Prozess in Norwegen

Gefängnis für den «Bonus-Prinzen»? Fall Høiby vor dem Finale

15. März 2026, 05:00 Uhr · Quelle: dpa
Prozess gegen Marius Borg Hoiby
Foto: Ane Hem/NTB/dpa
Marius Borg Høiby steht unter anderem wegen Vergewaltigung in Oslo vor Gericht. (Archivbild)
Verstörende Details, emotionale Aussagen und viele Tränen: Sechs Wochen lang wurden die Vorwürfe gegen den Sohn von Norwegens Kronprinzessin vor Gericht aufgearbeitet. Nun starten die Plädoyers.

Oslo (dpa) - Vergewaltigungs-Vorwürfe, heimliche Videos, Wutausbrüche und wüste Beschimpfungen: Der Prozess gegen Marius Borg Høiby hat Norwegen in den vergangenen sechs Wochen aufgewühlt. Ex-Freundinnen berichten von Eifersucht, Gewalt und Angst in ihren Beziehungen zu dem norwegischen «Bonus-Prinzen». Die Plädoyers stehen in den kommenden Tagen an – und die Frage steht im Raum: Wie hart fällt das Urteil für den Stiefsohn von Kronprinz Haakon aus? Ein Rückblick auf die Verhandlungswochen in Oslo. 

Was wird Høiby vorgeworfen?

Høiby ist in 40 Punkten angeklagt, darunter sind vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht. In drei Fällen soll er die mutmaßlichen Opfer im Geschlechtsbereich berührt haben, während sie schliefen. In einem Fall - der schwersten Anschuldigung - soll er Geschlechtsverkehr mit der Frau gehabt haben. Außerdem soll er die mutmaßlichen Opfer ohne deren Wissen dabei gefilmt und fotografiert haben.

Die Hälfte der Anklagepunkte gegen den 29-Jährigen bezieht sich auf eine Ex-Freundin, die norwegische Medien die «Frogner-Frau» nennen. Ein Vorfall in ihrer Wohnung hatte die Ermittlungen gegen Høiby im August 2024 ins Rollen gebracht. Dort soll er die Frau unter anderem gewürgt, einen Kronleuchter von der Decke gerissen und ein Messer in die Wand gefeuert haben.

Die Beziehung des Paars war geprägt von Eifersucht, Beschimpfungen und Høibys Wutausbrüchen, aber laut der Aussage beider Seiten auch von tiefer Liebe. Bis zuletzt kamen Høiby und die «Frogner-Frau» nicht voneinander los. In den Monaten vor Prozessbeginn sahen sie sich trotz eines Kontaktverbots ständig. Zum Valentinstag schickte Høiby der Frau aus der U-Haft über einen Freund Blumen. Das gab der 29-Jährige während des Prozesses zu. 

Wer sind die anderen mutmaßlichen Opfer?

Neben der Frau haben im Laufe der vergangenen Wochen eine weitere Ex-Freundin - eine Influencerin - und mehrere One-Night-Stands gegen Høiby ausgesagt.

Die Influencerin und der Norweger führten zwischen 2022 und 2023 eine stürmische Beziehung und lebten auch zusammen. In dieser Zeit soll Høiby die Frau mehrfach gewürgt, ihr gedroht, sie getreten, mit Gegenständen geworfen und sie angeschrien haben. «Es fühlt sich an, als stünde ein Pitbull direkt vor dir», sagte die Frau laut der Zeitung «Verdens Gang».

Eine frühere Bekannte soll der Sohn von Mette-Marit 2018 in der Residenz des Kronprinzenpaares im Genitalbereich berührt und gefilmt haben, während sie nach eigener Aussage einen Blackout hatte.

Ein anderes mutmaßliches Opfer soll der norwegische «Bonus-Prinz» im Surfurlaub mit seinem Stiefvater Kronprinz Haakon auf den Lofoten kennengelernt haben. Dort soll er im Oktober 2023 mehrfach einvernehmlich Sex mit ihr gehabt haben, bevor er sie im Schlaf vergewaltigt haben soll.

Das dritte mutmaßliche Vergewaltigungsopfer nach norwegischem Recht lernte Høiby im März 2024 bei einer Afterparty in Oslo kennen. In der Wohnung der Frau sollen die beiden erst einvernehmlich Sex gehabt haben. Danach soll der Norweger die Frau im Genitalbereich berührt und im Schlaf gefilmt haben. 

Im November 2024 - Monate nach seiner ersten Festnahme - soll Høiby schließlich eine Frau in einem Hotelzimmer in Oslo - ebenfalls nach einvernehmlichem Sex - im Intimbereich berührt und gefilmt haben, während das mutmaßliche Opfer schlief. Die Ermittler fanden 27 Videos aus der Nacht.

Wie lief der Prozess ab?

Sechs Wochen lang wurden alle Vorwürfe gegen Høiby Fall für Fall teils sehr detailliert aufgearbeitet. Stundenlang wurden mehr als 800 SMS vorgelesen, Freunde, frühere Nachbarn, Eltern, Geschwister, ein Schlafforscher, Psychologen, Ärzte, Ermittler und andere Zeugen befragt. In jedem neuen Fall kamen zunächst die mutmaßlichen Opfer zu Wort. Danach erzählte Høiby jeweils seine Version der Dinge.

Zum Schluss des Prozesses ging es um die weniger schweren Vergehen - etwa um zu schnelles Fahren und darum, dass der 29-Jährige Polizisten einen Stinkefinger gezeigt haben soll. Für einen Dealer soll Høiby 3,5 Kilogramm Marihuana transportiert haben. 

Wie hat der Sohn der Kronprinzessin sich vor Gericht gezeigt?

Høiby hat im Prozess zwei Dinge immer wieder betont: wie sehr er sich von den Medien seit seiner Kindheit verfolgt fühle und wie er darunter leide, dass er in der Öffentlichkeit stehe, ohne es sich selbst ausgesucht zu haben. Mehrfach sagte der 29-Jährige unter Tränen aus, wenn es um seine Kindheit und ungewollte Prominenz ging. Während er einige Anklagepunkte zugegeben hat, zum Beispiel Fälle von häuslicher Gewalt, bestreitet er die schwersten Vorwürfe - die der Vergewaltigung nach norwegischem Recht - vehement.

An manchen Stellen zeigte der Norweger Reue vor allem über die Art und Weise, wie er mit Ex-Freundinnen umgegangen ist. An anderen Stellen verstrickte er sich in teils widersprüchlichen Aussagen oder gab an, sich aufgrund von Alkohol- oder Drogenrausch nicht erinnern zu können. Anhand der Vorwürfe zeichnet sich ein Bild von einem Mann, der seine Gefühle schwer kontrollieren kann und schnell aus der Haut fährt. Vor Gericht wirkte Høiby dagegen zwar emotional, aber überwiegend gefasst und antwortete meist ruhig und deutlich auf die Fragen. 

Hat die norwegische Königsfamilie im Prozess ausgesagt?

Nein. Obwohl vor allem Høibys Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, und sein Stiefvater Haakon durchaus Licht in so manches Prozess-Dunkel hätten bringen könnten, fiel die ganze Königsfamilie durch Abwesenheit auf - mit Ansage. Das Kronprinzenpaar hatte im Vorfeld erklärt, man werde sich nicht zu dem Verfahren äußern und auch nicht auf der Zuschauerbank Platz nehmen. Das Königshaus hat derzeit mit dem Skandal um Mette-Marits Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auch noch andere Probleme. 

Wie geht es jetzt weiter?

In der letzten Prozesswoche halten ab Montag (16. März) Staatsanwaltschaft, Kläger-Anwälte und Høibys Verteidiger ihre Plädoyers. Beobachter gehen davon aus, dass Høiby um eine Haftstrafe nicht herumkommt - allein für die Taten, die er eingeräumt hat. Wie viele Jahre Haft die Anklage fordern wird, wird voraussichtlich am Dienstag bekannt. Bis das Urteil verkündet wird, könnte es aber mehrere Monate dauern.

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