Gesellschaftlicher Weckruf: Suchtbeauftragter fordert altersgerechte Zugangsregeln für soziale Medien
In der Debatte um den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen schlägt Hendrik Streeck, der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Alarm. Mit seiner eindringlichen Forderung nach 'strikt abgestuften Altersvorgaben für soziale Medien' möchte er der steigenden digitalen Mediensucht entgegenwirken und auf die Gefährdung durch deren unkontrollierten Konsum hinweisen. Forschungsergebnisse zeigen, dass der Konsum nicht altersgemäßer Inhalte mit einer erhöhten Anfälligkeit für riskantes Verhalten und problematischen Drogenkonsum einhergeht, so der CDU-Politiker in einem Gespräch mit der 'Rheinischen Post'. Diesem dringlichen Thema widmet sich zudem eine Kommission, die laut Streeck von Bundesfamilienministerin Karin Prien einberufen wurde.
Streeck zieht Parallelen zur 'Verhaltenssucht', die er bei vielen Kindern feststellt. Durchschnittlich verbringen junge Menschen täglich beachtliche vier Stunden in sozialen Netzwerken, zwei Stunden mit Computerspielen und nochmals zwei Stunden vor Streamingdiensten. Diese Zahlen werfen Fragen auf, ob und wie die verbleibende Freizeit optimal für die Entwicklung sozialer, motorischer und sensorischer Fähigkeiten genutzt wird – insbesondere bei Kindern, die sogar noch mehr Zeit online verbringen. Die Frage, wann diese Kinder Erholung und Schlaf finden, bleibt drängend.
Dennoch warnt Streeck vor pauschalen Handyverboten, selbst für Grundschüler. Als Virologe, der während der Corona-Pandemie Bekanntheit erlangte, betont er: 'Die Dosis macht das Gift.' Anstatt strikter Verbote fordert er ein ausgewogenes Verhältnis, wobei die Verantwortung primär bei den Eltern und den Kindern selbst liegt. Die Tatsache, dass 42 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen bereits über ein TikTok-Konto verfügen, während die Plattform erst ab 16 Jahren uneingeschränkt genutzt werden sollte und zudem Inhalte enthält, die für Kinder ungeeignet sein können, betrachtet er mit Sorge.
In diesem Kontext spricht sich der Sozialverband Deutschland für die Einführung eines verpflichtenden Schulfachs 'Medienkompetenz' aus. Vorsitzende Michaela Engelmeier betont die Notwendigkeit, Kinder nicht schutzlos den Gefahren der digitalen Welt auszusetzen, insbesondere jene, deren Elternhaus vorab keine digitale Vorbildung bieten kann. Digitale Desinformation, demokratiefeindliche Hetze und KI-generierte Inhalte stellen erhebliche Gefahren dar, denen laut Engelmeier mit gezielter Aufklärung und Einordnung entgegengewirkt werden muss.

