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Frankreichs Nuklearmacht: De Gaulles Vermächtnis und Macrons Ambitionen

06. März 2025, 15:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwägt, verbündete Länder unter den Schutz der französischen Atomwaffen zu stellen. Doch wie entstand die Force de Frappe überhaupt – und wie unabhängig ist sie wirklich?

Als Frankreich im Februar 1960 seine erste Atombombe in der algerischen Sahara zündete, war das nicht nur ein symbolischer Moment. Es war ein strategisches Signal: Frankreich wollte nie wieder von fremden Schutzmächten abhängig sein. Heute steht die Grande Nation erneut an einem nuklearen Scheideweg.

Präsident Macron deutet an, dass Frankreich seine nukleare Abschreckung über die eigenen Landesgrenzen hinaus ausweiten könnte. Doch ist die Force de Frappe tatsächlich bereit, eine paneuropäische Schutzmacht zu werden?

Frankreichs Weg zur Force de Frappe

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Frankreichs Status als Großmacht ins Wanken geraten. Die USA und die Sowjetunion dominierten die Weltpolitik, Großbritannien hielt sich mit seinem Empire noch über Wasser, während Frankreich nach der Niederlage in Indochina und der Suez-Krise 1956 zunehmend an geopolitischer Bedeutung verlor.

Für Charles de Gaulle, der 1958 erneut an die Macht kam, war das nicht hinnehmbar. Sein Ziel war klar: Frankreich musste militärisch unabhängig werden – auch von den USA.

„Eine Nation, die keine eigene Atomwaffe hat, wird nicht ernst genommen“, soll er gesagt haben.

Die technische Grundlage dafür war bereits gelegt. Bereits 1945 hatte Frankreich als erste Nation weltweit eine zivile Atomenergiebehörde gegründet. Während die USA und Großbritannien ihre Forschung unter Ausschluss der Franzosen vorantrieben, entwickelte Paris im Verborgenen eigene Kapazitäten. 1954 genehmigte die Regierung unter Premierminister Pierre Mendès France schließlich offiziell das Atomwaffenprogramm.

Mit „Gerboise Bleue“ trat Frankreich in den Kreis der Atommächte ein. Die Bombe war mit bis zu 70 Kilotonnen TNT deutlich stärker als die US-Bombe über Hiroshima.

1958, kurz nach de Gaulles Amtsantritt, erhielt das Projekt höchste Priorität. Nur zwei Jahre später, am 13. Februar 1960, zündete Frankreich im algerischen Reggane seine erste Atombombe – eine 70-Kilotonnen-Sprengladung, deutlich stärker als die erste US-Bombe über Hiroshima.

Frankreichs Nuklearstrategie als Alleingang

Die Nuklearstrategie Frankreichs unterschied sich grundlegend von der der NATO. Während die USA und Großbritannien ihre Atomwaffen in das gemeinsame Verteidigungsbündnis einbrachten, wollte de Gaulle eine vollständig autonome Abschreckung.

Das führte 1966 zum Eklat: Frankreich trat aus der integrierten Kommandostruktur der NATO aus. De Gaulle wollte keine US-amerikanischen Einflüsse auf seine Force de Frappe. Das bedeutete allerdings auch, dass Frankreich im Ernstfall keine Sicherheitsgarantie durch die USA erhielt.

Die Force de Frappe setzte auf ein sogenanntes „Terror der Schwachen“-Konzept: Die Strategie beruhte darauf, dass Frankreich einem übermächtigen Gegner – gemeint war damals die Sowjetunion – in einem finalen Schlag massiven Schaden zufügen konnte.

Frankreich baute daraufhin sein Arsenal aus:

  • Ab 1964 wurden Mirage-IV-Bomber für den Nuklearwaffeneinsatz bereitgestellt.
  • 1971 folgten ballistische Raketen in unterirdischen Silos.
  • 1972 nahm Frankreich seine ersten atomar bestückten U-Boote in Betrieb.

Diese Komponenten bildeten die „drei Säulen“ der französischen Abschreckung, die bis heute Bestand haben.

Kann die Force de Frappe Europa schützen?

Während die USA, Großbritannien und Russland ihre Atomwaffenarsenale modernisiert haben, verfolgt Frankreich einen pragmatischeren Ansatz. Die Zahl der nuklearen Sprengköpfe wurde auf etwa 290 reduziert, der Großteil davon auf vier U-Boote verteilt, die jederzeit im Einsatz sein können.

Doch Macron will mehr. Seit Jahren wirbt er für eine „europäische strategische Autonomie“. Frankreich ist die einzige Atommacht der EU – sollte es also die nukleare Schutzmacht Europas werden?

Die Idee hat jedoch einige Hürden:

  1. Politische Akzeptanz: Weder Deutschland noch andere EU-Staaten haben sich offiziell hinter Macrons Idee gestellt.
  2. Militärische Reichweite: Französische Atomwaffen sind vorrangig für die Verteidigung des eigenen Territoriums konzipiert, nicht für eine gesamteuropäische Abschreckung.
  3. Fehlende Zweitschlagskapazitäten: Frankreichs Atom-U-Boote sind zwar einsatzfähig, doch im Vergleich zu den USA oder Russland ist die Force de Frappe begrenzt.

Die zentrale Frage bleibt: Würde Frankreich im Ernstfall tatsächlich eine Atombombe für ein anderes europäisches Land zünden?

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[InvestmentWeek] · 06.03.2025 · 15:00 Uhr
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