Gerresheimer verschiebt Jahresabschluss: Bilanzierungsfehler belasten die Prognose

Der Verpackungsspezialist Gerresheimer sieht sich mit Bilanzierungsproblemen konfrontiert, die die Veröffentlichung des Jahres- und Konzernabschlusses 2025 verzögern. Interne Hinweise führten dazu, dass das SDax-Unternehmen in Zusammenarbeit mit seinem Abschlussprüfer zusätzliche Untersuchungen in Auftrag gab. Diese fokussieren sich auf die Umsatzerfassung und -bilanzierung der Geschäftsjahre 2024 und 2025.
Nach ersten Erkenntnissen kam es durch Verstöße von Mitarbeitenden gegen interne Richtlinien zu Korrekturen im Konzernabschluss. Dies betrifft insbesondere die Umsatzrealisierung sowie die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten. Gerresheimer zieht bereits personelle und organisatorische Konsequenzen und forscht weiter nach Ursachen und Verantwortlichkeiten.
Das Geschäftsjahr 2024 ist nun von einem um etwa 35 Millionen Euro zu hoch ausgewiesenen Umsatz beeinträchtigt. Von dieser Summe betreffen bereits erkennbare 17 Millionen Euro das aktuelle Jahr. Zudem fiel das bereinigte Ebitda um 24 Millionen Euro niedriger aus als zunächst angenommen. Auch für 2025 erwartet das Unternehmen eine Anpassung: der Umsatzrückgang wird am oberen Ende der Prognosespanne liegen. Die erwartete Ebitda-Marge wird nach unten korrigiert, von vorher 18,5 bis 19,0 Prozent auf nun 16,5 bis 17,5 Prozent.
Die bereinigte EPS soll zudem im hohen zweistelligen Prozentbereich fallen, möglicherweise sogar ins Negative. Man rechnet zudem mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, insbesondere durch Entwicklungen bei Sensile Medical in der Schweiz und Gerresheimer Moulded Glass Chicago.
Inmitten dieser Herausforderungen plant Gerresheimer den Verkauf seiner US-Tochter Centor noch in diesem Jahr. Der Verkaufsprozess für das Moulded-Glass-Geschäft wird allerdings vorerst auf Eis gelegt. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet der Konzern trotz eines schwierigen Starts wieder anziehendes Geschäft und höhere Margen, gestützt durch ein stabiles bis wachsendes Umfeld im Pharma- und Kosmetikmarkt.
Geplant ist ein Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro ohne Zu- und Abgänge und eine Ebitda-Marge von 18 bis 19 Prozent. Der Zahlungsmittelzufluss soll moderat positiv ausfallen. Analysten von Bloomberg prognostizieren im Schnitt rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz und eine operative Marge von 19,2 Prozent.

