem […] (01)
vor 18 Minuten
Franz Ferdinand
(BANG) - Franz Ferdinand haben die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) scharf kritisiert, nachdem ihr Hit 'Take Me Out' ohne Genehmigung in einem neu veröffentlichten Militärvideo verwendet wurde, das jüngste Angriffe im Iran bewirbt. In dem Clip läuft der Song aus dem Jahr 2004 über Aufnahmen von Kampfjets, Explosionen und einem israelischen […] (02)
vor 14 Stunden
Apple
Berlin (dpa) - Die deutsche Medien- und Werbewirtschaft möchte Apple die App-Tracking-Abfrage auf iPhones in Deutschland durch das Bundeskartellamt untersagen lassen. Die Vorschläge von Apple im Rahmen des Missbrauchsverfahrens des Bundeskartellamtes seien nicht geeignet, die von den Kartellbehörden festgestellten Wettbewerbsprobleme im mobilen […] (01)
vor 1 Stunde
FATAL FRAME 2: Crimson Butterfly REMAKE im Test: Ein Zwilling kommt selten allein
FATAL FRAME 2: Crimson Butterfly REMAKE ist, wie der Name schon sagt, eine Neuauflage des beliebten Spiels Project Zero 2: Crimson Butterfly von 2003. Die Fatal Frame, oder in der EU lange bekannt als Project Zero, erfreute sich bei vielen Horror-Fans großer Beliebtheit. Irgendwann wurde es allerdings recht ruhig um die Reihe, nachdem die Titel […] (00)
vor 5 Stunden
«Only Margo»: Apple TV zeigt Trailer zur neuen Serie von David E. Kelley
Die neue Dramedyserie mit Elle Fanning in der Hauptrolle startet Mitte April beim Streamingdienst Apple TV. Der Streamingdienst Apple TV hat den Trailer zur neuen Dramedyserie Only Margo (Originaltitel: «Margo’s Got Money Troubles») veröffentlicht. Die achtteilige Produktion stammt vom mehrfachen Emmy-Preisträger David E. Kelley und wird am 15. April 2026 mit den ersten drei Episoden starten. […] (00)
vor 7 Stunden
Iran-Krieg - Irans Fußballerinnen
Gold Coast (dpa) - Fünf iranische Fußballerinnen sind nach der Zusage humanitärer Visa in Australien vor Freude in Jubel ausgebrochen. Australiens Innenminister Tony Burke berichtete, die Spielerinnen hätten in den frühen Morgenstunden an einem geheim gehaltenen Ort in Brisbane mit dem beliebten australischen Schlachtruf «Aussie, Aussie, Aussie» […] (00)
vor 20 Minuten
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Globale Spannungen, insbesondere der Konflikt zwischen Iran und den USA, haben die Kryptomärkte erschüttert und Investoren dazu veranlasst, Risiken zu meiden. „Periods like this are generally not favorable for risk-taking, and this can be clearly observed in the sharp decline of Bitcoin’s Estimated Leverage Ratio on Binance,“ sagte der CryptoQuant- […] (00)
vor 36 Minuten
Erzähl mir was! Rundgang für Menschen mit Demenz und ihre Begleitpersonen
Mainz, 09.03.2026 (lifePR) - Wir laden zu einem kostenlosen Rundgang für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ein. Im Sinne der teilhabe-orientierten Vermittlung stehen die Geschichten und Assoziationen der Besucher*innen im Mittelpunkt. Das sinnliche Erleben und die Freude an Kunst geht nicht verloren, auch wenn es Menschen zunehmend schwerer […] (00)
vor 13 Stunden
 
Tabletten (Archiv)
Berlin - Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will mit einem neuen […] (00)
Heilung für Arthrose? Abnehmspritzen lassen im Versuch Gelenkknorpel nachwachsen
Gelenkknorpel halten im Laufe des Lebens sehr viel aus. Mit den Jahren degenerieren […] (00)
Landtagswahl in Baden-Württemberg
Stuttgart (dpa) - Dass Grüne und CDU in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren […] (00)
Iran-Krieg - Israel
Tel Aviv (dpa) - Im Nordwesten der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist am […] (00)
Bewähren sich Camping und Garten-DIY?
Der VOX-Vorabend setzt seit der Vorwoche auf Die Garten-Soap und zuvor das volle Programm […] (00)
Schneeschuh-Wandern
Neustift im Stubaital (dpa) - Ein Wintersportler aus dem Raum Stuttgart ist in den […] (01)
Ghostbusters-Star Jennifer Runyon
(BANG) - Die 'Ghostbusters'-Darstellerin Jennifer Runyon ist im Alter von 65 Jahren […] (01)
Falcom zeigt erste Details zu Trails in the Sky 2nd Chapter
Der japanische Entwickler Nihon Falcom hat die offizielle Webseite zu Trails in the […] (00)
 
 
Suchbegriff