Fresenius will 2011 organisch wachsen - auf Zukäufe vorbereitet
17. Dezember 2010, 10:49 Uhr · Quelle: Dow Jones
Von Heide Oberhauser-Aslan DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Gesundheitskonzern Fresenius will 2011 weiter wachsen und setzt dabei vorrangig auf organisches Wachstum. Im Visier hat das Unternehmen aus Bad Homburg aber auch kleine und mittelgroße Zukäufe, wie Vorstandsvorsitzender Ulf M. Schneider in einem Interview mit Dow Jones Newswires sagte. Für eine strategische große Akquisition gibt es nach seinen Worten derzeit keine konkreten Pläne; allerdings erlaube die aktuelle Verschuldung einen solchen Schritt im Prinzip. Nach der Integration des US-Generikaunternehmens APP liege die Verschuldung wieder im angestrebten Bereich.
Derzeit sei der Blick vorrangig auf Wachstum aus eigener Kraft gerichtet, sagte Schneider: "2011 planen wir in jedem Unternehmensbereich und in jeder Region erneut organisches Wachstum." In den zurückliegenden Jahren sei der Konzern organisch stets mittel bis hoch einstellig gewachsen und habe zugleich den Nettogewinn entweder hoch einstellig oder niedrig zweistellig gesteigert. "Ich sehe auch mittelfristig keine Abkehr von diesem Wachstumstrend", erklärte der Manager.
Große Wachstumschancen sieht Schneider besonders in Schwellenländern. In der Region Asien-Pazifik meint dies vor allem China, darüber hinaus hat er in Südamerika Brasilien im Blick. Einen konkreten Ausblick auf 2011 will Schneider wie üblich erst auf der Bilanzpressekonferenz geben, die am 23. Februar stattfindet. Zugleich sollen auch neue Mittelfristziele vorgestellt werden.
Die Prognose für 2010 bekräftigte Schneider. "Die Jahresprognosen für den Konzern und die einzelnen Sparten kann ich voll bestätigen", sagte er. Vor diesem Hintergrund wird auch die Dividende höher ausfallen. "Eine Steigerung unseres Dividendenvorschlags kann ich mit Blick auf unsere Jahresprognose schon einmal sicher ankündigen, wieviel genau, werden wir wie üblich im Februar mitteilen", erklärte er. Für 2009 zahlte Fresenius 0,75 EUR je Stammaktie und 0,76 EUR je Vorzugsaktie.
Diverse Großakquisitionen von Fresenius in den vergangenen Jahren haben am Markt Erwartungen für die Zukunft geweckt. Schneider ist darüber nicht nur glücklich: "Wir sind keine Akquisitionsmaschine", sagte er. Vorrang habe bei Fresenius das gute Management des bestehenden Geschäfts mit Blick auf Wachstum und Marge. "Dass wir in einer Branche, die weiter konsolidiert, über kleinere und mittlere Zukäufe sprechen, ist normal", sagte er. "Vorrang hat aber das organische Wachstum".
Große Zukäufe habe es bei Fresenius immer nur dann gegeben, wenn dazu eine klare strategische Notwendigkeit bestand. Mit der jüngsten Akquisition dieser Art, dem Kauf des US-Unternehmens APP im Jahr 2008, habe sich der Bereich Kabi ein Standbein in der wichtigen Region Nordamerika erworben, das bis dahin gefehlt habe. Der Ausbau der Krankenhaussparte 2005 mit Helios sei ebenfalls notwendig gewesen, um gegenüber den großen Klinikketten nicht deutlich zurückzufallen, sagte Schneider.
Ausschließen will der Manager einen weiteren großen Zukauf nicht. Die Verschuldung sei mittlerweile wieder so zurückgeführt, dass das möglich sei. "Wir liegen jetzt wieder mit dem 2,5- bis 3-Fachen des EBITDA beim Verschuldungsgrad in unserem Zielkorridor", sagte Schneider. "Der Verschuldungsgrad würde also grundsätzlich wieder eine größere strategische Akquisition zulassen. Derzeit haben wir aber keine konkreten Pläne dafür", erklärte Schneider. Nach der APP-Übernahme war der Verschuldungsgrad bis auf 3,7 gestiegen.
Mit der Entwicklung von APP ist Schneider nach wie vor zufrieden. In diesem Jahr habe APP inklusive der Produktzulassungen von Fresenius Kabi Oncology zehn Neuzulassungen auf dem US-Markt geschafft, eine gesunde Mischung von großen und kleinen Produkten. Eine hohe einstellige Zahl von Neuzulassungen sei auch in Zukunft der Richtwert. Bei der US-Zulassungsbehörde FDA lägen derzeit noch etwa 30 Zulassungsanträge vor.
Profitiert hat APP 2010 auch von den Lieferengpässen einiger Wettbewerber, sagte Schneider. Mittlerweile sei der Höhepunkt der Knappheit überwunden. Eine EBIT-Marge von etwa 30% traut Schneider APP auch künftig zu.
Im Bereich der intravenös verabreichten Generika rechnet der Manager mit einer weiteren Marktkonzentration. Heute gebe es fünf Topunternehmen weltweit, die global vertreten seien: "Zu den Großen gehören neben uns noch Hospira, die Novartis-Tochter Sandoz, Teva sowie Baxter." Daneben gebe es deutlich kleinere Anbieter mit wenigen Präparaten oder solche, die nur in einem Land beziehungsweise in einer Region vertreten seien. "Sollte hier etwas zum Verkauf kommen, würden wir uns das anschauen", sagte Schneider.
Der Dialysekonzern Fresenius Medical Care muss sich 2011 auf das neue Abrechnungssystem in den USA einstellen, das von der bisherigen Einzelvergütung auf eine Pauschalvergütung umgestellt wird. Schneider bereitet die Umstellung aber keine Sorgen. "Mittelfristig und strategisch erwarten wir, dass Fresenius Medical Care von der Umstellung auf die qualitätsabhängige Kostenerstattung profitieren wird", sagte er: "Wir sind zuversichtlich, dass wir auch im Übergangsjahr 2011 die zunächst steigenden Belastungen werden ausgleichen können".
Auch das FMC-Geschäft möchte Schneider noch ausbauen. "Wir möchten wie bisher Dialysekliniken in allen Regionen zukaufen", sagte er. Das Produktgeschäft von FMC werde dagegen schwerpunktmäßig organisch wachsen.
In der Krankenhaussparte Helios hofft Schneider 2011 auf weitere Privatisierungsobjekte. In diesem Jahr gelang lediglich eine Übernahme einer Klinik gelungen. "Wir sind derzeit an einigen wenigen konkreten Verfahren beteiligt", sagte er.
Webseite: www.fresenius.de
-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires +49 (0)69 - 29725 113, [email protected] DJG/hoa/rio
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Gesundheitskonzern Fresenius will 2011 weiter wachsen und setzt dabei vorrangig auf organisches Wachstum. Im Visier hat das Unternehmen aus Bad Homburg aber auch kleine und mittelgroße Zukäufe, wie Vorstandsvorsitzender Ulf M. Schneider in einem Interview mit Dow Jones Newswires sagte. Für eine strategische große Akquisition gibt es nach seinen Worten derzeit keine konkreten Pläne; allerdings erlaube die aktuelle Verschuldung einen solchen Schritt im Prinzip. Nach der Integration des US-Generikaunternehmens APP liege die Verschuldung wieder im angestrebten Bereich.
Derzeit sei der Blick vorrangig auf Wachstum aus eigener Kraft gerichtet, sagte Schneider: "2011 planen wir in jedem Unternehmensbereich und in jeder Region erneut organisches Wachstum." In den zurückliegenden Jahren sei der Konzern organisch stets mittel bis hoch einstellig gewachsen und habe zugleich den Nettogewinn entweder hoch einstellig oder niedrig zweistellig gesteigert. "Ich sehe auch mittelfristig keine Abkehr von diesem Wachstumstrend", erklärte der Manager.
Große Wachstumschancen sieht Schneider besonders in Schwellenländern. In der Region Asien-Pazifik meint dies vor allem China, darüber hinaus hat er in Südamerika Brasilien im Blick. Einen konkreten Ausblick auf 2011 will Schneider wie üblich erst auf der Bilanzpressekonferenz geben, die am 23. Februar stattfindet. Zugleich sollen auch neue Mittelfristziele vorgestellt werden.
Die Prognose für 2010 bekräftigte Schneider. "Die Jahresprognosen für den Konzern und die einzelnen Sparten kann ich voll bestätigen", sagte er. Vor diesem Hintergrund wird auch die Dividende höher ausfallen. "Eine Steigerung unseres Dividendenvorschlags kann ich mit Blick auf unsere Jahresprognose schon einmal sicher ankündigen, wieviel genau, werden wir wie üblich im Februar mitteilen", erklärte er. Für 2009 zahlte Fresenius 0,75 EUR je Stammaktie und 0,76 EUR je Vorzugsaktie.
Diverse Großakquisitionen von Fresenius in den vergangenen Jahren haben am Markt Erwartungen für die Zukunft geweckt. Schneider ist darüber nicht nur glücklich: "Wir sind keine Akquisitionsmaschine", sagte er. Vorrang habe bei Fresenius das gute Management des bestehenden Geschäfts mit Blick auf Wachstum und Marge. "Dass wir in einer Branche, die weiter konsolidiert, über kleinere und mittlere Zukäufe sprechen, ist normal", sagte er. "Vorrang hat aber das organische Wachstum".
Große Zukäufe habe es bei Fresenius immer nur dann gegeben, wenn dazu eine klare strategische Notwendigkeit bestand. Mit der jüngsten Akquisition dieser Art, dem Kauf des US-Unternehmens APP im Jahr 2008, habe sich der Bereich Kabi ein Standbein in der wichtigen Region Nordamerika erworben, das bis dahin gefehlt habe. Der Ausbau der Krankenhaussparte 2005 mit Helios sei ebenfalls notwendig gewesen, um gegenüber den großen Klinikketten nicht deutlich zurückzufallen, sagte Schneider.
Ausschließen will der Manager einen weiteren großen Zukauf nicht. Die Verschuldung sei mittlerweile wieder so zurückgeführt, dass das möglich sei. "Wir liegen jetzt wieder mit dem 2,5- bis 3-Fachen des EBITDA beim Verschuldungsgrad in unserem Zielkorridor", sagte Schneider. "Der Verschuldungsgrad würde also grundsätzlich wieder eine größere strategische Akquisition zulassen. Derzeit haben wir aber keine konkreten Pläne dafür", erklärte Schneider. Nach der APP-Übernahme war der Verschuldungsgrad bis auf 3,7 gestiegen.
Mit der Entwicklung von APP ist Schneider nach wie vor zufrieden. In diesem Jahr habe APP inklusive der Produktzulassungen von Fresenius Kabi Oncology zehn Neuzulassungen auf dem US-Markt geschafft, eine gesunde Mischung von großen und kleinen Produkten. Eine hohe einstellige Zahl von Neuzulassungen sei auch in Zukunft der Richtwert. Bei der US-Zulassungsbehörde FDA lägen derzeit noch etwa 30 Zulassungsanträge vor.
Profitiert hat APP 2010 auch von den Lieferengpässen einiger Wettbewerber, sagte Schneider. Mittlerweile sei der Höhepunkt der Knappheit überwunden. Eine EBIT-Marge von etwa 30% traut Schneider APP auch künftig zu.
Im Bereich der intravenös verabreichten Generika rechnet der Manager mit einer weiteren Marktkonzentration. Heute gebe es fünf Topunternehmen weltweit, die global vertreten seien: "Zu den Großen gehören neben uns noch Hospira, die Novartis-Tochter Sandoz, Teva sowie Baxter." Daneben gebe es deutlich kleinere Anbieter mit wenigen Präparaten oder solche, die nur in einem Land beziehungsweise in einer Region vertreten seien. "Sollte hier etwas zum Verkauf kommen, würden wir uns das anschauen", sagte Schneider.
Der Dialysekonzern Fresenius Medical Care muss sich 2011 auf das neue Abrechnungssystem in den USA einstellen, das von der bisherigen Einzelvergütung auf eine Pauschalvergütung umgestellt wird. Schneider bereitet die Umstellung aber keine Sorgen. "Mittelfristig und strategisch erwarten wir, dass Fresenius Medical Care von der Umstellung auf die qualitätsabhängige Kostenerstattung profitieren wird", sagte er: "Wir sind zuversichtlich, dass wir auch im Übergangsjahr 2011 die zunächst steigenden Belastungen werden ausgleichen können".
Auch das FMC-Geschäft möchte Schneider noch ausbauen. "Wir möchten wie bisher Dialysekliniken in allen Regionen zukaufen", sagte er. Das Produktgeschäft von FMC werde dagegen schwerpunktmäßig organisch wachsen.
In der Krankenhaussparte Helios hofft Schneider 2011 auf weitere Privatisierungsobjekte. In diesem Jahr gelang lediglich eine Übernahme einer Klinik gelungen. "Wir sind derzeit an einigen wenigen konkreten Verfahren beteiligt", sagte er.
Webseite: www.fresenius.de
-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires +49 (0)69 - 29725 113, [email protected] DJG/hoa/rio

