Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu: Ein Balanceakt zwischen Konsenssuche und Protesten
Frankreichs frisch ernannter Premierminister Sébastien Lecornu hat seine ersten diplomatischen Schritte unternommen, indem er sich mit den Spitzen der beiden Kammern des Parlaments, der Nationalversammlung und dem Senat, traf. Am Vormittag begrüßte der 39-jährige Lecornu Yaël Braun-Pivet, die Präsidentin der Nationalversammlung, für ein konstruktives Gespräch. Kurz darauf nahm er an einem Treffen mit Gérard Larcher, dem Präsidenten des Senats, teil. Lecornu steht vor der Herausforderung, in der Nationalversammlung eine tragfähige Mehrheit für seine politischen Vorhaben zu sichern. Die politische Landschaft ist durch drei große Fraktionen geprägt: das Mitte-Lager von Präsident Emmanuel Macron, ein Linksbündnis und Marine Le Pens rechte Nationale. Keiner dieser Blöcke verfügt über eine eigene Mehrheit, und seine Vorgänger scheiterten am mangelnden parlamentarischen Rückhalt.
Braun-Pivet betonte nach dem Treffen, dass die Erwartung der Franzosen an die Politik darin besteht, Einheit zu schaffen. Diese Dynamik zu fördern und die Parlamentarier zur Überwindung von Spaltungen zu bewegen, liege in der Verantwortung des Premierministers. Während Lecornu als enger Vertrauter Macrons betrachtet wird, sind die Erwartungen an ihn hoch, zunächst durch Konsultationen mit verschiedenen politischen Kräften des Landes einen tragfähigen Haushalt zu formulieren. Der Élysée-Palast hat angekündigt, dass dies Lecornus erste Priorität sein wird, wenngleich die Ausarbeitung einer Regierung noch etwas Zeit in Anspruch nehmen könnte. Angesichts der erheblichen Verschuldung Frankreichs ist die Zeit jedoch im Nacken, um einen Haushalt mit notwendigen Einsparungen für das kommende Jahr vorzulegen.
Zeitgleich zu Lecornus Antritt sorgte ein landesweiter Protest mit etwa 200.000 Teilnehmern für Aufsehen. Die Demonstranten opponierten gegen Sparmaßnahmen, die zu Lecornus Nominierung führten. Die Protestaktionen endeten teilweise in Ausschreitungen, bei denen 675 Personen festgenommen wurden.

