Konflikt in Nahost

Gaza-Waffenruhe bleibt auch nach Geisel-Freilassung instabil

16. Februar 2025, 15:00 Uhr · Quelle: dpa
Drei israelische Geiseln gegen 369 palästinensische Häftlinge - das war der Deal zwischen Hamas und Israel am Wochenende. Doch was wird in den kommenden Wochen aus dem Abkommen über die Waffenruhe?

Jerusalem (dpa) - Trotz der Freilassung weiterer israelischer Geiseln durch die islamistische Hamas steht die Waffenruhe im Gaza-Krieg weiter auf wackeligen Füßen. US-Außenminister Marco Rubio und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekräftigten am Sonntag nach einem Treffen in Jerusalem ihre harte Linie gegen die Terrororganisation. Die Hamas sprach wiederum nach der Tötung von drei Polizisten im Gazastreifen durch eine israelische Drohne von einem «schwerwiegenden Verstoß» gegen die Waffenruhe-Vereinbarung. 

Berichte über Misshandlung der Geiseln 

Die Hamas ließ am Samstag erneut drei männliche Geiseln gegen 369 palästinensische Häftlinge frei. Israelische Medien berichteten anschließend über schwere Misshandlungen der Entführten. Der 36-jährige Sagui Dekel-Chen sei bei Verhören durch die Hamas gefoltert worden. Dem Fernsehsender Kanal 12 zufolge weist sein Körper entsprechende Narben auf. Der Mann habe die ganzen Monate nicht gewusst, ob seine Familie das Massaker der Hamas und anderer Extremisten aus Gaza in Israel am 7. Oktober 2023 mit 1.200 Toten und rund 250 Verschleppten überlebt hatte. 

Erst kurz vor seiner Freilassung hätten seine Entführer ihm erzählt, dass seine Frau während seiner Gefangenschaft eine Tochter zur Welt gebracht habe, meldete der Sender Kan. Ein nach seiner Freilassung von Israels Armee verbreitetes Video zeigte Dekel-Chen in den Armen seiner weinenden Frau, die ihm auch den Namen der Tochter verriet: Schachar Mazal.

Der 29-jährige Alexander (Sascha) Trufanov wiederum habe bis zur Freilassung nicht gewusst, dass sein Vater bei dem Massaker an jenem 7. Oktober getötet wurde, hieß es weiter. Er sei in Tränen ausgebrochen, als er es nach seiner Freilassung am Samstag von Vertretern der israelischen Armee erfuhr, hieß es. 

Wie die «Times of Israel» weiter berichtete, verlor der ebenfalls freigelassene Iair Horn (46) während der Gefangenschaft Dutzende Kilogramm an Gewicht und sei kaum medizinisch versorgt worden. Alle drei Geiseln seien die meiste Zeit in Tunneln in Chan Junis im Süden des Gazastreifens festgehalten worden, nur wenige hundert Meter von ihren Häusern im Kibbuz Nir Oz entfernt. Sie hätten oft Hunger gelitten, aber während der Gefangenschaft auch Arabisch gelernt.

Umsetzung einer zweiten Phase der Waffenruhe weiter ungewiss

Während sich Netanjahus Regierung intern über die Zukunft des Abkommens beriet, demonstrierten am Samstagabend rund 1.000 Menschen in Tel Aviv für die volle Umsetzung des Abkommens. Sie warfen Netanjahu vor, eine Fortsetzung der Waffenruhe vereiteln zu wollen, um sich an der Macht zu halten. Sie fürchten um das Schicksal der restlichen Geiseln. 73 werden noch in Gaza festgehalten, wobei 36 davon tot sind. 

Netanjahu drohte bei dem Treffen mit Rubio, die «Tore zur Hölle» würden sich für Gaza öffnen, sollten die Geiseln nicht freigelassen werden. Am Montag begehen die Angehörigen der verbliebenen Verschleppten den 500. Tag seit ihrer Entführung. 

14 weitere Entführte, darunter acht Tote, sollen in den kommenden zwei Wochen im Rahmen der ersten Phase des Deals freikommen. Weitere lebende Verschleppte sollen dann in einer zweiten Phase freikommen. Ob diese zweite Phase jedoch tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit noch völlig ungewiss. 

Rubio: Hamas muss zerstört werden

US-Außenminister Rubio sagte in Jerusalem, die Hamas dürfe nicht die herrschende Kraft im Gazastreifen bleiben. Solange sie Israel mit Gewalt drohen könne, «wird Frieden unmöglich», sagte Rubio. Die Terrororganisation müsse zerstört werden. 

Netanjahu und Rubio bekräftigten übereinstimmend, dass der Iran keine Atomwaffen entwickeln und besitzen dürfe. Teheran stehe «hinter allem, was Frieden und Stabilität (in der Region) bedroht», sagte der US-Außenminister. Netanjahu sagte, die «Aggression des Irans in der Region» müsse eingedämmt werden. Mit Trumps Unterstützung könne Israel mit Blick auf den Iran «den Job erledigen». Beide forderten zudem eine Entwaffnung der vom Iran unterstützen libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah. Netanjahu betonte gleichzeitig, Israel sei der Waffenruhe im Libanon verpflichtet. 

Zur Zukunft des Gazastreifens habe US-Präsident Donald Trump sehr «mutige Pläne», sagte Rubio. Es habe keinen Sinn, «die müden alten Ideen zu wiederholen». Netanjahu sagte, Trump sei «der beste Freund, den Israel je im Weißen Haus hatte». Er arbeite «in voller Kooperation» mit ihm, es gebe eine gemeinsame Strategie. 

Rubio hatte vor seiner Reise die arabischen Staaten zu eigenen Vorschlägen bezüglich der Zukunft des Gazastreifens aufgefordert, nachdem Trump mit seinem Plan zur dauerhaften Umsiedlung der rund zwei Millionen Bewohner in arabische Staaten für Unruhe gesorgt hatte. Nach Trumps Vorstellung soll der verwüstete Gazastreifen unter Kontrolle der USA in eine «Riviera des Nahen Ostens» verwandelt werden. Nach Israel wollte Rubio nach Saudi-Arabien sowie in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen.

Schwere US-Bomben in Israel angekommen

Eine von Trump freigegebene Lieferung schwerer Bomben Typs MK-84 traf unterdessen in Israel ein. Sie seien mit Lastwagen vom Hafen in Aschdod in Militärbasen der israelischen Luftwaffe transportiert worden, teilte das israelische Verteidigungsministerium mit. Im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung von Biden eine Lieferung der 2.000-Pfund-Bomben aus Sorge gestoppt, sie könnten in bewohnten Gebieten in dem abgeriegelten Gazastreifen eingesetzt werden. Massive Luftangriffe haben in fast allen Teilen des Küstengebiets schwere Zerstörungen hinterlassen.

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16.02.2025 · 15:00 Uhr
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