Frankreichs Premier stößt mit Aussetzung der Rentenreform auf gemischte Reaktionen
In einem gewagten Schritt zur Beruhigung der politischen Spannungen kündigte Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu an, die umstrittene Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron vorerst auf Eis zu legen. Diese Entscheidung könnte den Druck auf seine frisch formierte Mitte-Rechts-Regierung mildern, die sich einem nahenden Misstrauensvotum gegenübersieht. Mit dieser Maßnahme soll das Vertrauen geschaffen werden, um alternative Lösungsansätze zu finden, wie Lecornu vor der Nationalversammlung bekundete.
Der Premierminister ist auf die Toleranz der Opposition angewiesen, da seine Regierung nicht über die notwendige Mehrheit im Parlament verfügt. Besonders die Sozialisten, deren Unterstützung Lecornu intensiv umwirbt, zeigten sich gnädig: Sie wollen beim anstehenden Votum nicht gegen die Regierung stimmen. Dennoch bleibt die politische Lage unübersichtlich, da ein Absturz der Regierung schnell zu einer Destabilisierung führen könnte.
Die Rentenreform, die im Frühjahr 2023 am Parlament vorbei verabschiedet wurde, hatte das Land in monatelange Proteste gestürzt. Die Anpassung des Renteneintrittsalters von 62 auf 64 Jahre war in Etappen erfolgt und hatte die Gemüter erhitzt. Lecornu betonte, dass mit der Reform ein empfindliches Loch in der Rentenkasse gestopft werden sollte. Trotz der Aussetzung der Reform fordert Lecornu einen nachhaltigen Plan zur Reformierung des Rentensystems, um auch langfristig ein Ausbalancieren der Staatsfinanzen zu gewährleisten.
Der Premierminister kündigte zudem die Einberufung einer Konferenz mit Sozialpartnern an, um Lösungen für das Rentensystem und die Arbeitsmarktsituation zu erarbeiten. Sollte dabei eine Einigung erzielt werden, würde die Regierung diese umsetzen wollen, andernfalls müssten Präsidentschaftskandidaten ihre Vorschläge vorlegen und die Bürger würden das letzte Wort haben.
Parallel dazu stellte Lecornu einen Haushaltsetat vor, der Frankreichs überlastete Finanzen sanieren soll. Die Regierung plant, das Defizit von jetzt 5,4 Prozent auf unter 4,7 Prozent im nächsten Jahr zu reduzieren, ein Vorhaben, das bereits von der Europäischen Union aufmerksam verfolgt wird.

