G20-Gipfel in Südafrika: Ein Stuhl bleibt leer
Beim bevorstehenden G20-Gipfel in Johannesburg stehen die Zeichen auf Abwesenheit – jedoch nicht von Irrelevanz. Der Gipfel der weltweit führenden Industrie- und Schwellenländer muss ohne die Anwesenheit der USA auskommen. Präsident Donald Trump hat den Boykott gegen diese internationale Bühne beschlossen, womit das Treffen, das 2008 seinen Anfang in Washington nahm, eine neue Dynamik erhält.
Präsident Trump hatte den Boykott schon vor Wochen angekündigt und nun steht fest, dass kein Vertreter der USA am Tagungstisch Platz nehmen wird. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil bedauerte diese Entwicklung während eines Besuchs in Singapur. Doch Trump ist nicht der Einzige, dessen Anwesenheit fehlt. Auch Chinas Präsident Xi Jinping und Russlands Staatschef Wladimir Putin haben ihre Abwesenheit angekündigt, senden jedoch Vertretungen. Xi schickt Ministerpräsident Li Qiang, während Putin lediglich den stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung Maxim Oreschkin entsendet. Die Abwesenheit auf Chefebene bei Staaten wie Argentinien, Saudi-Arabien und Mexiko verstärkt die Herausforderung für den Gipfel.
Ein Blick auf die Agenda des Gipfels zeigt offene Fragen zu zentralen Themen wie dem Ukraine-Konflikt, den Nahost-Friedensprozessen und den globalen Handelszöllen. Für Experten erscheint es fraglich, wie diese potenziell richtungsweisenden Themen ohne die direkte Beteiligung der USA gelöst werden könnten.
Trotz der widrigen Umstände bricht Bundeskanzler Friedrich Merz zu seiner bisher längsten Dienstreise auf. Ohne sich von der Abwesenheit prominenter Staatschefs entmutigen zu lassen, strebt er einen vertieften Dialog mit afrikanischen Staaten an. Die afrikanische Union war jüngst als vollwertiges Mitglied in die G20 aufgenommen worden, was den diesjährigen Gipfel in Johannesburg noch bedeutsamer für den afrikanischen Kontinent macht.
Ein Ausblick auf das kommende Jahr gibt Trost: Die USA werden 2024 wieder Teil des G20-Gipfels sein, wenn Präsident Trump als Gastgeber zu einem Heimspiel im luxuriösen 'Doral' in Miami einlädt. Dieser symbolische Dreh- und Angelpunkt könnte die nächsten Entwicklungen der globalen Zusammenarbeit prägen.

